Publiziert am: 07.10.2016

Eine Lösung, die für alle Beteiligten passt

GROUPE MUTUEL – Die Krankenkassenversicherung hat ein Konzept entwickelt, um Arbeit und Schwangerschaft ohne Umweg über Krankheit zu vereinbaren. Das Ergebnis ist eine Win-win-Situation für Arbeitgeber und werdende Mutter.

Die Position der Frau in der Arbeitswelt hat sich in den letzten 20 Jahren stark entwickelt und Frauen haben heute einen festen Platz in der Arbeitswelt. Eine Karriere zu machen ist nicht mehr mit unüberwindbaren Hindernissen verbunden. Wie aber steht es um die Mutter? Unter diesem Blickwinkel müssen noch Fortschritte gemacht werden, damit sich eine Mutter beruflich gleich gut entfalten kann, wie es Väter können.

Bereits während der Schwangerschaft können Verbesserungen umgesetzt werden. Das Gesetz ist in dieser Hinsicht klar: Es obliegt dem Arbeitgeber, die nötigen Massnahmen zu treffen, damit die werdende Mutter sich reibungslos und ohne Risiken im beruflichen Alltag entwickeln kann. Aus Bequemlichkeit werden Arbeitsunfähigkeiten bei Schwangerschaften ohne Komplikationen manchmal dem Krankentaggeldversicherer gemeldet. In einigen Unternehmen entfällt bis zu einem Drittel der Entschädigungen auf Taggelder für Arbeitsunterbrechungen vor der Niederkunft.

Betreuung von Schwangeren
am Arbeitsplatz

Vor diesem Hintergrund hat die Groupe Mutuel 2014 zwei Hebammen angestellt, die schwangere Frauen an ihrem Arbeitsplatz spezifisch betreuen. Ziel dabei ist es, rechtzeitig zu intervenieren und eventuell Anpassungen am Arbeitsplatz in die Wege zu leiten, damit die Mitarbeiterin ihre Tätigkeit weiterhin ausüben kann; Schwangerschaften mit Komplikationen sind davon nicht betroffen, da diese eine entsprechende medizinische Betreuung erfordern.

Diese Massnahme ist für die Versicherte wie auch für den Arbeitgeber vorteilhaft. Durch diese besondere Art der Betreuung weiss Letzterer, welche Anpassungen eventuell umgesetzt werden müssen, und kann im Gegenzug erwarten, dass die Mitarbeiterin weiterhin ihre Kompetenzen in das Unternehmen einbringt.

Den Arbeitsplatz 
entsprechend anpassen

Ein solcher Dialog entsteht nicht spontan. Ihn zu suchen erlaubt es, Lösungen zu finden, die für alle Beteiligten vorteilhaft sind. Eine der Hebammen der Groupe Mutuel sagt Folgendes dazu: «In Zusammenarbeit mit dem Arbeitgeber und der Angestellten beurteile ich die bestehenden Möglichkeiten. Meist gelingt es uns, den Arbeitsplatz gemäss den gesetzlichen Vorschriften und unter Berücksichtigung der Situation des Arbeitgebers anzupassen.» Samanta, die selbst von der Massnahme profitiert hat, erzählt: «Nach fünf Monaten Schwangerschaft kam die Hebamme an meinen Arbeitsplatz. Und mein Arbeitgeber hat ihr bestätigt, dass ich nicht mehr abends oder nachts arbeiten muss. Ihre Unterstützung hat mir sehr geholfen. Ich habe mich besser gefühlt und normal weitergearbeitet, immer zu 70 Prozent bis im achten Monat. Wenn man alleine ist, kennt man nicht alle Rechte.» Durch dieses Vorgehen wird der Krankentaggeldversicherer zu einem aktiven und konstruktiven Vermittler zwischen Arbeitnehmerin, Arbeitgeber und Arzt. Unserer Erfahrung nach eine wahre Win-win-Situation. Es ist Aufwand, der die Mühe wert ist.

DAS SAGT DAS GESETZ

Keine Beeinträchtigung bei der Arbeit

Folgende Gesetze betreffen Arbeitnehmerinnen während der Schwangerschaft, der Geburt und dem Stillen:

n das Arbeitsgesetz und die Ausführungsverordnungen (Art. 35 und ff. ArG)

n das Obligationenrecht (Art. 319 ff. OR)

n das Gesetz und die Verordnung über den Erwerbsersatz (Art. 16b ff. EOG und Art. 23 ff. EOV)

n das Gesetz über die Gleichstellung von Frau und Mann (GIG)

Vor der Geburt sind Frauen empfindlicher auf Belastungen und Beeinträchtigungen im Zusammenhang mit Arbeitsbedingungen und -milieu. Folglich muss der Arbeitgeber darum besorgt sein, dass Schwangere bei der Arbeit keine Beeinträchtigungen ihrer eigenen Gesundheit oder der ihres Kindes in Kauf nehmen müssen. Er muss daher die Arbeitsbedingungen in Übereinstimmung mit Artikel 35 Absatz 1 des Arbeitsgesetzes gestalten. Zum Beispiel haben schwangere Frauen, die hauptsächlich stehend arbeiten, ab dem vierten Schwangerschaftsmonat ein Anrecht auf eine tägliche Ruhezeit von 12 Stunden und zusätzlich zu den gesetzlich vorgesehenen Pausen steht ihnen eine Pause von zehn Minuten nach jeder zweiten Arbeitsstunde zu. Ab dem 6. Schwangerschaftsmonat sind die stehenden Tätigkeiten auf vier Stunden pro Tag zu beschränken (Art. 61 ArGV 1).