Publiziert am: 22.08.2014

«Die Kosten müssen endlich sinken»

ELEKTRONISCHER ZAHLUNGSVERKEHR – Bargeld, Karte, Smartphone – für die Karteninhaber zählen Kosten, Convenience und ­Sicherheit, weiss August Harder, Präsident des Verbands Elektronischer Zahlungsverkehr (VEZ).

Im Schweizer Detailhandel werden jährlich geschätzte 100 Milliarden Franken umgesetzt. Werden Reise- und Tourismusbranchen wie Verkehr, Hotellerie und Gastronomie sowie alle weiteren Branchen hinzugerechnet, deren Waren und Dienstleistungen bar oder mittels Karten beglichen werden, so liegt die Umsatzschwelle von 150 Milliarden Franken in Reichweite. Angesichts dieser volkswirtschaftlich relevanten Masse stellt sich die Frage nach dem «besten» Zahlungssystem. Entscheidend sind dafür die Parameter von Kosten, Convenience und Sicherheit – welche die verschiedenen Akteure allerdings unterschiedlich gewichten.

Der Verband Elektronischer Zahlungsverkehr (VEZ), dem auch der Schweizerische Gewerbeverband sgv angehört, setzt sich dafür ein, dass diese Dreifaltigkeit heute wie in Zukunft im Fokus bleibt. Heute ist die Balance nicht überall gewahrt: Dem VEZ und den ihm angeschlossenen Unternehmen und Verbänden sind speziell die Kreditkarten-Kosten ein Dorn im Auge.

Benchmark: «König Bargeld»

Schweizer lieben Bargeld. So hat sich das von der Nationalbank herausgegebene Cash (Noten- und Münzumlauf) in den letzten zehn Jahren um rund die Hälfte erhöht. Eine wirklich spürbare Substitution des Bargelds sähe anders aus, auch wenn in derselben Periode die Transaktionen mit Kredit- und Debitkarten noch stärker zugenommen, sich nämlich beinahe verdoppelt haben.

In der Tat erlebt das Bargeld in jüngster Zeit eine mindestens mediale Renaissance. Schlagzeilen wie «Die Hölle ist bargeldlos» (Weltwoche) drücken die Befürchtungen vieler aus, welche die elektronischen Zahlungsmittel als Gefahr für die Privatsphäre und als Requisit des totalen Überwachungsstaates betrachten. Ideen der Bundesverwaltung, Bargeldtransaktionen betraglich zu begrenzen, verstärken den Verdacht, der elektronische Zahlungsverkehr diene weniger den Konsumenten als vielmehr den Interessen von «Big Brother».

Wie dem auch sei: Auch im Bereich des Zahlungsverkehrs gilt, dass nur das Bessere der Feind des Guten sein kann. Bargeldzahlungen werden am Verkaufspunkt rasch abgewickelt, die Kosten des Bargeldhandlings halten sich trotz des Aufwands für die Sicherheit in Grenzen und der Kunde ist an Bargeld gewöhnt. Alternative, sprich elektronische Zahlungssysteme müssen deshalb eine hohe Hürde überspringen, um Bargeld ernsthaft zu bedrängen. Dies gilt auch hierzulande und ist daran erkennbar, dass sich die Schweiz bezüglich Anzahl bargeldloser Transaktionen und Umsatz pro Kopf lediglich im europäischen Mittelfeld befindet.

Gefragt sind Zahlungssysteme 
zu tiefen Kosten

Für die Kartenakzeptanten sind neben der technischen Zuverlässigkeit der elektronischen Zahlungssysteme vor allem die Kosten der Infrastruktur und der einzelnen Transaktionen von ausschlaggebender Bedeutung. Gerade ist wieder eine Welle neuer Investitionen in Zahlterminals über die Schweiz geschwappt, deren Kosten von insgesamt klar über 100 Millionen Franken einzig und allein von den Händlern getragen werden mussten.

