Publiziert am: 18.11.2016

«Drehtüreffekt» verhindern

ARBEITSMARKTINTEGRATION – Mehrere Institutionen arbeiten im Pilotprojekt «Pforte Arbeitsmarkt» eng zusammen. Das Modell soll in Zukunft im ganzen Kanton Aargau umgesetzt werden.

Schweizerische Gewerbezeitung: Thomas Buchmann, wie erklären Sie das Konzept «Pforte Arbeitsmarkt» jemandem, der noch nie etwas davon gehört hat?

n Thomas Buchmann: Die IV-Stelle, die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) und die Sozialdienste von zehn Gemeinden arbeiten in der «Pforte Arbeitsmarkt» im Bereich der Arbeitsintegration eng zusammen. Dadurch können die Stellensuchenden die Möglichkeiten der beiden Sozialversicherungen und der Sozialhilfe optimal nutzen und schnell in den Arbeitsmarkt integriert werden. Mit dem schweizweit einzigartigen Pilotprojekt «Pforte Arbeitsmarkt» in Menziken ist dieses Konzept umgesetzt worden.

Warum hat man die «Pforte Arbeitsmarkt» geschaffen?

n Stellensuchende mit sogenannter Mehrfachproblematik wurden früher oft von einer Institution zur anderen geschickt. Dieser sogenannte «Drehtüreffekt» war ein grosses Problem. Bei den Institutionen hat sich in den letzten zehn Jahren viel bewegt. Früher war in der Arbeitsintegration nur das Regionale Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) tätig, heute gehört Arbeitsintegration auch zu den Aufgaben der IV-Stelle. Auf den Gemeinden nimmt aus finanziellen Gründen der Druck zu, Sozialhilfebeziehende wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Die Zeit war also reif für ein Projekt wie die «Pforte Arbeitsmarkt», das Doppelspurigkeiten verhindert und die Arbeitsmarktintegration als gemeinsame Aufgabe umsetzt.

Wo steht das Projekt 
im Moment?

n Das Pilotprojekt in Menziken läuft noch bis März 2019. Wir erarbeiten zurzeit ein angepasstes Konzept 
für den Regelbetrieb von «Pforten 
Arbeitsmarkt» im ganzen Kanton. Die Institutionen werden wie im Pilotprojekt viel enger zusammenarbeiten als bisher und die Arbeitsintegration aus einer Hand wird realisiert. Die Zusammenarbeit der Institutionen unter demselben Dach wie im Pilotprojekt wird hingegen nur teilweise umgesetzt. Der aktuelle Plan sieht vor, dass im Laufe von 2019 auf der Basis der RAV-Infrastruktur «Pforten Arbeitsmarkt» im ganzen Kanton entstehen.

«Ein ‹Abschieben› 
von einer Institution in die andere gibt es nicht mehr.»

Was sind die Vorteile von 
«Pforten Arbeitsmarkt» für die Stellensuchenden?

n Stellensuchende haben nur eine Beratungsperson, die sie berät und unterstützt. Diese Person ist verantwortlich für den abgestimmten Einsatz von Integrationsmassnahmen aller beteiligten Institutionen. Ein «Abschieben» von einer Institution in die andere gibt es nicht mehr. Es geht immer darum, die bestmögliche ­Lösung für die Stellensuchenden zu finden.

Was bringt diese Art der Zusammenarbeit den Arbeitgebern?

n Auch Arbeitgeber haben nur noch einen Ansprechpartner. Diese Arbeitgeberberatenden übernehmen für RAV, IV-Stelle oder Gemeinden die Kontaktpflege gegenüber den Arbeitgebern. Diese können ihnen offene Stellen melden oder Unterstützung anfordern, etwa für einen Arbeitsplatz­erhalt bei verminderter Leistungsfähigkeit von Mitarbeitenden. So können Arbeitgeber und Arbeitgeberberatende ein Vertrauensverhältnis aufbauen. Dies erlaubt z. B. bei Stellen-
meldungen eine schnelle Reaktion mit passenden Vorschlägen von Stellensuchenden oder auch die Integration von Stellensuchenden mit Leistungsdefiziten oder gesundheitlichen Einschränkungen. Die Erfahrungen im Pilotprojekt «Pforte Arbeitsmarkt» in Menziken zeigen, dass Arbeitgeber diese Zusammenarbeit ausserordentlich schätzen.

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