Publiziert am: Freitag, 5. Februar 2016

Die Zukunft hat längst begonnen

DIGITALE TRANSFORMATION – Die Digitalisierung ist Schwerpunktthema des sgv im Jahr 2016. Zum Auftakt ein Überblick über den Stand der Dinge – und wie KMU die digitale Herausforderung meistern.

Digitale Transformation – privat ist sie schon lange eine Realität: Online-Shopping, das Handy als mobilen Schreibtisch benutzen und Freundschaften in Online-Konferenzen mit Bild und Ton pflegen, sind Alltagsgepflogenheiten geworden. Doch wie halten es die Firmen mit der Digitalisierung?

«NOCH GIBT’S GROSSE UNTERSCHIEDE ZWISCHEN DEN BRANCHEN.»

Auch für Unternehmen können 
die neuen digitalen Realitäten zur Überlebensfrage werden. Das ist ­inzwischen ins Bewusstsein aller vorgedrungen. Immer mehr Organisationen setzten sich systematisch und strategisch damit auseinander, wie sie die Chancen durch Technologie und Konsumentenverhalten getriebene Innovationen nutzen und Bedrohungen ihrer etablierten Produkte, Dienste und Geschäftsmodelle zuvorkommen können.

Digitale Fähigkeiten

Die Universität St. Gallen hat im Jahr 2015 eine Studie zur Digitalisierung in der Schweiz publiziert. Darin werden notwendige Fähigkeiten, vorhandene Kompetenzen und der Handlungsbedarf bei Unternehmen unterschieden.

Was sind die entscheidenden digitalen Fähigkeiten? Es sind deren neun:

Customer Experience: Ein Unternehmen ist in der Lage, Wertversprechen und Angebote konsequent auf das veränderte Verhalten der digitalen Kunden auszurichten.

Produktinnovation: Digital reife Unternehmen nutzen digitale Technologien, um innovative Services und Produkte zu entwickeln.

Strategie: Digital reife Unternehmen haben ihre Strategie konsequent darauf ausgerichtet, neue Möglichkeiten von digitalen Technologien zu nutzen.

Organisation: Die strategische Aufstellung ist an die neuen Herausforderungen angepasst und digitale Kompetenzen sind effizient im Unternehmen zur Verfügung gestellt.

Auf der obersten Führungsebene

Weiter wichtig für den «digitalen Erfolg» sind:

Prozessdigitalisierung: Digital reife Unternehmen richten alle Prozesse rund um Kommunikation, Transaktion und Führung auf digitale Strukturen aus und automatisieren diese, wo möglich.

Zusammenarbeit: Digitale Technologien werden innerhalb des Unternehmens genutzt, um Kommunikation, Kollaboration und mobiles Arbeiten der Mitarbeitenden zu unterstützen.

ICT-Betrieb & Entwicklung: Digital reife Unternehmen stellen ihre technologische Basis auf die neuen Herausforderungen um, so dass sowohl ICT-Infrastruktur als auch Informa­tionssysteme neue digitale Produkte, Services, Kommunikation und Transaktionen ermöglichen.

Kultur & Expertise: In der Unternehmenskultur besteht Offenheit und Verständnis gegenüber digitalen Technologien, und entsprechende Fähigkeiten und Verhaltensweisen sind verankert.

Transformationsmanagement: In digital reifen Unternehmen ist die digitale Transformation ein von 
der obersten Führungsebene geplanter und gesteuerter Prozess, der durch eine klare Roadmap geführt wird.

Schweizer KMU gut gerüstet

Vielleicht mag es erstaunen, aber die meisten Unternehmen, die an der Studie teilgenommen haben, sind in ihrer Digitalisierung bereits weit fortgeschritten. Sie haben das Stadium des Ausprobierens in der digitalen Welt bereits hinter sich.

Was aber die noch bessere Nachricht ist: Kleine Unternehmen haben die Nase vorn! Firmen mit weniger als 100 Mitarbeitern erreichten einen höheren Gesamtreifegrad als grössere Firmen. Vor allem sind Fähigkeiten wie Risikobereitschaft, eine offene Fehlerkultur und digitale Affinität in diesen Unternehmen stärker ausgeprägt.

«Flexibles Arbeiten», «Digitale Affinität» und «Geschäftsfelderweiterung» sind die Kriterien, bei denen die Teilnehmer die höchsten Erfüllungsgrade erzielen. Fähigkeiten wie diese sind also als notwendige Grundlagen der digitalen Transformation zu verstehen.

Noch viel Handlungsbedarf

Doch es gibt noch viel zu tun. Denn der Handlungsbedarf ist vorhanden. Beispielsweise gibt es grosse Unterschiede zwischen den Branchen. Während Unternehmen im Bereich Information und Kommunikation die höchsten Reifegrade erzielen, weisen Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe oder aus dem Bereich Verwaltung und Schule die niedrigsten Reifegrade auf. Auf der Ebene der Unternehmensaufgaben sind «Performance Measurement», «Automatisierung» und «Analytics» dagegen jene Bereiche, bei denen die meisten Teilnehmer weniger gut abschneiden. Hier besteht für die meisten Unternehmen noch Verbesserungspotenzial.

Was empfiehlt die Studie?

Fünf Ratschläge sollen zum Nachdenken anregen:

Ohne die Unterstützung der Geschäftsleitung geht es nicht.

Ohne das mittlere Management geht’s erst recht nicht.

Keine Transformation ohne Strategie.

Den Spirit eines digitalen Unternehmens leben.

Aus einzelnen Projekten ein Programm machen.

Henrique Schneider,

Ressortleiter sgv

Digitalisierung

Jahresthema des sgv

Der Schweizerische Gewerbeverband sgv hat das Thema Digitalisierung zu seinem Jahresthema 2016 gemacht. Es soll aufgezeigt werden, welche Chancen und Herausforderungen aus der Digitalisierung für KMU entstehen. Der Höhepunkt dieses Themas ist das KMU-Tagesforum synergy vom Mittwoch, 
2. November 2016.

SUISSEDIGITAL geht für das laufende Jahr eine verstärkte Kooperation mit dem sgv ein. Diese umfasst ein Engagement als Hauptsponsor der synergy 2016 und eine inhaltliche Zusammenarbeit zum Thema Digitalisierung.

SUISSEDIGITAL ist der Wirtschaftsverband der Schweizer Kommunikationsnetze. Ihm sind 200 privatwirtschaftlich wie auch öffentlich-rechtlich organisierte Unternehmen angeschlossen, die rund 2,6 Millionen Haushalte mit Radio, TV, HDTV, Internet, Telefonie und weiteren Angeboten versorgen. SUISSEDIGITAL ist Mitglied des sgv.