Publiziert am: 05.09.2014

Ein Wolf im Schafspelz

EINHEITSKASSEN-INITIATIVE – Der Zürcher Ständerat und Mediziner Felix Gutzwiller warnt davor, ein funktionierendes System über den Haufen zu werfen.

Am 28. September stimmen wir über die Initiative «für eine öffentliche Krankenkasse» oder kurz «Einheitskasse» ab. Die Initianten fahren Abstimmungskampf mit grossen Versprechungen auf: Es sollen über zwei Milliarden mit Managed Care eingespart werden, es soll Bürokratie für Ärzte verringert werden, die Jagd nach guten Risiken beendet, und schliesslich soll das ständige und nervige Telefonmarketing ein Ende finden. Man darf zu Recht skeptisch sein, ob eine Einheitskasse diese Versprechen wirklich einhält oder ob uns da nicht ein Wolf im Schafspelz präsentiert wird.

Leere Versprechungen

Diese Versprechen der Initianten stellen sich dann auch bei näherer Betrachtung als leere Versprechen heraus. Zwar können tatsächlich einige Millionen an Werbekosten eingespart werden, gleichzeitig kommen aber zwei Milliarden Wechselkosten hinzu. Somit wären die Einsparungsmöglichkeiten bei den Krankenversicherern auch schon ausgeschöpft, denn die Administrativkosten belaufen sich auf lediglich 5,2 Prozent. Dies ist im übrigen der tiefste Wert im Vergleich zu allen anderen Sozialversicherungen.

Die anderen zwei Milliarden müssten entsprechend bei den medizinischen Leistungen eingespart werden. Die Initianten nennen es «bessere Behandlung», in der Tat handelt es sich aber um ein Managed-Care-System, das den 5 Prozent teuersten Versicherten aufgezwungen werden soll.

Für sie würde dies als direkte Konsequenz einen bedeutenden Einschnitt in die freie Arzt- und Behandlungswahl bedeuten.

Kunden als Bittsteller

Die ständige Bürokratisierung ist nicht nur im Gesundheitswesen, sondern ganz allgemein ein Punkt, den es endlich zu stoppen gilt. Dass aber gerade eine staatliche Monopolkasse die Bürokratie verringern soll, scheint mir dann doch eher unwahrscheinlich. Gerade für Ärzte würde eine Einheitskasse bedeuten, dass sie jedem Patienten zwei Rechnungen statt nur einer schicken müssten und dass sie entsprechend auch zwei Debitoren­buch­haltungen führen müssten. Von weniger Bürokratie kann da keine Rede sein. Aber auch für den Bürger bedeutet es nichts Gutes: Heute ist eine Krankenkasse an einem guten Service interessiert, damit sie den Versicherten nicht als Kunden verlieren. Ohne die Bestrafungsmöglichkeit «Kassenwechsel» fällt aber auch der Anreiz weg, den Versicherten gut zu behandeln. Der Kunde würde zum Bittsteller!

Gerade in der letzten Session wurde der Risiko­aus­gleich weiter verfeinert. Dieser wird dazu führen, dass die Jagd nach guten Risiken eingedämmt wird. Und auch das nervige Telefon­marketing ist mir ein Dorn im Auge. Es ist aber Augen­wischerei, wenn behauptet wird, dass dies enden würde mit einer Einheitskasse, denn dann wird es bei den Zusatzversicherungen weitergehen. Die Einheitskasse hält nicht, was sie verspricht. Es wäre deshalb fahrlässig, unser gutes System über den Haufen zu werfen!

Felix Gutzwiller, Ständerat FDP/ZH

Flyer "Wir sind keine Einheitspatienten!"