Publiziert am: Freitag, 10. November 2017

«Digitale Währung setzt sich durch»

Elektronische Zahlungsmittel – Als erstes Schweizer Versandhaus bietet Lehner Versand die Bezahlung mit Bitcoins an. Damit möchte Geschäftsführer Thomas Meier die Legitimation von Kryptowährungen als seriöses Zahlungsmittel vorantreiben.

Das Schweizer Versandhaus Lehner in Schenkon bei Sursee ist für seine innovative und fortschrittliche Unternehmensführung bekannt. Seine neuste Errungenschaft ist die Akzeptanz von Kryptowährungen als elektronisches Zahlungsmittel. «Ab sofort kann im Onlineshop und in Kürze in den sieben Direktverkaufsstellen mit Bitcoins bezahlt werden. Damit sind wir der erste Webshop, der Kryptowährungen akzeptiert», sagt Thomas Meier, Geschäftsführer und Mitinhaber von Lehner Versand. Obwohl Digitalwährungen zum Teil umstritten sind (vgl. Seite 11 und 23), setzt das engagierte Familienunternehmen auf Bitcoins & Co. «Kryptowährungen sind ein legitimes Zahlungsmittel, das vielfach belächelt und unberechtigterweise in eine kriminelle Ecke gestellt wird», stellt Thomas Meier fest und ergänzt: «Bis jetzt galten insbesondere Bitcoins als Wertaufbewahrungsmittel, wie beispielsweise Gold. Wir bieten nun im Webshop die Möglichkeit, die Digitalwährung in Ware umzutauschen. Wenn wir damit dem Zahlungsmittel zu mehr Glaubwürdigkeit verhelfen können, umso besser.»

Zusatzleistung für Kunden

Seit 2016 fasziniert Thomas Meier die Technik und die institutionelle Unabhängigkeit von Kryptowährungen: «Wir beobachten die Verbreitung dieser neuen Währung seit einiger Zeit und sind überzeugt, dass wir damit den heutigen Kunden eine Zusatzleistung anbieten und neue Kunden gewinnen.» Im Gegensatz zu den PayPal- oder Kreditkartenkosten seien die Transaktionskosten von Bitcoins minim. «Die Transaktion findet nur zwischen dem Kunden und Lehner Versand statt, ohne eine Bank dazwischen. Ich habe mich schon lange gefragt, wieso eine E-Banking-Zahlung immer eine Nachverarbeitung benötigt. Bei Bitcoinzahlungen habe ich den Betrag innerhalb 
von 15 Minuten, und das weltweit», streicht Thomas Meier die Vorteile hervor.

Kalkulierbares Risiko

Die Währung könne sehr volatil sein und während eines Tages locker zehn Prozent sinken oder steigen. Aber gerade das mache den Reiz aus. «Es funktioniert ohne Staat, ohne Zen­tralbank und ohne Retailbanken. Es ist der reine Glaube an die Technologie», so Thomas Meier, der sich bei der Einführung der Bitcoins vom unabhängigen Schweizer IT-Beratungsunternehmen Inacta AG aus Zug beraten liess. Doch fürchtet sich der Unternehmer nicht davor, dass die Bitcoins an Wert verlieren? «Bis jetzt sind die Bitcoinbeträge in einem überschaubaren Bereich und somit ein kalkulierbares Risiko», sagt der Präsident der Gewerbevereins Schenkon. Die Bezahlung mit Bitcoins scheint denn auch einem Kundenbedürfnis zu entsprechen, so wurde ­bereits eine zweistellige Zahl von Bestellungen damit bezahlt. Dazu Thomas Meier: «Das ist natürlich nicht viel gegenüber den sonstigen Bestellungen. Dennoch bin ich überzeugt, dass es für den Kunden neben Rechnung, Kreditkarten, Twint, PayPal und Ratenzahlung eine weitere Alternative zur Zahlung ist.» In naher Zukunft werden auch weitere alternative Währungen, sogenannte Altcoins, wie zum Beispiel Ether, Dash, Litecoin oder Ripple, angenommen. «Wir könnten mit der Bitcoin Exchange Coinify bereits 15 Digitalwährungen annehmen», so Thomas Meier. Geplant sei zudem, einen Bitcoin-Automaten in der Filiale Schenkon aufzustellen, bei dem sich im Handumdrehen Bargeld gegen Bit­coins umtauschen lasse.

Für den weitsichtigen Unternehmer ist klar, dass man sich früher oder später mit dem Thema Kryptowährungen auseinandersetzen muss. «Bis jetzt ist es nur eine Nische, aber ich bin felsenfest überzeugt, dass sich eine digitale Währung durchsetzen wird. Diejenigen Unternehmen, die sich bereits Know-how in diesem Bereich angeeignet haben, werden einen Wissensvorsprung haben», betont Thomas Meier.

Corinne Remund