Publiziert am: Freitag, 5. Februar 2016

Einsparungen lohnen sich doppelt

ENAW – Die Urdorfer Beschriftungsspezialistin HIUS AG ist seit 2012 Teilnehmerin im KMU-Modell der Energie-Agentur der ­Wirtschaft (EnAW). Mit grossem Einsatz wurden 66 Megawattstunden Energie mehr eingespart als vereinbart.

Seit 1960 werden im zürcherischen Urdorf Beschriftungen aller Art produziert. Mit einer kleinen Prägemaschine in der Garage des Grossvaters von Cornelia Hinteregger, der heutigen Inhaberin des Betriebs, fing alles an. Es war die Zeit, in der im Zürcher Umland Mehrfamilienhäuser aus dem Boden gestampft wurden. Vater und Onkel fuhren mit den Fahrrädern durch die neuen Siedlungen und verkauften einheitliche Schilder für Briefkästen und Klingeln. Der Grossvater produzierte. Die Knaben lieferten aus und montierten. Auch heute ist das klassische Briefkasten- und Sonneriegeschäft ein wichtiges Standbein des Betriebs mit zehn Mitarbeitenden. Dazu gekommen sind Aufträge für amtliche Verbotsschilder, Beschriftungen für KMU und Industrieunternehmen sowie der Verkauf von Normschildern an Wiederverkäufer und von gravierten Pokalen an Vereine. Die Kundenliste des Zürcher KMU ist eindrücklich und heterogen: Georg Fischer, Nespresso, Postfinance, fast sämtliche grossen Schweizer Liegenschaftsverwaltungen sowie die Zürcher Stadtpolizei sind langjährige Kunden. Für die Edelweiss Air werden seit deren Gründung alle Namensschilder der Crew, die sogenannten Wings, produziert. Bei der Swiss kommen die Beschriftungen der Trolleys der gesamten Flotte aus dem Hause HIUS und nicht zuletzt werden unter Lizenz die alten Wings der Swissair weiterhin in Urdorf nachfabriziert.

Qualität und Kosteneffizienz ­entscheidend

Die HIUS AG kann sich in einem umkämpften Markt erfolgreich behaupten. Für Inhaberin und Geschäftsführerin Hinteregger sind für diesen Umstand verschiedene Faktoren entscheidend: «Seit 55 Jahren sind wir dank Service und Qualität auf dem Platz. Unsere Gravuren sind sehr individuell und speziell. Es gibt nicht mehr viele Anbieter, die dies machen. Zugleich sind Kostenoptimierungen, seit ich den Betrieb vor neun Jahren übernommen habe, an der Tagesordnung.» Im Rahmen der Kostenoptimierungen waren schnell auch die Energiekosten im Fokus. Hinteregger erinnert sich: «An unserem alten Standort hatten wir im Sommer zu heiss und im Winter mussten zusätzliche kleine Öfen aufgestellt werden. Da wurde mir bewusst: Wir verschleudern Energie. Ich wusste, dass ich etwas verändern musste. Zugleich wollte ich nicht in ein Gebäude investieren, das mir nicht gehört. Darum habe ich die Entscheidung getroffen, ein Gebäude zu erwerben, in dem wir energieeffizient produzieren können.»

