Publiziert am: Mittwoch, 16. August 2017

Einkaufstourismus wird zusätzlich gefördert

UNGERECHTE AHV-REFORM – Die ursprünglich als Sanierungsvorlage aufgesetzte AHV-Scheinreform ist faktisch eine Ausbauvorlage, die viele Verlierer schafft und durch die Verschärfung der Einkaufstourismus-Problematik Arbeitsplätze gefährdet.

Am 24. September 2017 stimmen wir über die Altersreform 2020 ab. Ursprünglich als Sanierungsvorlage aufgesetzt, hat eine Mitte-Links-Allianz im Parlament äusserst knapp eine Ausbauvorlage durchgesetzt. Die AHV-Reform führt zu massiven Mehrkosten. Das Ziel, die AHV und damit die Renten langfristig zu sichern, wird verfehlt.

Die Gesamtkosten im Überblick: Bei Annahme der Reform wäre mit folgenden jährlichen Mehrkosten zu rechnen:

Kostenfaktor Mehrkosten pro Jahr

Erhöhung Lohnbeiträge: 1 400 Millionen Franken

Erhöhung Mehrwertsteuer: 2 140 Millionen Franken

Kompensationsmassnahmen berufliche Vorsorge: 1 600 Millionen Franken

Mehrbeiträge durch Arbeitgeber und Rentner aufgrund der Streichung des Freibetrags: 250 Millionen Franken

Total Mehrkosten für die Gesellschaft: 5 390 Millionen Franken

Zusätzliche Mehrkosten für den Bund

Verlagerung Demographieprozent: 610 Millionen Franken

Zusatzkosten für Bund direkt aus der Reform: 90 Millionen Franken

Total Mehrkosten für den Bund: 700 Millionen Franken

Total Mehrkosten direkt und über den Bund: 6 090 Millionen Franken

Diese massiven Mehrkosten der Altersreform verteuern die Konsumgüter in der Schweiz. Einerseits geschieht das ganz direkt durch die Erhöhung der Mehrwertsteuersätze. Andererseits werden aber auch die deutlich höheren Lohnnebenkosten, die im Niedriglohnbereich über-durchschnittlich stark wirken, einen Preisschub auslösen.

Eine 45-jährige alleinerziehende Mutter mit Bruttolohn CHF 40›000 ist mit Mehrkosten von 1858 Franken pro Jahr konfrontiert. Als Arbeitnehmerin zahlt sie persönlich plus 1001 Franken pro Jahr. Ihr Arbeitgeber muss für sie wegen der AHV-Reform nochmals 857 Franken hinblättern. Die Mehrkosten machen insgesamt 4.6% des Bruttolohnes der alleinerziehenden Mutter aus.

Aber auch Personen aus der Übergangsgeneration der 45-64-jährigen, die von den Befürwortern als vermeintliche Profiteure der Reform dargestellt werden, werden mit hohen Kosten kon-frontiert. Ein 53-jähriger Mann mit einem Bruttoeinkommen von 75›000 Franken bezahlt persönlich jährlich plus 930 Franken. Sein Arbeitgeber wird mit zusätzlich 705 Franken belastet. Die Mehrkosten machen pro Jahr 2.18% des Bruttolohnes aus.

Die höheren Lohnnebenkosten schwächen die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Produzenten. Speziell zu spüren bekommen wird das auch der Detailhandel. Einkaufen im Ausland wird aufgrund der steigenden Preisdifferenzen nochmals attraktiver. Der Einkaufstourismus, dem bereits viele Arbeitsplätze in der Schweiz zum Opfer gefallen sind, erhält einen zusätzlichen Schub.

Marcel Schweizer, Gartenbauunternehmer, Präsident Gewerbeverband Basel-Stadt