Publiziert am: Freitag, 24. April 2015

Engagement für den Nachwuchs

SBC – Der Schweizer Bäcker-Confiseurmeister-Verband richtet seinen Fokus auf die Berufsbildung und sichert sich so qualifizierte Fachkräfte. Er ist mit dem heutigen Essverhalten, dem starken Franken, dem Einkaufstourismus und der Bürokratie sehr gefordert.

Das Gewerbe in der Bäckerbranche hält heute einen stabilen Marktanteil. Der Markt ist relativ klar strukturiert, den grössten weiteren Anteil machen Migros resp. Jowa und Coop aus. Auffällig ist jedoch, dass immer weniger Betriebe diesen stabilen Marktanteil bestreiten. «Die Anzahl der produzierenden Betriebe nimmt jährlich um ca. drei Prozent ab. Pro Jahr schlies­sen etwa 50 Betriebe, sei es wegen fehlender Nachfolge oder aus anderen Gründen. Ein Teil der Betriebe wird wohl als Filiale weitergeführt, womit sich die Betriebsstrukturen verändern. Immer grössere Betriebe sind komplexer zu führen, respektive braucht es eine Vielzahl an qualifizierten und weitergebildeten Mitarbeitern, welche sich diesen Herausforderungen stellen können und wollen», erklärt SBC-Direktor Beat Kläy.

«Wir müssen den Stellenwert von Brot und Backwaren an der Basis stärken.»

Zudem spüren die Schweizer Betriebe auch die weltweit starken Veränderungen des Marktes und der Bedürfnisse der Kunden: «Es gibt keine klaren Mahlzeitenstrukturen mehr, Takeaway und Fertigmahlzeiten gehören zum heutigen Essverhalten. So hat sich auch das Angebot der Bäckereien weiterentwickelt. Brot und Gebäck reichen nicht mehr aus, um den Marktbedürfnissen gerecht zu werden, und die Produktion von frischen Snacks und kleinen Mahlzeiten vor Ort gehört zum Standardprogramm in der Backstube.» Regionale Spezialitäten hätten infolge der Lebensmittelskandale Aufwind erhalten. Das Bewusstsein der Konsumenten sei damit einmal mehr geschärft worden. «Unsere gewerblichen Betriebe haben sich entsprechend angepasst und haben so die besten Antworten darauf: täglich frische Produktion vor Ort nach Bedarf der Kunden mit natürlichen, regionalen Rohstoffen und handwerklicher Produktionsmethode», betont Kläy. Eine ganz grosse Hürde für die Bäckereien sei in diesem Zusammenhang auch das Konsumverhalten durch fehlgeleitete Diäten und unsinnige Ernährungstrends. Dazu Kläy: «Wir müssen den Stellenwert von Brot und Backwaren in der Ernährung stärken – dies mit sachlicher Aufklärung an der Basis.»

Nachhaltige Entwicklung 
in der Branche

Eine grosse Rolle spielt gerade im Bereich der Lebensmittelsicherheit die Qualitätssicherung. Daher bietet der innovative Verband seinen Betrieben sowohl eine Branchenlösung für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz sowie eine praxisbezogene Hygieneleitlinie für eine gute Verfahrenspraxis. Beide sind durch den SBC aufgebaut worden, werden laufend aktualisiert und können heute von den Mitgliedern als webbasierte Version genutzt werden. Ebenso ist die nachhaltige Entwicklung ein wichtiger Aspekt im Lebensmittelsektor. «Die Konsumentinnen und Konsumenten sind mittlerweile höchst sensibilisiert auf Themen wie Ökologie, Lebensmittelverschwendung und Abfall. Zunehmend stellen sie direkte Fragen an Betriebsinhaber und erwarten entsprechende Antworten», bemerkt Kläy. Der SBC als Branchenorganisation nimmt daher seine Verantwortung auch in diesem Bereich wahr. Es wurde deshalb ein Konzept zur nachhaltigen Entwicklung der Branche erarbeitet. «Darin zeigen wir die potenziellen Handlungsfelder auf und haben auch konkrete Konzepte und Umsetzungsmöglichkeiten kommuniziert. Ein zentraler Punkt ist die Vermeidung von Food Waste, hier arbeiten wir sehr eng innerhalb der gesamten Branche mit dem Verein «United against Waste» zusammen und haben interessante Erhebungen gemacht, beispielsweise, dass rund 30 Prozent des Brotes entsorgt wird, zu 20 Prozent über den Endkonsumenten und zu 10 Prozent via Verkauf», stellt der SBC-Direktor fest. Das Gütesiegel «Naturel» zur nachhaltigen Entwicklung sowie die Zusammenarbeit mit der BKW AG bezüglich Energieeffizienz fördern weiter die nachhaltige Entwicklung in den Betrieben.