Gewerbeverein Dietikon ­sensibilisiert

Auf die EnAW wurde Hinteregger anlässlich eines Informationsanlasses des Gewerbevereins Dietikon aufmerksam. Seit 2012 nimmt der Betrieb am KMU-Modell der EnAW teil. KMU-Berater Stefan Eggimann betreut den Betrieb für die EnAW und hat den Umzug an den neuen Standort eng begleitet. «Ich habe mit Herrn Eggimann das alte und unser neues Gebäude durchleuchtet. Er hat den gesamten Produktions- und Bürobereich im neuen Gebäude analysiert und Vorgaben beispielsweise für die Dämmung und die Beleuchtung gemacht. Ich habe in dieser intensiven Zeit ­immer erst sein OK eingeholt, auch wenn ich dafür vom Projektleiter belächelt wurde. Die heutigen ­Einsparungen geben mir auf jeden Fall Recht», so Hinteregger. Fündig wurden Hinteregger und Eggimann im Rahmen der Gesamtsanierung an vielen Orten: Dank einer neuen Wärmerückgewinnung werden jährlich 13 Megawattstunden eingespart, der Ersatz der Beleuchtung schlägt mit 19 Megawattstunden 
zu Buche und neue Deckenisola­tionen sowie neue Türen und Abdichtungen senkten den Energieverbrauch um weitere 38 Megawattstunden.

Das Ziel grosszügig erreicht

Die mit der EnAW in einer Zielvereinbarung festgeschriebenen Einsparungen hat das Team der HIUS AG grosszügig übertroffen. Insgesamt wurden 66 Megawattstunden mehr eingespart als vereinbart. Mit dem neuen Effi­zienzmarkt können diese sogenannten Übererfüllungen auf einem Markt verkauft werden. EnAW-Teilnehmer haben somit nebst tieferen Energiekosten einen weiteren Anreiz, mehr Einsparungen zu realisieren als in der Zielvereinbarung vorgesehen. Die Käufer der Übererfüllungen können diese dazu verwenden, um beispielsweise ein Produkt oder eine Verans­taltung energieneutral zu realisieren. Die Übererfüllungen der HIUS AG hat sich die EnAW höchstpersönlich gesichert. Sie veranstaltet mit der Hilfe von HIUS ihre 14. Fachtagung mit rund 300 Teilnehmern im Zürcher World Trade Center energieneutral.

Janick Tagmann

Effizienzmarkt

Verkaufen Sie Ihre Übererfüllungen

Die HIUS AG hat mit ihren Effizienz­massnahmen im KMU-Modell 66 Megawattstunden Energie mehr eingespart als in der freiwilligen Zielvereinbarung vereinbart wurde. Damit Unternehmen angespornt werden, Einsparungen über die Zielvereinbarung hinaus zu realisieren, wurde der sogenannte Effizienzmarkt ins Leben gerufen. Der Effizienzmarkt ist eine gemeinsame Aktion des Vereins für umweltgerechte Energie (VUE), der Energie-Agentur der Wirtschaft (EnAW), des Elektrizitätsversorgers ewz sowie von EnergieSchweiz. Energieversorger oder Zertifikatehändler können im Effizienzmarkt die Übererfüllungen der EnAW-Teilnehmer erwerben und diese beispielsweise für die energieneutrale Durchführung von Veranstaltungen oder zur Herstellung eines energieneutralen Produkts an ihre Kunden verkaufen.

Wie eine Veranstaltung energie­neutral organisiert wird:

Veranstalter reicht Kennzahlen ein: Der Veranstalter, in diesem Falle die EnAW, meldet dem Lieferanten, hier ewz, die Kennzahlen der Veranstaltung, beispielsweise die Anzahl Teilnehmer, die Quadratmeterzahlen der genutzten Räume, die durchschnittliche Anreise, die Dauer, die Art der Verpflegung sowie die genutzten Druck­materialien.

Lieferant berechnet: Der Lieferant berechnet anhand dieser Kennzahlen den Energiebedarf der Veranstaltung.

EnAW überwacht und vermittelt: Die EnAW vermittelt ein Unternehmen mit den benötigten Übererfüllungen, in diesem Falle die HIUS AG. Der Lieferant erwirbt die Übererfüllungen der HIUS AG zu einem Marktpreis.

Energieneutrale Veranstaltung: Der Veranstalter kauft beim Lieferanten die Übererfüllungen in Form von Zertifikaten.

Interview Mit Cornelia Hinteregger

«Wir sind punkto Energieeffizienz und Technologie auf einem sehr hohen Niveau»

Schweizerische Gewerbezeitung: War für Sie schon immer klar, dass Sie den ­Familienbetrieb übernehmen?