Gefragt ist deshalb aus Sicht von Handel und Gewerbe ein Volkszahlungsmittel in Form einer Debitkarte, die sicher, einfach, d.h. ohne zusätzlichen Schnickschnack (wie er z.B. bei vielen Kreditkarten zu finden ist), sowie kostengünstig am Verkaufspunkt eingesetzt werden kann und damit die beste Alternative zum Bargeld darstellt. Die beiden Debitkarten Maestro (herausgegeben von den Banken) und PostFinance Card, mit denen die Zahlung sofort auf dem Bankkonto abgebucht wird, erfüllen diese Anforderungen weitestgehend. Und dies obwohl eine Maestro- oder PostFinance-Card-Transaktion bis zu 30–50 Rappen kostet und deshalb in Betrieben mit tieferen Umsätzen und weniger häufigen Transaktionen ganz gehörig an der Marge des Händlers nagen kann.

Dass die Gesamtbeurteilung der Debitkarten aus Sicht der Kartenakzeptanten heute positiv ausfällt, ist nicht zuletzt dem von der Wettbewerbskommission erlassenen Verbot von Interchange-Gebühren zu verdanken. Solche würden nämlich in die Taschen der (kartenherausgebenden) Banken fliessen. Da aber die Debit-Zahlungssysteme technisch ausgereift sind, stünde solchen Gebühren kein Mehrwert gegenüber – Interchange-Gebühren wären wirtschaftlich gesehen reine Monopolrenten. Zu fordern ist deshalb, dass es bei diesem Verbot bleibt, auch wenn in der EU derzeit über eine Interchange-Gebühr auf Debitkarten von maximal 0,2 Prozent debattiert wird.

Missverhältnis bei Kreditkarten

Das weitaus grössere Missverhältnis zwischen Kosten und Nutzen ist bei den Kreditkarten zu orten, wo schweizweit eine im internationalen Vergleich hohe Interchange-Gebühr von 0,94 Prozent und mehr (berechnet auf dem Transaktionsumsatz) erhoben wird. Diese Monopolgebühr spült den Kartenherausgebern jährlich mehr als 200 Millionen Franken in die Kassen. Und dies trotz des Umstands, dass gerade im Kreditkartengeschäft (anders als bei den Debitkarten) den Kartenherausgebern gleich mehrere andere Einkommensströme zugute kommen: Kreditzinsen, Währungsumrechnungen, Gebühren für Bargeldbezüge, Erträge aus Loyalitätsprogrammen, Bearbeitungszuschläge für Transaktionen im Ausland etc. bilden einen bunten Strauss von Erträgen. Sie erlauben es den Kartenherausgebern, das Kreditkarten-Geschäft profitabel zu betreiben und es technisch weiterzuentwickeln – mehr braucht es nicht. Auf der anderen Seite zählt für den Detailhandel und die Tourismusbranchen, die mit tiefen Umsatzmargen und der Frankenstärke zu kämpfen haben, jeder Rappen, wenn es um die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Anbietern ennet der Grenze geht. Der VEZ setzt sich deshalb dafür ein, dass die schweizerischen Interchange-Gebühren wenn nicht ganz abgeschafft, so doch mindestens auf ein im europäischen Vergleich erträgliches Niveau (maximal 0,3 Prozent) gesenkt werden.

Herausgeber in der Pflicht

Schon heute mehren sich die Beispiele von Gewerblern, die einzelne Kredit- und (sogar) Debitkarten entweder ganz ablehnen oder sie erst ab einem bestimmten Transaktionsbetrag akzeptieren. Das kann zu unerquicklichen Situationen mit den Kunden führen, ist aber Ausdruck des realen Unbehagens vieler Händler angesichts der heutigen Kostensituation. Die Kartenherausgeber stehen deshalb in der Pflicht, einen Effort zu machen, wenn sie tatsächlich den elektronischen Zahlungsmitteln zu einem neuen Schub verhelfen wollen. Mit der Lancierung neuer Techniken und Applikationen allein, so verlockend das Zahlen via Smartphone auch sein mag, ist es jedenfalls nicht getan. Auch die Kosten im Hier und Jetzt müssen stimmen.

August Harder, 
Präsident Verband Elektronischer Zahlungsverkehr (VEZ)