Publiziert am: 23.10.2020

Drittschäden können teuer werden

VERSICHERUNGSRATGEBER – Ein Obhutsschaden an fremden, anvertrauten Utensilien kann nicht automatisch auf die eigene Haftpflichtversicherung überwälzt werden. Deshalb empfiehlt es sich die Betriebshaftpflichtversicherung gründlich zu prüfen und wenn nötig entsprechend zu erweitern.

M. W. aus O.: «Als Inhaber eines Herstellungs- und Zulieferbetriebs für das Baugewerbe werde ich manchmal mit Schadenersatzansprüchen von Kunden konfrontiert. Jüngst stellte sich wegen einer Unachtsamkeit meiner Mitarbeitenden die Frage, wer für den Schaden an fremden Maschinen oder Geräten aufzukommen hat. Versehentlich wurden bei der Befestigung eines Wandschrankes die Schrauben schlecht gebohrt/gedübelt, worauf sich die Befestigung lockerte und der Schrank das darunterliegende Lavabo sowie ausgeliehene Werkzeuge beschädigte. Meine Betriebshaftpflichtversicherung hat mir auf Rückfrage hin ­mitgeteilt, dass für Obhutsschäden keine Deckung bestehe. Diese ­Ablehnung ist für mich nicht verständlich.»

Sehr geehrter Herr W.: Ob eine Deckungsablehnung korrekt ist oder nicht, hängt von den Bedingungen in Ihrer Police und den allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB) ab.

In der Regel gewährt die Betriebshaftpflichtversicherung Schutz vor den finanziellen Folgen von Personen-, Sach- und Vermögensschäden, für die Sie oder Ihr Betrieb haftbar gemacht werden können. Sie schützt Sie ausserdem vor den finanziellen Konsequenzen von Anlage-, Betriebs-, Produkt- und Umweltrisiken. Daneben können Sie zusätzliche Sonderrisiken versichern – zum Beispiel Nutzungsausfall, Aus- und Einbaukosten, Verbindungs- und Vermischungsschäden oder Bearbeitungs- und Obhutsschäden.

Spezielle Risiken zusätzlich versichern

Ihr Obhutsschaden ist demnach nicht automatisch gedeckt. Die Obhutspflicht stellt ein spezielles Risiko dar, das gegen eine Mehrprämie eingeschlossen werden kann. Denn bei der Obhut über fremde Sachen im Gebrauch schränkt die Haftpflichtversicherung den Versicherungsumfang wie folgt ein: «Von der Versicherung ausgeschlossen sind Ansprüche aus Schäden an fremden Sachen, die ein Versicherter zum Gebrauch, zur Bearbeitung, Verwahrung oder Beförderung übernommen oder die er gemietet oder gepachtet hat.»

Gemäss Obligationenrecht haften Sie gegenüber dem Eigentümer, wenn Sie ihm beim Gebrauch seiner Maschinen oder Werkzeuge einen Schaden verursachen – unabhängig davon, ob Sie die anvertrauten Sachen ausgeliehen oder gemietet haben. Ihre Betriebssachversicherung deckt zwar ihre eigenen Maschinen und Apparate gegen Risiken wie Feuer-, Elementar- oder Diebstahl, nicht aber gegen ein Bearbeitungsrisiko. Ein Obhutsschaden an fremden, anvertrauten Utensilien kann aber nicht automatisch auf die eigene Haftpflichtversicherung überwälzt werden. Dies weil der firmeninterne Umgang mit Dritteigentum besonders sorgfältig erfolgen soll. Wenn Sie also das Sonderrisiko von Obhutsschäden nicht speziell versichert haben, ist die telefonische Deckungsablehnung Ihres Versicherers korrekt. Allerdings könnte der Schaden am Lavabo übernommen werden, weil Sie dieses ja nicht in Obhut oder Bearbeitung hatten.

Deckungserweiterung für Dritteigentum lohnt sich

Da Schäden an Dritteigentum ins Geld gehen können, empfehle ich eine Deckungserweiterung. Die Ausdehnung Ihres Haftpflichtschutzes auf Obhutsschäden macht Sinn, wenn Sie regelmässig Dritteigentum verwenden. Sie garantiert Ihnen finanziellen Schutz bei verschuldeten Schäden an vorübergehend entlehnten oder gemieteten Maschinen oder Gerätschaften. Kontaktieren Sie Ihren Berater, der Ihnen Aufschluss über die versicherbaren Zusatzgefahren geben kann.

laszlo.scheda@mobiliar.ch

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