Publiziert am: Freitag, 15. Dezember 2017

Die Stärke liegt im Team

INTEGRATIONSPOOL+ – 2013 hat der Kanton Freiburg ein neuartiges Instrument gegen die Langzeitarbeitslosigkeit geschaffen. Eine Analyse der Einführungszeit zeigt erfreuliche Resultate.

Nach nur zwölf Monaten droht einer aus dem Arbeitsprozess ausgeschlossenen Person bereits der Verlust eines Grossteils ihrer beruflichen Fähigkeiten. Dadurch wird die Rückkehr in den Arbeitsmarkt ernsthaft gefährdet. Um die Langzeitarbeitslosigkeit zu bekämpfen, hat der Kanton Freiburg 2013 eine für die Schweiz neuartige Struktur geschaffen: den Integrationspool+. Dieser richtet sich an eine besonders geschwächte Kategorie von Arbeitssuchenden: solche, die nicht oder nicht mehr Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung erheben können und Sozialhilfeleistungen beziehen oder in den letzten zwölf Monaten bezogen haben.

Intensiv und persönlich

Die grosse Neuerung des Instruments liegt in der Synergie der Betreuung. Die Stellensuchenden werden in den kantonalen RAV-Zentren von einem Team aus je einem Sozialarbeiter und einem Personalberater betreut. Diese bereichsübergreifende Zusammenarbeit macht es möglich, zugleich auf die beruflichen und die sozialen Probleme einzugehen und damit Situationen zu deblockieren, die sich über Monate oder gar Jahre festgefahren haben. Die intensive und persönliche Betreuung dauert maximal neun 
Monate. In dieser Zeit wird evaluiert, wie die Stellensuchenden vermittelt werden könnten, und ihnen werden Integrationsmassnahmen vorgeschlagen.

Positive Wirkung sichtbar

Das SECO hat eine Analyse der zweijährigen Einführungsphase (2013 bis 2015) von Integrationspool+ finanziert, da es sich um eine neue Wiedereingliederungsmassnahme handelt. Bei den Initianten handelt es sich um das kantonale Amt für Arbeitsmarkt AMA und das kantonale Sozialamt KSA. Sie haben die Hochschule Freiburg mit der Studie beauftragt. Seit Herbst liegen die Resultate vor. Sie zeigen, dass positive Wirkungen schon kurz nach der Lancierung der neuen Massnahmen aufgetreten sind. Während der untersuchten Phase fanden deutlich mehr Stellensuchende, die von Integrationspool+ profitieren konnten, eine neue Arbeit als eine vergleichbare Gruppe, die nicht daran teilnahm.

Vier von fünf finden eine Lösung

Nach der Einführungsphase wurden die Resultate dank organisatorischen Anpassungen noch verbessert. Seit März 2013 wurden im Kanton Freiburg rund 1200 Langzeitarbeitslose durch Integrationspool+ betreut. 30 Prozent verliessen die Struktur mit einem Arbeitsvertrag in der Tasche, 50 Prozent mit einer Übergangslösung (Aus-/Weiterbildung, Neuorientierung), und nur für 20 Prozent fand sich keine Lösung (RAV und/oder Sozialamt, aus dem System ausgeschieden).

Zusätzliche Chancen

Die Stärke von Integrationspool+ liegt vor allem in der Zusammenarbeit zwischen Personal- und Sozialberater, die ein Betreuungsteam 
bilden. Hervorgehoben wird in der Studie auch die Wichtigkeit der Kontakte zu den freiburgischen Unternehmen. Diese können einen von Integrationspool+ vermittelten Stellensuchenden während einiger Monate beschäftigen und ihn – sofern er ihren Bedürfnissen entspricht – dann einstellen. Damit bietet sich Personen mit einem schwierigen Lebenslauf eine zusätzliche Chance, sich wieder in die Arbeitswelt zu integrieren. Im Gegenzug profitieren auch die Betriebe: Je nachdem, über welche Qualifikationen die stellensuchende Person verfügt und welche zusätzlichen Ausbildungen ihr im Unternehmen geboten werden, übernimmt das Arbeitsamt den Lohn während der Einarbeitungsphase teilweise oder gar vollständig.

Charles de Reyff,

Vorsteher des Amtes 
für den Arbeitsmarkt

Vertrauen gefasst

Der Fall von Françoise zeigt die Funktionsweise des Integrationspool+ exemplarisch: Nach längerem Aufenthalt im Ausland, während dem sie ihren Beruf als Assistenz-Krankenschwester nicht ausübte, kehrte Françoise in die Schweiz zurück. Wegen der langen Berufspause und des Umstands, dass ihr Diplom heute nicht mehr anerkannt wird, verlief ihre Arbeitssuche erfolglos. Die finanzielle Situation der alleinerziehenden Mutter von drei Kindern wurde prekär, und sie wandte sich an das Sozialamt.

2016 kam Françoise zum Integrationspool+. Das Tandem von Personalberater und Sozialhelfer überzeugte sie, sich im Beruf der Hilfspflegerin zu versuchen, der ihre Fähigkeiten zwar niveaumässig unterschritt, nach dem auf dem Arbeitsmarkt jedoch ein grosser Bedarf besteht. Françoise war einverstanden. Es wurde Kontakt aufgenommen zu einem freiburgischen Alters- und Pflegeheim, das den Werdegang der Kandidatin berücksichtigte. Françoise wurde für eine Stage eingestellt, während der ihre Kompetenzen getestet wurden. Sie fasste wieder Vertrauen in die Arbeitswelt und zeigte sich hoch motiviert. Das glückliche Ende: ein Arbeitsvertrag als Hilfspflegerin 80 Prozent in demselben Alters- und Pflegeheim.