Cornelia Hinteregger: Die Folien und vielen Farben im Betrieb haben mich als Kleinkind fasziniert. Als Kind wiederum habe ich Normschilder verpackt, um mein Taschengeld aufzubessern. Eingeschlagen habe ich aber zuerst einen anderen Weg. Nach einer Mathematik-Matur an der Kantonsschule Limmattal habe ich ein 32-monatiges Praktikum mit Wirtschaftsausbildung bei der Zürcher Kantonalbank und der Kaderschule KSZH absolviert sowie mit einem Eurex-Händler-Diplom anschliessend im Börsenhandel gearbeitet. Als die Stelle als Assistentin der Geschäftsleitung bei HIUS frei wurde, habe ich gezögert. Schlussendlich habe ich mich aber regulär beworben, als rechte Hand meines Onkels angefangen und zugleich eine berufsbegleitende Ausbildung zur Betriebsökonomin KSZH absolviert.

Sie haben weit mehr eingespart als vereinbart wurde.

Das stimmt. Das heisst aber nicht, dass wir jetzt nicht weitermachen. Wir haben unterdessen auch eine Photovoltaikanlage auf dem Dach montiert. Diese sollte unseren Stromverbrauch konservativ geschätzt zu 40 Prozent abdecken. Und auch bei der Dämmung der Gebäudehülle sind weitere Massnahmen geplant. Dass dank unserer Übererfüllungen die Fachtagung der Energie-Agentur der Wirtschaft (EnAW) energieneutral stattfindet, finde ich einen richtigen Aufsteller.

Nutzen Sie Ihre umgesetzten Projekte für die Kommunikation?

Wir sind punkto Energieeffizienz und Technologie auf einem sehr hohen Niveau. Trotzdem haben wir bis jetzt nicht gross über die Massnahmen berichtet, da es mir primär darum geht, unseren eigenen Hausaufgaben nachzukommen. Wir machen generell fast keine Werbung. ­Gerne sage ich aber, dass unsere Kunden unsere Firma auf dem Herzen tragen, da auf unseren Namensschildern auch der Firmenname HIUS vermerkt ist. Das EnAW-Label wiederum haben wir aber an der Eingangstür platziert. Es fällt vor allem den Firmen auf, die sich selbst in Zusammenarbeit mit der EnAW im Energiebereich engagieren.

Sensibilisieren Sie auch Ihre Mitarbeitenden für das Thema?

Ich gehöre noch zur Generation, der ­gesagt wurde, wie viel Wasser den Hahn runterfliesst, wenn man diesen während des Zähneputzens nicht schliesst. Daher bin ich beispielsweise mit den Mitarbeitenden sehr penibel, wenn es ums Lüften geht. Da hänge ich schon mal Erinnerungszettel auf und rede von Kippfenstern, welche man verbieten sollte.

Wurden Sie bei Ihrem Engagement auch ­finanziell unterstützt?

Im Rahmen des KMU-Modells hat die Klimastiftung Schweiz die Hälfte unseres Teilnahmebeitrags bei der EnAW übernommen. Ich war auch schon an einer Jubiläumsveranstaltung der Stiftung und habe spannende Menschen kennengelernt.

Was bedeutet für Sie persönlich Nach­haltigkeit?

Ich glaube, dass die Teilnahme bei Organisationen wie der EnAW in Zukunft immer wichtiger wird. Es würde mich freuen, wenn Firmen, die sich Nachhaltigkeit auf die Fahne schreiben, auch bei der Auswahl ihrer Zulieferer konsequent auf dieses Motto setzen. Unsere Produkte wiederum sind ausserordentlich nachhaltig: Wir produzieren unsere Schilder jeweils nur einmal. Dies dann aber in sehr guter Qualität und mit Bestand fast in die Ewigkeit.