Publiziert am: Freitag, 22. April 2016

Eine wertvolle Ergänzung

ANFORDERUNGSPROFILE – Für die Berufsberater des BIZ des Kantons Luzern sind die Anforderungsprofile hochspezifische Instrumente, die neben anderen Tools regelmässig benutzt werden.

Für welchen der beiden Berufe Elektroinstallateur EFZ oder Elektroniker EFZ bringe ich eher die entsprechenden Voraussetzungen mit? Eine Antwort darauf können die Anforderungsprofile geben. Seit rund einem Jahr können nämlich rund 190 Berufe bezüglich ihrer schulischen Anfoderungen miteinander verglichen werden. «Die Anforderungsprofile sind eine qualitativ hochwertige Orientierungshilfe für Schüler, Eltern, Lehrer, Berufsberater und Lehrmeister», erklärt Gerhard Jokiel, Berufs-und Laufbahnberater beim BIZ des Kantons Luzern. Es sei eine wert­volle Ergänzung zu anderen Tools. Er setze dieses Instrument mehr oder weniger häufig bei Einzelberatungen ein, so Jokiel. «Die Anforderungsprofile kommen bei der Berufswahl von Jugendlichen in der Regel nach einer ersten Orientierungsphase zum Einsatz, wenn es darum geht, einzelne Berufe konkret ins Auge zu fassen, zu überprüfen und zu vergleichen», so Jokiel.

«Es braucht bei der Interpretation unbedingt die hilfe des Berufsberaters.»

Die Anforderungsprofile haben jedoch für Jokiel, der an der Basis mit ihnen arbeitet, Vor- und Nachteile: Da die Anforderungsprofile so differenziert aufgebaut seien, seien Schüler und Eltern zum Teil überfordert damit. «Es braucht bei der Interpretation unbedingt die Hilfe des Berufsberaters», stellt Jokiel fest. Die exakte Differenzierung der Berufsanforderungen könne die Schüler eben auch verunsichern und zu viel Respekt vor einem Beruf auslösen.

Ein Aspekt unter vielen Faktoren

Seines Erachtens sei auch die Beschreibung der Arbeitssituationen für einen 14jährigen Sekschüler zu anspruchsvoll. «Man darf nicht vergessen, die Berufswahl ist ein langwieriger Prozess, bei dem viele Faktoren mitspielen. Die Anforderungsprofile sind dabei nur ein Aspekt», betont Jokiel. Deshalb seien diese Orientierungshilfen nur dort einzusetzen, wo es auch Sinn mache. Als wichtig erachtet er auch, dass die Anforderungsprofile – gerade da sie so präzise aufgesetzt seien – laufend angepasst würden. Der engagierte Berufs- und Laufbahnberater sieht die Anforderungsprofile denn auch nicht als «Allheilmittel» gegen Lehrabbrüche. «Lehrabbrüche sind ein komplexes Phänomen. In den seltensten Fällen sind sie primär auf mangelnde schulische Vorkenntnisse zurückzuführen», macht Jokiel in der Praxis immer wieder die Erfahrung. Um Lehrabbrüche zu vermeiden, sei ein guter Einblick in den praktischen Bereich des jeweiligen Berufes mit ausgiebiger Schnupperlehre enorm wichtig, sagt Jokiel und an die Adresse der Lehrbetriebe meint er: «Es ist die Aufgabe der Berufsbildner, die Lernenden sorgfältig einzuführen und zu betreuen, ihnen ein gutes Gefühl zu geben – und sehr wichtig ist es, ihnen auch Zeit zur Entwicklung zu geben. So können Lehrabbrüche erfolgreich vermieden werden.» Für die Zukunft der Anforderungsprofile sieht Jokiel noch viel Potenzial. «Die ersten Kantone führen bereits Checks durch, die nach dem gleichen Raster wie die Anforderungsprofile aufgebaut sind. Koppelt man die Anforderungsprofile mit den Ergebnissen, so bringen sie schnell einen hohen Nutzen und werden zu einem selbstverständlichen Instrument in der Berufsberatung.»

Wertvolles Instrument zur 
Überzeugungsarbeit

Überzeugt von den Anforderungsprofilen ist auch Christof Spöring, Leiter der Dienststelle Berufs- und Weiterbildung des Kantons Luzern. «Sie erlauben den Schülern einen anderen Zugang. Sie können mehrere Berufe gemäss ihren Anforderungen miteinander vergleichen.» Gerade die heutige Generation Z sei es gewohnt, auszuwählen. Sie sei oft – auch wenn die Anforderungen dafür nicht erfüllt würden – nicht vom gewählten Traumberuf abzubringen. «In diesem Jahr ist diese Tendenz besonders stark, da wird weder nach links noch nach rechts geschaut. Mit Hilfe der Anforderungsprofile kann man da bei Schülern und Eltern Überzeugungsarbeit leisten, auf alternative Berufe zurückzugreifen», so Spöring. Und er ergänzt: «Mit dem stetig wandelnden Berufsangebot ist es für die Schulabgänger eine echte Herausforderung, sich in der Vielfalt der Angebote zurecht zufinden. Auch hier können die Anforderungsprofile unterstützen.» Spöring weiter: «Wir bräuchten da dringend eine Vereinfachung des Systems.»

«Die GEneration Z weicht nicht von ihrem Traumberuf ab, Anforderung hin oder her.»

Das BIZ hat auch die Volksschule über die Anforderungsprofile informiert. «Man kann nie genug dafür sensibilisieren. Ganz wichtig ist, dass diese Orientierungshilfen nicht nur die Schüler, sondern auch die Lehrpersonen und die Eltern erreichen», sagt Spöring.

Corinne Remund