Publiziert am: Freitag, 22. August 2014

Drei von fünf Elektromotoren sind zu alt

MOTOR SUMMIT 2014 – Topmotors-Spezialisten haben 4142 Antriebssysteme von Schweizer Firmen evaluiert. Fazit: Vielerorts sind veraltete Elektromotoren im Einsatz. Optimierung oder Ersatz würden Kostenersparnisse bringen.

In Schweizer Produktionsbetrieben und Infrastrukturanlagen stehen Abertausende von elektrischen Motoren, die Tag für Tag gehorsam ihre Dienste tun. Sie sind unentbehrlich und arbeiten meistens im Hintergrund. Umso mehr fällt ihr Stromverbrauch auf: Satte 45 Prozent des elektrischen Energieverbrauchs der Schweiz gehen auf ihr Konto.

Mehr als ein Drittel 
über 20 Jahre alt

«Drei von fünf elektrischen Motoren haben ihr Rentneralter längst überschritten und sind ineffizient», sagt Topmotors-Gründer Conrad U. Brunner. Sein unabhängiges Beraterbüro, das sich weltweit für effiziente Motoren engagiert, hat zwischen 2007 und 2014 im Rahmen des Förderprogramms «Easy» elektrische Antriebe in 18 Schweizer Industriebetrieben untersucht. Die Leistung der insgesamt 4142 untersuchten Motoren liegt zwischen zirka einem und 1000 kW. Die Analyse zeigt nun, dass mehr als die Hälfte dieser Motoren, die Pumpen, Ventilatoren oder Kompressoren antreiben, bereits heute doppelt so alt sind wie vorgesehen – sie haben ihr Verfallsdatum längst überschritten. Mehr als ein Drittel stehen sogar schon über 20 Jahre im Einsatz. Die Motoren laufen im Schnitt zehn bis zwölf Stunden am Tag, wobei der wirklich nötige Bedarf der Produktion nur in wenigen Fällen überprüft und reguliert wird. Viele Motoren laufen permanent in einem niedrigen Teillastbereich, das heisst, sie sind für die Anwendung überdimensioniert und haben somit einen schlechten Wirkungsgrad. Mit dem Förderprogramm «Easy» will Topmotors den Betrieben beratend mit dem «Motorcheck» unter die Arme greifen. Dabei wird eine Potentialabschätzung beim Antrieb gemacht und allenfalls ein Ersatz finanziell unterstützt.

Frequenzumrichter reduzieren Energiebedarf

Frequenzumrichter schaffen oft Abhilfe; mit ihnen lässt sich die Drehzahl beliebig verändern. Eine Drehzahlreduzierung von nur zehn Prozent hat eine fast 30-prozentige Verringerung der aufgenommenen Leistung zur Folge. Doch mangelndes Wissen und der Kostendruck bei Neuanschaffungen verhindern oft eine energieeffiziente Umrüstung oder Erneuerung des Maschinenparks. «Oft werden günstige, ineffiziente Motoren gekauft, da die Energiekosten eine untergeordnete Rolle spielen», sagt Rolf Tieben von Topmotors.

Neuanschaffungen rechnen sich

«Neue, effiziente Motoren rechnen sich, denn die Lebenszykluskosten – Anschaffung, Energie und Unterhalt – von Elektromotoren bestehen zwischen 90 bis 97 Prozent aus den Energiekosten», rechnet die Topmotors-Ökonomin Rita Werle vor. ­Viele der veralteten, im Rahmen von ­«Easy» begutachteten Antriebssysteme könnten bei einem Payback von unter fünf Jahren relativ günstig ersetzt oder verbessert ­werden. Wie viele der Topmotors-Verbesserungsvorschläge umgesetzt werden, wird sich beim «Easy»-Projektabschluss im November 2014 zeigen.

Stefan Hartmann

aKTUELL

«Motor Summit 2014» in Zürich

Vom 7. bis 9. Oktober 2014 findet in Zürich der «Motor Summit 2014» statt. Dieser steht ganz im Zeichen effizienter elektrischer Antriebssysteme. Organisiert wird der Anlass von Topmotors und S.A.F.E. Der «Motor Summit 2014» bringt internationale Experten aus der Forschung sowie Vertreter von Regierungsstellen, Energieversorgern, Motorenherstellern und Maschinenbauern mit industriellen Anwendern zusammen.

Am 9. Oktober, dem «Schweizer Tag», informieren Referenten über gesetzliche Mindestanforderungen bei Motoren sowie die Energiestrategie 2050 des Bundes. Der Einsatz von Frequenzumrichtern sowie effizientere Pumpen, Ventilatoren, bessere Transmissionen und moderne Hydrauliksysteme bilden ein wichtiges Thema.