Publiziert am: Freitag, 10. November 2017

Er würde bereits fehlen

ARBEITSMARKTINTEGRATION – Es braucht Engagement von allen Beteiligten, damit Flüchtlinge arbeiten können. Das zeigt das Beispiel von Coiffeur Brumann im Aargau.

«Wir wollten einem Flüchtling eine Chance geben», erklärt Nancy Bellini, Leiterin des Coiffeurs Brumann im aargauischen Rudolfstetten. Für ihren Salon suchte sie beim RAV Wohlen einen Flüchtling für einfache Arbeiten, erwartet hatte sie eine Frau. Mit Zabiollah Alavi Hosseini arbeitet nun seit zwei Monaten ein 23-jähriger afghanischer Mann im Familienbetrieb. Er wäscht, räumt auf, färbt Wimpern und zupft Augenbrauen, legt Wellen und massiert Köpfe. Die Kundinnen, besonders die älteren, haben den neuen Mitarbeiter bereits in ihr Herz geschlossen. «Fehlt Zabiollah, weil er in der Schule ist, vermissen ihn die Damen bereits», sagt Nancy Bellini schmunzelnd. Ivana Dautovic, Mitarbeiterin und Ausbildnerin im Salon, ist ebenfalls sehr zufrieden mit ihrem Schützling: Er sei immer pünktlich, aufgestellt und sympathisch, könne die Leute sehr gut erfassen und mache seine Arbeit gut. Nancy Bellini meint: «Damit es klappt, braucht es ein gutes Team, Vertrauen und genügend Zeit für die Führung, Kommunikation und Kontrolle.» Das sei ähnlich wie bei Schweizer Lernenden. Zabiollah Alavi Hosseini wird bis nächsten Sommer als Praktikant im Salon Brumann arbeiten. Dann kann er hier eine zweijährige Attest-Lehre beginnen.

Offenheit ist wichtig

Janine Wassmer vom Amt für Wirtschaft und Arbeit im Aargau koordiniert die Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen im Kanton. Sie hat Zabiollah Alavi Hosseini an Nancy Bellini vermittelt. Arbeitgeber wie Nancy Bellini sind für sie Gold wert. «Sie ist offen, sich auf eine fremde Kultur einzulassen, und ermöglicht Herrn Hosseini eine Lehre, obwohl sie nur eine Hilfskraft gesucht hat», erklärt sie. Für die erfolgreiche Integration von aufgenommenen Flüchtlingen brauche es beides: aufgeschlossene Arbeit­geber und unkomplizierte Behörden. Deshalb wurde im Kanton auch eine Integrationspartnerschaft zwischen Arbeitgeberverbänden und den kantonalen Stellen ins Leben gerufen. Für Arbeitgeber gibt es verschiedene Möglichkeiten, um Flüchtlinge einzustellen. Ein Flüchtling kann zum Beispiel bis zu drei Wochen ohne Bewilligung schnuppern und so für eine weitere Anstellung geprüft werden. Zudem gibt es Praktika, in denen die Flüchtlinge arbeiten und ein bis zwei Tage pro Woche die Schule besuchen. Sie bekommen auch einen Coach zur Seite gestellt. Dieser unterstützt Flüchtlinge und Arbeitgeber.

Endlich richtig arbeiten

Zabiollah Alavi Hosseini geht zwei Tage pro Woche in die Schule, büffelt Deutsch und lernt Mathematik. In seiner Heimat Afghanistan besuchte er keine Schule. Zur Schule ging er erst später im Iran. Einen Beruf gelernt hat er nie. Sein Vater wurde von den Taliban umgebracht, mit der kranken Mutter und seinen Geschwistern flüchtete er nach Teheran, kam von dort über Griechenland in die Schweiz. Im Asylzentrum Brugg, wo er wohnt, schneidet er seinen Kollegen mit der Rasiermaschine gratis die Haare. «Wir haben alle kein Geld für den Coiffeur, deshalb habe ich mir für 20 Franken eine Haarschneidemaschine gekauft», erklärt Zabiollah Alavi Hosseini. Im Coiffeursalon Brumann gefällt ihm, dass er endlich richtig arbeiten kann. «Ich habe sehr nette Chefinnen», sagt er. Die Zeit vergehe im Nu, nur in der Schule ticke sie langsamer. Nancy Bellini und Ivana Dautovic lernen jeden Tag zwanzig Minuten Deutsch mit Zabiollah Alavi Hosseini. Er trägt in sein Heft ein, was er genau gearbeitet hat. Stolz zeigen die zwei Chefinnen, wie sich die Einträge während der letzten zwei Monate verbessert haben. Da steht zum Beispiel in schöner Schrift: «Ich habe Kundin Wellen gelegt.»

Es braucht weitere Schnuppermöglichkeiten und Einsatz- und Praktikaplätze für Flüchtlinge und vor­läufig Aufgenommene. Interessierte Aargauer Unternehmen können sich melden bei: integrations-partner-arbeit@ag.ch.

Maria-Monika Ender, Amt für Wirtschaft und Arbeit Aargau

Ja zu No Billag - SRG, wir müssen reden.
foto

Die Schweizerische Gewerbekammer, das Parlament des sgv, hat die Ja-Parole zur No Billag Initiative beschlossen. Die Billag-Mediensteuer ist eine willkürliche und ungerecht­fertigte Doppelbesteuerung der Unternehmen. Medien­ministerin Leuthard und die SRG-Repräsentanten lassen nichts unversucht, um den Souverän davon zu überzeugen, dass nicht nur die Existenz der SRG, sondern jene der ganzen Schweiz durch diese Initiative bedroht wird. Dies ist völliger Unsinn. Vielmehr macht ein Ja zu No Billag den Weg frei, dass endlich die seit der RTVG-Abstimmung 2015 verwehrte Diskussion über den Service Public stattfinden und die Verstaatlichung der schweizerischen Medienlandschaft verhindert werden kann.

» mehr