Publiziert am: Freitag, 5. Oktober 2018

«Die Physik kann man nicht überlisten»

ELEKTROMOBILITÄT – Unter dem Titel «Die Revolution lässt auf sich warten» wurde in der sgz, Nr. 11 vom 6. Juli 
2018, die Frage nach der zukünftigen Mobilität gestellt. Wolfgang Rapp ist sich sicher: Die Batterie ist keine Dauerlösung.

Viele bayrische und österreichische Seen sind mit einem Verbot für Verbrennungsmotoren belegt, oder es gibt nur eine begrenzte Anzahl an Lizenzen für Boote mit Verbrennungsmotoren. Auch deshalb hat sich Wolfgang Rapp stark mit Elektromobilität beschäftigt – so hat er einen Elektromotor mitentwickelt, der bei gleicher Leistung deutlich leichter ist als vergleichbare Motoren. Vom dort erworbenen Know-how profitiert er nach wie vor.

So sehr Rapp von der Funktionsweise der Elektromotoren angetan ist («Ein E-Motor an sich ist der Hammer!»), so sehr ärgert er sich über die Verherrlichung der Elektromobilität. «Woher soll all der Strom kommen, wenn die Grünen gleichzeitig die Atomkraftwerke stilllegen wollen?», fragt er. Batterien bezeichnet Rapp als «totgeborenes Kind». Lithium-Ionen-Akkus reichen zwar aus für Küchengeräte oder Smartphones. Für Elektroautos, Boote oder Flugzeuge benötigt es aber deutlich mehr «Stoff».

Die Batterie muss ersetzt werden

Ein Batteriesatz hat eine Lebens­dauer von ca. sieben Jahren. «Er braucht enorm viel Rohstoffe, teils seltene Erden wie Cobalt, welche auch zur Neige gehen. Bis eine Batterie zum ersten Mal betrieben werden kann, wurde für deren Herstellung schon so viel CO2 verursacht, dass es sicher nicht besser ist als die 
Abgase eines herkömmlichen Verbrennungsmotors», so Rapps klares 
Verdikt. «Von den ausbeuterischen Verhältnissen, in denen die seltenen Erden abgebaut werden, ganz zu schweigen…» Die meisten Akkus kommen aus China.

Die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa hielt schon letztes Jahr fest: «Der Lebensstil immer grösserer Teile der Welt hängt von einer Lieferregion ab. Dass die bewährte Lithium-Ionen-Batterie durch andere Techniken ergänzt werden sollte und dereinst ersetzt werden muss, liegt also auf der Hand.» An der Empa forschen mehrere Teams an der Batterie der Zukunft.

Wasserstoff statt Öl

«Dass die Abgase weg müssen, ist völlig klar», betont Rapp. Viele 
Hybridprojekte sind aber weniger 
effizient als propagiert. Sollen die Batterien eines Hybrids im Betrieb 
geladen werden, wird auch mehr Leistung vom Verbrennungsmotor benötigt. Darüber werde wenig gesprochen, «aber die Physik kann man nicht überlisten», so der Bootbauer.

Hingegen ist er sich sicher: «Wasserstoffbrennzellen, das würde klappen.» Er durfte ein Auto mit Wasserstoffantrieb testen, bei dem mithilfe von Wasserstoffbrennzellen Strom für einen Elektromotor erzeugt wird. «Das funktioniert einwandfrei und wäre schon seit 30 Jahren serienreif.»

Einziges Problem: die Herstellung und Umverteilung von Wasserstoff. Das müssten die Ölmultis übernehmen. «Sie haben die Infrastruktur mit den Verteilsystemen. Ausserdem würde die Weltwirtschaft zusammenbrechen, wenn man den Ölkonzernen alles einfach wegnimmt», so der Bootbauer. «Aber welcher Politiker würde sich schon getrauen, das so vorzuschlagen?»uhl

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