Publiziert am: Freitag, 22. Januar 2016

«Die wollen mein
bestes Land haben» Ein Nein untergräbt das Jahrhundertwerk NEAT Staus werden zum Alltag

Verladeanlagen bedrängen 
Landwirte. Ihre Lebensgrundlage droht überbaut und verschandelt zu werden. Das darf nicht sein!

Im Sommer arbeitet Hans Arnold auf der Alp. Auf dem Urnerboden, der grössten Kuhalp der ganzen Schweiz, pflegt er mit seinen Kollegen über 1000 Kühe. Die grössten Sorgen plagen den Landwirt aber im Tal. Sein Hof liegt auf den Feldern vor Erstfeld. 6,5 Hektar bewirtschaftet Hans Arnold dort. Seine Böden drohen nun von überdimensionierten Verladeanlagen verschandelt zu werden. Den Bau der Verladeanlagen fordern die Gegner einer zweiten Tunnelröhre am Gotthard. Sie wollen damit den Schwerverkehr während der Tunnelsanierung auf die Bahn verladen, anstatt ihn durch eine zweite Röhre zu führen. Nötig wäre der Bau der grössten Verladeanlagen von ganz Europa. Grösser als die Anlagen vor dem Eurotunnel am Ärmelkanal. Die besten Böden in den engen Alpentälern in den Kantonen Uri und Tessin würden überbaut. Auf dem Buckel der lokalen Bevölkerung, der Landwirtschaft und der Umwelt.

«Kann der Gotthard-Strassentunnel nicht sauber mit einer zweiten Röhre saniert werden, fahren künftig während 18 Stunden am Tag die Lastwagen rund um meinen Hof. Wo heute meine Felder sind, wird nur noch Beton und Verkehr sein. Das werde ich nicht akzeptieren», sagt Hans Arnold. «Die Gegner der zweiten Gotthardröhre argumentieren mit Umweltschutz. Das ist verlogen. Wer soviel Grünfläche opfert, schützt die Umwelt nicht. Ich werde für meinen Hof und meine Felder kämpfen.»

Wird der Gotthard gesperrt, weichen Lastwagen und Autos auf die anderen Alpenübergänge aus. Die Folge sind mehr Staus und Unfälle im Mittelland und an den Alpenpässen im Wallis und in Graubünden.

2006 musste der Gotthard-Strassentunnel nach einem Steinschlag für mehrere Wochen gesperrt werden. Am San Bernardino wurden in der Folge 285,5 Prozent mehr Lastwagen gezählt. Auch bei den Personenwagen kam es mit einem Plus von 134,5 Prozent zu massivem Mehrverkehr. Das ist eine direkte ­Bedrohung für die Verkehrssicherheit auf der A13 und über den San Bernardino.

Ein ähnliches Bild erwartet uns am Simplon. Dort nahm 2006 der Lastwagen­verkehr um rund 136 Prozent zu und verstopfte als Folge die Kantonsstrassen. Auch auf den Zubringerachsen im Mittelland muss mit mehr Verkehr und Staus gerechnet werden. Um das zu verhindern, braucht es einen Sanierungstunnel.

2016 wird der neue NEAT-Basistunnel eröffnet. Es ist ein Jahrhundertbauwerk, in das viel Geld investiert wurde. Das Ziel: Als Flachbahn mit ­hohen Geschwindigkeiten soll der Güterverkehr auf der Schiene wettbewerbsfähiger werden. Transnationale Güter sollen auf die Schiene verlagert werden. Das ist sinnvoll.

Verlagerungsziele gefährdet

Doch genau diese Ziele werden untergraben, wenn während der Sanierung des Gotthard-Strassentunnels Lastwagen aus dem Schweizer Binnenverkehr auf die Bahn verladen und zwischen Erstfeld und Biasca in den NEAT-Tunnel eingeschleust werden. Aus einer Hochgeschwindigkeitsbahn wird eine langsame und für Pannen anfällige Verladependlerstrecke.

Schiene und Strasse: 
Es braucht beide

Konkret müssten bei einem Verladekonzept transnationale Züge aufwendig über die alte Scheitelstrecke umgeleitet werden, weil langsame Verladezüge das Trassee blockieren. Der Nutzen der NEAT wird so kaputt gemacht.

Auch müsste die Geschwindigkeit im NEAT-Tunnel von 200 auf 160 km/h reduziert werden. Dies verlängert die Fahrzeit im Basistunnel um 5 bis 
6 Minuten. Das wiederum geht direkt zulasten der Wettbewerbsfähigkeit der NEAT.

Die Forderungen der Tunnelgegner nach einer Verladelösung für die Gotthardsanierung sind kontraproduktiv für die Verlagerung der Güter auf die Schiene. Es braucht beide: Strasse und Schiene. Wenn diese gegeneinander ausgespielt werden, gewinnt niemand, alle verlieren.