Publiziert am: 15.06.2018

Erwerbsausfall zusätzlich versichern

VERSICHERUNGSRATGEBER – Die private Krankentaggeldversicherung KGT für den Arbeitgeber 
wie auch ein Taggeldschutz für die Mitarbeitenden sind zu empfehlen. Allerdings entscheiden die Versicherer 
hier frei, mit wem und zu welchen Bedingungen sie ein Versicherungsverhältnis eingehen.

G. T. aus Z.: «Ich leite eine Firma im Autogewerbe mit knapp 50 Mitarbeitenden. Per 1.7.2018 unterbreitet mir meine Krankentaggeldversicherung einen Vertragssanierungsvorschlag. In den vergangenen zwei Jahren hatte ich einige Gesundheitsvorfälle im Betrieb. Dennoch nehme ich die happige Prämienerhöhung nicht hin und möchte eine neue Versicherung abschliessen. Einige Mitarbeitende und ich als Arbeitgeber mussten viele Fragen zum aktuellen Gesundheitszustand beantworten. Die Versicherung hat mir nun mitgeteilt, dass sie mich nicht versichere. Darf sie das und muss ich dies hinnehmen?

Sehr geehrter Herr T:Sie sprechen von einer privaten Krankentaggeldversicherung (KTG), welche auf freiwilliger Basis die obligatorische Krankenversicherung gemäss KVG ergänzt. Sie wird in der Regel als Kollektivversicherung von Unternehmen für ihre Mitarbeitenden abgeschlossen. Die private kollektive KTG hat grosse Bedeutung wegen der breiten Gestaltungsmöglichkeiten und der Erwerbsausfallleistungen, die im KVG nicht versichert sind. Die Versicherer können aber aufgrund der Vertragsfreiheit frei entscheiden, mit wem und zu welchen Bedingungen sie ein Versicherungsverhältnis eingehen. Deshalb kann der KTG-Versicherer Anträge ablehnen oder mit einem Gesundheitsvorbehalt versehen. Das Ver­sicherungsvertragsgesetz (VVG) schränkt Ausschlüsse oder Vorbehalte nicht ein.

Lohnfortzahlungspflicht

Ihre Angestellten sind mit der obligatorischen Unfallversicherung (UVG) für Unfallrisiken versichert und geniessen einen Taggeldschutz. Deshalb ist für sie eine KTG nicht zwingend vorgesehen. Als Arbeitgeber sind Sie gemäss Obligationenrecht (OR) bei unverschuldeten Arbeitsverhinderungen verpflichtet, den Lohn fortzuzahlen – sei es wegen Unfall oder Krankheit. Bei krankheitsbedingter Arbeitsunfähigkeit entsteht ein Lohnfortzahlungsanspruch bei einem unbefristeten Arbeitsverhältnis von mindestens drei Monaten zu Beginn der Arbeitsunfähigkeit. Die Dauer des Anspruchs ist nicht im OR geregelt, aber er orientiert sich in Ihrem Fall nach der Zürcher-Skala und beträgt im ersten Arbeitsjahr drei Wochen. Bei längerer Beschäftigungsdauer nimmt er jeweils zu.

Der Abschluss einer KTG-Ver­sicherung ist für Arbeitgeber eine sinnvolle und wichtige Alternative. Das Lohnfortzahlungsrisiko überträgt sich damit an die Versicherung und vermeidet die arbeitsvertrag­liche Lohnfortzahlung nach OR. Bei Arbeitsausfällen übernimmt die Versicherung üblicherweise 80 Prozent des versicherten AHV-Lohnes bei einer maximalen Bezugsdauer von 730 Tagen. Zudem dauert der Taggeldanspruch in der Regel länger als die vom Gesetz vorgesehene Lohnfortzahlung.

Taggeldschutz für 
Selbständigerwerbende

Eine Taggeldversicherung für Krankheitsfälle ist auch für Selbständigerwerbende sehr wichtig, denn dieser Erwerbsausfall kann nicht anderweitig kompensiert werden. Weil die Versicherung gegen Verdienstausfall schützt, sind die Prämien für eine KTG nicht ganz billig. Mit der Wahl von längeren Wartefristen lassen sie sich jedoch stark reduzieren.

Der Abschluss einer KTG für Sie als Arbeitgeber wie auch ein Taggeldschutz für Ihre Mitarbeitenden sind zu empfehlen. Informieren Sie sich bei Ihrem Versicherungsberater. Er hilft Ihnen, Ihren Versicherungsschutz massvoll zu gestalten und gibt weitere Informationen.

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