Publiziert am: Freitag, 23. Januar 2015

Ein Gewinn für alle

RIESCO – Seit 2007 unterstützt der Lehrgang anerkannte Flüchtlinge dabei, im Schweizer Arbeitsmarkt Fuss zu fassen. Drei Viertel von ihnen finden nach dem Abschluss eine Stelle.

Zwölf Monate praxisbezogene Ausbildung mit fachbezogenem Sprachunterricht und Praktika im ersten Arbeitsmarkt, zum Abschluss ein landesweit gültiges Zertifikat, das den Weg zu einer Stelle und zur beruflichen Grundbildung öffnet: So lautet, kurz gefasst, das RIESCO-Konzept. Durchgeführt wird der Lehrgang von Hotel & Gastro formation, Expertinnen- und Expertenorganisation der Sozialpartner in Gastgewerbe und Hotellerie.

Die so genannte Flüchtlingslehre vermittelt Fachwissen sowie die Werte der hiesigen Arbeitswelt wie Leistungsansprüche oder Pünktlichkeit. Dazu kommt ein branchenspezifischer Deutschunterricht.

Ausschlaggebend für den Erfolg sind zwei Praktika in Unternehmen. Diese lernen potenzielle Arbeitskräfte kennen und schätzen, wie Patric und Susanna Graber-Ulrich vom Hotel Waldstätterhof Luzern bestätigen: «Die positiven Erfahrungen haben dazu geführt, dass wir in diesen Jahren mehrere RIESCO-Absolventen angestellt haben, gegenwärtig sind es sechs.»

Nachhaltige Integration

Der Pilotlehrgang in der Gastronomie wurde in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Migration 2006 im Kanton Luzern durchgeführt. Inzwischen ist RIESCO-Gastronomie dort und auch im Kanton Zürich etabliert; die Teilnahme wird von den Kantonen finanziert.

Bis heute haben 200 anerkannte Flüchtlinge und vorläufig Aufgenomme (Ausweis F), die zwischen 18 und 52 Jahre alt waren, diesen Lehrgang abgeschlossen. Durchschnittlich 75 Prozent haben danach eine Stelle gefunden. Sie haben die Möglichkeit, sich berufsbegleitend mit der Basisqualifikation Progresso (für Küche, Service oder Hauswirtschaft) weiterzubilden, um anschliessend in eine EBA- oder EFZ-Lehre einzusteigen.

Schrittweise zum Berufsabschluss

Diese Möglichkeit illustriert David Scheidegger, Vizedirektor und Personalchef im Hotel Storchen Zürich mit einem Beispiel. Er hatte einen Flüchtling nach dem RIESCO-Abschluss als Hilfskoch befristet angestellt. Aufgrund der guten Leistungen versetzte er ihn dann mit einer unbefristeten Festanstellung in die Hauptküche: «Der Hilfskoch konnte sich fachlich sehr gut weiterentwickeln und nimmt inzwischen am Progresso-Lehrgang Küche teil. So ermöglichen wir ihm eine stete Ausbildung im Küchenbereich.»

2013 wurde in Winterthur zusätzlich zum Küchenbereich die RIESCO Gebäude- & Automobiltechnik lanciert. Hier sind die Lerninhalte darauf ausgerichtet, den Einstieg in eine EBA- oder EFZ-Lehre zu erleichtern. Die Strategie ist erfolgreich. Die Firma Steger AG war mit ihrem erwachsenen Praktikanten mehr als zufrieden: «Wir sind von der Entwicklung von Herrn T. G. positiv überrascht», erklärte Daniel Oberli im Frühjahr 2014. Der Flüchtling hat inzwischen seine Lehre als Heizungsinstallateur EFZ begonnen. Ähnlich tönt es bei der Max Waldvogel AG, die ihrem Praktikanten eine Lehrstelle als Haustechnikpraktiker EBA anbot.

Versuch wagen – und gewinnen

Die Unternehmen loben die Motivation, Einsatzbereitschaft und die Lernwilligkeit der Flüchtlinge. «Wir sind», so Eva Heidenreich von Thessoni classic&home in Zürich, «stolz darauf, dass wir zwei sehr gute, treue und sehr loyale Mitarbeiter einstellen konnten.» Anzufügen bleibt, dass es für den Erfolg auch die Bereitschaft der Unternehmen braucht, sich auf das Experiment einzulassen und einem Flüchtling einen Praktikumsplatz anzubieten. Denn nur so gewinnen beide Seiten: Die Arbeitgebenden finden gute Mitarbeitende, die Mitarbeitenden können ihr Potenzial unter Beweis stellen.

Heinz Gerig, RIESCO-Projektleiter Hotel & Gastro formation