Publiziert am: 19.02.2021

«Die Sehnsucht nach Frühling ist gross!

FRÜHLINGSBOTEN – Blumen machen glücklich, vermitteln positive Gedanken und sind Medizin für die Seele. Dies stellt auch Jsa Jeisy, Geschäftsführerin, Floristin & Berufsbildnerin bei b-blumen in Zofingen, fest: Gerade in der aktuellen Situation – im Homeoffice – werden Blumen und Pflanzen immer wichtiger.

Schweizerische Gewerbezeitung: Blumengeschäfte sind vom Lockdown ausgenommen. Wie erleben Sie diese Zeit des zweiten Shutdowns in Ihrem Geschäft in Zofingen?

Jsa Jeisy: Wir sind erleichtert, dass wir unser Geschäft offenhalten dürfen, es ist aber immer der Hintergedanke im Kopf, dass es Verschärfungen gibt. Wir nehmen einen Tag nach dem anderen – und wir können mit der aktuellen Situation besser umgehen als im letzten Frühling. Damals hiess es am Montagabend, ab morgen bleibt das Geschäft geschlossen. Für uns mit den vielen Schnittblumen war das keineswegs erfreulich. Wir hätten Vorlaufszeit gebraucht.

Ist die Kundenfrequenz noch gleich hoch, und wie ist die Stimmung der Kundschaft?

Die Kundenfrequenz vor Weihnachten war ok. Danach hatten wir rund 50 Prozent Umsatzeinbusse, die Zofinger Altstadt war wie ausgestorben. Das hat uns Angst gemacht. Die aktuelle Situation ist für die Bevölkerung ungewiss. Viele Leute wissen nicht, welche Geschäfte nun geöffnet und welche Läden geschlossen sind. Seit Februar haben wir wieder mehr Kundschaft.

Blumen und Pflanzen werden im Homeoffice immer wichtiger. Welche Bedürfnisse und Wünsche haben Ihre Kunden?

Das Zuhause – wo sie die meiste Zeit verbringen – ist jetzt erst recht zu einem wichtigen Ort geworden. Viele Leute richten in ihrem Heim nun eine Wohlfühloase ein. Das erfreut das Gemüt und nährt die Seele. Deshalb holen sich viele unserer Kundinnen und Kunden bereits jetzt schon den farbenfrohen Frühling ins Haus.

Welche psychologische Rolle spiele Blumen gerade in der aktuellen Situation?

Blumen sind nährender, vitaminreicher, gute Laune versprühender «Seelehüpferbalsam». Für viele Kundinnen und Kunden gehören Blumen zu den «Grundnahrungsmitteln».

Warum machen uns Blumen glücklich?

Blumen können in uns glückliche Gehirnbotenstoffe auslösen (vgl. Kasten). Dazu gehört Dopamin, das durch das Blühen einer Blume unseren Sinnen das Zeichen erteilt, dass nun etwas Besonders da ist. Oxytocin schafft das angenehme Gefühl sozialen Vertrauens. Blumen vermitteln aber auch Respekt und Zerbrechlichkeit. Wir erfahren so die Unbeständigkeit der Blumen, und sie erinnert uns daran, dass Pflege notwendig ist, um Leben zu erhalten. Serotonin ist verantwortlich, dass wir immer wieder nach positiven Wegen suchen. Blumen unterstützen dies – egal ob wir schenken oder empfangen oder sie für uns selbst kaufen. Blumen helfen uns, uns gut und geborgen zu fühlen!

Welche Blumen sind besonders gefragt?

Die Sehnsucht nach dem Frühling ist gross. Er symbolisiert das Erwachen – vielleicht aus dem aktuellen «Albtraum», in dem wir jetzt das Gefühl haben, zu stecken. Tulpen, Ranunkeln, Anemonen, Margeriten, Ziergehölz, Hyazinthen, Traubenhya­zinthen in zauberhaften Farben und Formen lenken uns ab und entführen uns in eine «heile» Welt.

Sie sind noch Berufsbildnerin und haben eine Lernende. Wie erlebt sie den Lockdown respektive wie wird ihre Ausbildung davon tangiert?

Unsere Lernende ist im 1. Lehrjahr. Bei uns im Geschäft läuft für sie alles normal. Allerdings ist in der Berufsschule kein Präsenzunterricht mehr, sondern E-Learning angesagt.

Welche Auswirkungen hat Corona auf die Ausbildung in Ihrer Branche?

Leider können wir momentan keine Schnupperkurse für interessierte Schülerinnen und Schüler anbieten. Das ist schade, denn unser Beruf der Florist/in EFZ ist beliebt. Ich gebe den Jugendlichen immer gern die Möglichkeit, unseren wundervollen Beruf vor Ort kennen zu lernen. Zum Glück benötige ich erst im Sommer 2023 wieder eine Lernende. Dann bin ich aber darauf angewiesen, dass die Lehrabgängerinnen und -gänger über längere Zeit mittels Schnuppern den Beruf aktiv kennen lernen, damit ich dann eine gute Auswahl treffen kann.

Interview:

Corinne Remund

www.b-blumen.ch

DARUM MACHEN UNS BLUMEN GLÜCKLICH

Medizin für die Seele

Blumen lösen in uns glückliche Gehirnchemikalien aus. Dazu gehören:

Dopamin: Es wird durch die Erwartung einer Belohnung ausgelöst. Blumen waren ein riesiges Belohnungssignal in der Welt, in der sich unser Gehirn entwickelte, weil sie nach einem hungrigen Winter die Ankunft des Überflusses markierten. Heute haben wir genug zu essen, so dass wir nicht bewusst Blumen mit Lebensmitteln verbinden. Helle Farben signalisierten wertvolle Nahrung für unsere Vorfahren, die Jäger waren. Sie balancierten ihre Diät, indem sie nach Farbflecken suchten. Dopamin hat ihnen dabei ein gutes Gefühl gegeben. Heute sorgen Farbe und Vielfalt dafür, dass wir uns gut fühlen.

Oxytocin: Diese Chemikalie wird oft als «Bindungshormon» bezeichnet. Oxytocin schafft das angenehme Gefühl sozialen Vertrauens, sei es romantische Liebe, Mutterliebe oder Gruppensolidarität. Wir alle wissen, wie schwer dieses Gefühl zu finden ist und wie leicht es verloren gehen kann. Deshalb sind wir so begierig nach Möglichkeiten, es zu stimulieren. Blumen helfen dabei – sie regen das soziale Vertrauen in vielerlei Hinsicht an.

Serotonin: Wenn ein Säugetier seine soziale Bedeutung vorantreibt, gibt das ein gutes Gefühl durch die Freisetzung von Serotonin. Ob wir Blumen züchten, kaufen oder aus der Ferne bewundern, sie können das Gefühl des Stolzes stimulieren, nach dem unser Säugetierhirn sucht. Serotonin ist verantwortlich, dass wir immer wieder nach sozial akzeptablen Wegen suchen. Viele unserer sozialen Rituale existieren, um diesen natürlichen Drang auf gesunde Weise zu befriedigen. Blumen unterstützen diese Rituale – egal ob wir sie schenken, sie empfangen oder sie für uns selbst kaufen. CR

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