Publiziert am: 27.03.2014

«Die Zeche bezahlen die Schwächsten»

BEIZENSTERBEN – Das Gastgewerbe 
wird die Folgen eines staatlich diktierten Mindestlohns unmittelbar spüren. In der 
Folge werden nicht 
wenige Restaurants 
ihren Betrieb einstellen müssen.

Ein Restaurant zu führen ist sehr personalintensiv: Köche, Küchenhilfen, Servierpersonal, Barkeeper und viele weitere Angestellte braucht es für einen reibungslosen Service. Nur so kann der Gastbetrieb den Bedürfnissen seiner Gäste gerecht werden und ein attraktives Angebot gewährleisten. Die Löhne machen denn auch – gemessen an den Gesamtkosten in der Gastronomie – den Löwenanteil aus – 48,5 Prozent des Umsatzes werden dafür aufgewendet. Die Margen sind klein, der Wettbewerb brutal. Deshalb würden viele Betriebe einen per Gesetz vorgeschriebenen international rekordhohen Mindestlohn nicht stemmen können. Diejenigen, welche überlebten, egal ob Luxusbetrieb oder kleine Dorfbeiz, müssten Stellen streichen und Mitarbeitende entlassen.

Über 5200 Franken pro Monat

«Mit der Mindestlohn-Initiative müss-ten wir inklusive Ferienzuschlägen und 13. Monatslohn für eine unge-lernte Aushilfe ohne Erfahrung und Sprachkenntnisse einen Stunden-lohn von 26.95 Franken bezahlen. Das ergibt aufgerechnet pro Monat über 5200 Franken. Sehr viele Be-triebe können sich das schlicht nicht leisten. Die Mindestlohn-Initiative wird zu einem regelrechten Beizen-sterben führen», ist Hannes Jaisli, stellvertretender Direktor des Dach-verbandes GastroSuisse, überzeugt. Es sei auch nicht möglich, in einem Speiserestaurant einfach die Selbst-bedienung einzuführen, um die Kosten so wieder in den Griff zu bekommen. Das würde erstens ebenfalls auf einen Stellenabbau hinauslaufen und zudem von den Kunden nicht akzeptiert, so Jaisli weiter: «Eine Rationalisierung wäre nur möglich, wenn der Wirt mehr Fertigprodukte extern ein kauft und weniger selber produziert.» Der Wunsch der Kunden geht häufig genau in die andere Richtung.

Mitarbeiter sind die 
Leidtragenden

Der Wettbewerb in der Gastronomie ist extrem hoch. Auf Preisanpassun-gen reagieren Kunden sehr sensibel. Den durch die Mindestlohn-Initiative verursachten Kostenschub an die Kunden weiterzugeben, wird kaum möglich sein. «Die Preise für einen Kaffee und die Stange sind ein Politikum. Wer in einem Dorf als erster Wirt auch nur im Rappenbereich aufschlägt, bekommt dies mit sinkenden Umsätzen direkt zu spüren. Deshalb werden es in den allermeisten Fällen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sein, die ein Ja zur Mindestlohn-Initiative ausbaden müssen», betont Jaisli.

Das Ende der funktionierenden Sozialpartnerschaft

Der Stellenwert der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gastgewerbe wird seit Jahrzehnten mit einer intakten Sozialpartnerschaft unterstrichen. Der Gesamtarbeitsvertrag des Gast-gewerbes ist mit zwischen 200 000 und 250 000 Mitarbeitern der grösste und wurde in den letzten 25 Jahren regelmässig allgemeinverbindlich erklärt. Der GAV ist das Resultat langer und intensiver Verhandlungen. Experten von beiden Seiten legen darin fest, welche Löhne in einer Branche überhaupt bezahlt werden können. Die Sozialpartner haben sich im GAV des Gastgewerbes für Ungelernte auf einen Minimallohn von 18.72 Franken geeinigt. Zudem bietet der GAV für die Angestellten mit einem 13. Monatslohn und fünf Wochen Ferien interessante Bedingungen.

Die Mindestlohn-Initiative greift diese gut funktionierende und geregelte Sozialpartnerschaft frontal an: «Die Einführung des staatlichen Mindestlohns würde ein riesiges Fragezeichen hinter die Sozialpartnerschaft stellen. Der bestehende GAV mit Vorzügen der zusätzlichen Ferienwoche, Zulagen und 13. Monatslohn würde unter Druck geraten», so Jaisli. «Mit der Mindestlohn-Initiative ersetzen wir das Gespräch der Sozialpartner durch ein starres staatliches Lohndiktat. Das schadet sowohl den Unternehmern wie auch den Angestellten. Niemand gewinnt und alle verlieren.»

Weniger Qualifizierte spüren die Auswirkungen zuerst

Das Gastgewerbe erfüllt auch eine wichtige soziale Funktion, indem es auch Menschen, die sich nur schwer in den Arbeitsmarkt integrieren können, einen Job bietet. So ist der Anteil der weniger Qualifizierten, der Ausländer, der Jungen sowie Teilzeitmitarbeitenden im Vergleich zur Gesamtwirtschaft überdurchschnittlich hoch. 2008 war rund jeder zehnte Erwerbstätige ohne Ausbildung im Gastgewerbe beschäftigt. Die Branche und damit genau diese Leute werden als erste die negativen Auswirkungen der Mindestlohn-Initiative heftig zu spüren bekommen.

«Die Mindest-
lohn-Initiative 
führt zu einem 
Beizensterben.»

«Die Sozialpartner-
schaft wird 
untergraben.»