Aus- und Weiterbildung 
als Kerngeschäft

Zu den grössten Aufgaben des SBC zählt die Aus- und Weiterbildung. Jährlich erlernen etwa 1200 junge Leute die Berufe in Produktion (Bäcker-Konditor-Confiseur) sowie im Detailhandel. Die Berufe in der Lebensmittelbranche seien attraktiv, besonders für Frauen. Allerdings könnte die Branche noch mehr junge Leute ausbilden. Der Verband verfügt mit der Richemont-Fachschule in Luzern über ein brancheneigenes Aus- und Weiterbildungszentrum, welches auch international bekannt ist und Leuchtturmcharakter hat. «Hier werden alle branchenspezifischen Inhalte ausgebildet. Künftig arbeiten wir mit dem Schweizerischen Institut für Unternehmerschulung SIU zusammen. Unsere künftigen Meisterinnen und Meister können sich dort im Lehrgang Unternehmensführung KMU ihre betriebswirtschaftlichen Fähigkeiten aneignen», betont Kläy. «Damit stellen wir sicher, dass die Absolventen auf allen Ebenen von der grösstmöglichen Fachkompetenz profitieren können. Gerade in der Lebensmittelbranche sind wir auf gut ausgebildete Fachleute, die eine hohe Produktequalität gewährleisten, angewiesen.»

«Die Branche könnte noch mehr junge 
Leute ausbilden.»

Einen besonderen Stellenwert haben die nationalen und internationalen Berufswettbewerbe. Sie gehören zum Nachwuchsförderungskonzept. Der Verband investiert dafür enorme finanzielle Mittel im sechsstelligen Bereich. Dabei wird der Verband auch von grosszügigen Sponsoren aus der Branche unterstützt. «Mit den Teilnehmern an Wettkämpfen schaffen wir Vorbilder für die Jugendlichen, aber auch für die ganze Branche und zeigen, was alles erreicht werden kann. Wir wollen der Öffentlichkeit zeigen, welche enormen Fähigkeiten unsere Lernenden in drei Jahren erwerben können und welche guten Zukunftsperspektiven sie haben», betont Kläy.

Pilot- und Leuchturmprojekte

Die Neugestaltung der höheren Berufsbildung, die Übernahme und Weiterentwicklung der Branchenfachmesse FBK, Trendforschung und Forum 2017 bezüglich der gesellschaftlichen Entwicklung der Ernährung, aber auch der Themenweg «Vom Korn zum Brot» im Freilichtmuseum Ballenberg sowie die Studie zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen sind Pilot- und Leuchtturmprojekte, mit welchen der Verband immer wieder sein überaus aktives Engagement beweist. Der Abbau von Bürokratie, Gebühren und Steuern ist ein zentrales Anliegen des Verbandes. «Wir stehen für ein wirtschaftliches und politisches Umfeld ein, welches es den gewerblichen Betrieben ermöglicht, erfolgreich zu sein. Leider werden die kleinen Betriebe mit immer neuen Vorschriften und Gesetzen unnötig in ihrer Tätigkeit belastet», konkretisiert Kläy. Dazu gehören auch die beiden KMU-feindlichen Steuern – die neue Billag-Mediensteuer sowie die Erbschaftssteuer –, worüber am 14. Juni abgestimmt wird.

«Wir fordern die Senkung der Regulierungskosten.»

Auch der starke Franken löst in der Branche grosse Unsicherheiten aus. «Der Einkaufstourismus ist allerdings seit vier Jahren Realität und die Frankenstärke ein Resultat der starken Schweizer Wirtschaft», sagt Kläy. Der SBC prüfen deshalb im Verbund eine Positivaktion im Sinne von «Wir kaufen in der Schweiz ein». Doch gerade in dieser Situation fordere der Verband klar, die Regulierungskosten zu senken. «Allenfalls durch eine staatliche Überprüfung jeder neuen Vorlage hinsichtlich der finanziellen und administrativen Konsequenz», ergänzt Kläy. Für die Zukunft wünscht sich der Verbandsdirektor eine liberale Marktwirtschaft, «die eine positive unternehmerische Entwicklung nicht nur ermöglicht, sondern auch fördert».Corinne Remund

DER SBC KURZ ERKLÄRT

Rund 2,5 Milliarden Umsatz pro Jahr

Der SBC ist 2013 aus der Fusion des vormaligen Schweizerischen Bäcker-Konditorenmeister-Verbands (SBKV) mit dem Schweizerischen Konditor-Confiseurmeister-Verband (SKCV) entstanden. Beide Verbände hatten eine über 120-jährige Geschichte. Aktuell zählt der Verband 1600 Mitglieder und umfasst so über 90 Prozent aller gewerblichen Bäckereien, Konditoreien und Confiserien. Dabei handelt es sich ausschliesslich um KMU-Betriebe mit insgesamt über 3000 Verkaufsstellen in der ganzen Schweiz. Der SBC setzt sich für bestmögliche politische, wirtschaftliche und rechtliche Rahmenbedingungen im Bäckerei-Konditorei-Confiserie-Gewerbe ein. Ein Kerngeschäft ist die zukunftsorientierte fachliche und unternehmerische Aus- und Weiterbildung in Produktion, Verkauf und Betriebswirtschaft. Der innovative Verband ist ausserdem die zentrale Informations- und Koordinationsstelle und dient als Plattform für Meinungsbildung und Erfahrungsaustausch. Der Verband bietet mittels eigenständigen Institutionen eine breite Palette an Spezialisten und Dienstleistungen an, welche der Bäcker-Konditor-Confiseur in Anspruch nehmen kann. Rund 30 000 Leute sind in der Bäckerbranche beschäftigt. Sie generieren ­jährlich einem Umsatz von rund 
2,5 Milliarden Franken. CR