Publiziert am: Freitag, 23. Mai 2014

Förderung statt hinderliche Quoten

KMU FRAUEN – Gemäss einer Studie der Universität St. Gallen sind Frauen in der KMU-Wirtschaft auch im Verwaltungsrat überdurchschnittlich häufig in Führungspositionen tätig. Der sgv verlangt eine Stärkung der Frauen in der höheren Berufsbildung.

Die KMU-Wirtschaft trägt überproportional stark zur Integration der Frauen im Berufsleben bei. Dies zeigt die Studie «Bedeutung und Positionierung von Frauen in Schweizer KMU» vom Schweizerischen Institut für Klein- und Mittelunternehmen der Universität St. Gallen. Sie wurde vom Schweizerischen Gewerbeverband sgv und den KMU Frauen Schweiz in Auftrag gegeben, um die Lücke der Rolle der Frauen in KMU zu schliessen.

«FRAUENQUOTEN LEHNEN WIR ALS KONTRAPRODUKTIV AB!»

In der Privatwirtschaft sind 43 Prozent der Beschäftigten Frauen. 35 Prozent der Frauen nehmen eine Vorgesetztenfunktion ein. Fast jedes zweite Einzelunternehmen (46 Prozent) wird von einer Frau geführt, somit können Frauen als typische Mikrounternehmerinnen bezeichnet werden. Zudem haben 25 Prozent der KMU mit Mitarbeitenden eine Frau als Chefin – so die wesentlichen Erkenntnisse der HSG-Studie. «Frauen sind in der KMU-Wirtschaft im Vergleich mit der gesamten Wirtschaft und der Verwaltung überdurchschnittlich häufig in Führungspositionen tätig oder als selbstständige Unternehmerinnen für eine Firma verantwortlich», betont sgv-Direktor Hans-Ulrich Bigler, der die Studie anlässlich des Gewerbekongresses im Kursaal Bern vorstellte. Die Situation der Frauen in der KMU-Wirtschaft unterscheide sich stark von derjenigen in Grossunternehmen oder in der Verwaltung. Der sgv fordere deshalb, dass diesem eindeutigen Fazit der Studie in der Diskussion um die Rolle und Position von Frauen in der Wirtschaft stärker Rechnung getragen werde, so Bigler. «Obwohl KMU eine enorme Bedeutung für die Schweizer Volkswirtschaft haben, wird die Rolle von Frauen häufig nur in Bezug auf Grossunternehmen mit entspre-chend auf Konzerne ausgerichteten Massnahmen geführt. Dies muss sich ändern.» Denn der nötige Hand-lungsspielraum für Frauen in KMU werde dann eingeschränkt, wenn undifferenzierte auf grosse Organisationen ausgerichtete Ideen verallgemeinernd auch den KMU überge-würden. «Solche Massnahmen wie beispielsweise fixe Frauenquo-ten lehnen wir als kontraproduktiv ab, denn sie schaden letztlich den Frauen, anstatt sie ins Erwerbsleben zu integrieren», ist Bigler überzeugt.

Am meisten 
Verwaltungsrätinnen in KMU

Die Studie bringt auch ganz klar zu Tage, dass das weibliche Geschlecht in KMU eine viel stärkere Rolle hat als in der restlichen Wirtschaft. Der höchste Frauenanteil im Verwaltungsrat ist mit 22 Prozent in Mikrounternehmungen. Mit steigender Unternehmensgrösse sinkt der Anteil auf 12 Prozent bei Betrieben mit über 250 Mitarbeitenden. Im Schnitt über alle Unternehmen besetzen Frauen 15 Prozent der Verwaltungsratsmandate. Mit einem Frauenanteil von 58 Prozent gibt es mehr weibliche als männliche mitarbeitende Familienangehörige. Familienunternehmen sind deshalb für das unternehmerische Engagement von Frauen und deren Integration ins Erwerbsleben zentral. Trotz ihrer wichtigen Position verfügen mit nur 12 Prozent jedoch nur sehr wenige dieser Frauen über einen Bildungs­abschluss auf Tertiärstufe und damit über eine für ihre Verantwortung angebrachte Ausbildung. «Es ist dringend nötig, dass die höhere Berufsbildung auch für diese Frauen gestärkt und gefördert wird», betont Christine Davatz, sgv-Vizedirektorin und Präsidentin der KMU Frauen Schweiz. Der sgv hat auch hier wieder Pionierarbeit geleistet und die neue Berufsprüfung «Unternehmensführung KMU», die über den Weg der Validierung der Berufserfahrung funktioniert, geschaffen. Dazu Bigler: «Es ist Zeit, dass der Bund diese Vorarbeiten aufnimmt und die Weiterentwicklung mit vermehrter finanzieller Unterstützung ebenfalls mitträgt.»

«Die Höhere BERUFSBILDUNG für diese Frauen fördern»

Unternehmerische Flexibilität und grosse Handlungsspielräume für geeignete Lösungen in den Unternehmen sind weitere Bedingungen, die bei der Förderung von unternehmerischen Frauen miteinbezogen werden müssen. «Wir müssen gute Rahmenbedingungen schaffen. Als selbstständige Unternehmerinnen, treibende Kraft in einem Familienunternehmen oder als Teilzeit angestellte Kaderfrau sind gerade Frauen, die daneben häufig noch Aufgaben in der Familie übernehmen, auf geringe administrative Belastungen und das Vermeiden von bürokratischen Hürden angewiesen», sagt Bigler.

Corinne Remund

Forderungen des SGV

Klares Nein
 zu Frauenquoten

n Die funktionierende Integration der Frauen ins Berufsleben, die dank flexiblem Handlungsspielraum in den Unternehmen spielt, soll nicht durch starre Vorgaben und Überreglementierung behindert werden. Frauenquoten lehnt der sgv ab.

n Die Diskussion um die Rolle und Position von Frauen in der Wirtschaft soll den Umstand viel stärker gewichten, wonach sich die Situation in der KMU-Wirtschaft von derjenigen in Grossunternehmen oder in der Verwaltung stark unterscheidet.

n Für eine echte Förderung von unternehmerischen Frauen sollen in erster Linie gute Rahmenbedingungen für KMU und hier insbesondere für Einzelfirmen und Mikrounternehmen geschaffen werden.

n Die höhere Berufsbildung soll von Seiten des Bundes insbesondere für die wichtige Gruppe der unternehmerisch tätigen Frauen in Familienbetrieben gestärkt und gefördert werden. Der Bund soll entsprechende Vorarbeiten der Wirtschaft mittragen und unterstützen.

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