Publiziert am: 06.09.2019

«Führen macht Spass»

MARIA BRÜHWILER – Die Unternehmerin wurde mit dem 7. Thurgauer KMU-Frauenpreis ausgezeichnet. Die KMU-Frau führt in der 4. Generation die zwei Betriebe in der Holzbranche im Thurgau und im Aargau. Sie fördert Frauen im Betrieb, ermöglicht ­Teilzeitarbeit und engagiert sich für den Berufsnachwuchs.

Maria Brühwiler weiss, was sie will. Sie ist zielstrebig und effizient, ihre Anweisungen sind klar und bestimmt. Begleitet werden diese Eigenschaften meistens von einem charmanten Lächeln. Sie ist eine Macherin und ein Leadertyp. Dahinter steckt viel Fachwissen, aber auch eine Portion Empathie für ihre Mitarbeitenden. 2011 hat die Thurgauerin den elterlichen Betrieb – die Brühwiler Sägewerk AG in Wiezikon – übernommen. Zielorientiert, mit viel Konw-how und Bestimmtheit bewegt sich die 40-Jährige in der männerdominierten Holzbranche. «Ich wollte immer schon eine Führungsposition», so Brühwiler. «Mit 20 habe ich mich dazu entschieden, das Familienunternehmen weiterzuführen.» Zugutegekommen sei ihr dabei, dass sie im Betrieb aufgewachsen sei. «Das hat mich geprägt und ermöglichte mir, in das Holzbusiness hineinzuwachsen.» Schritt für Schritt kletterte Brühwiler die Karriereleiter nach oben: Praktikum, Holzfachschule Biel, Praktikum im Ausland, School for Leadership und den Master in Unternehmensführung. «Das KMU weitsichtig und innovativ zu führen, macht mir grosse Freude. Führen macht Spass», sagt die eidg. Dipl. Technikerin Holzindustrie. Sie fühlt sich wohl als Chefin von rund 50 Mitarbeitenden. Ihre Leidenschaft für ihr Business ist förmlich spürbar.

Gleichberechtigung wird gelebt

Um den Wettbewerbsvorteil Preis voll ausspielen zu können, hat die engagierte Unternehmerin vor zweieinhalb Jahren die Martin Fensterkanteln GmbH – heute Brühwiler Fensterholz AG – im aargauischen Attelwil dazugekauft. «So haben wir zwei Möglichkeiten und können sowohl Schweizer Holz als auch preisgünstigeres Importholz für unser Fensterkanteln verwenden», so Brühwiler, die zwischen ihren beiden Firmen im Aargau und Thurgau hin und her pendelt. Um sich erfolgreich an der Spitze behaupten zu können, bedürfe es einen hohen ­Bekanntheitsgrad. Dabei setzt die KMU-Frau auf ein gutes Netzwerk. Die Mitgliedschaft bei den KMU Frauen Thurgau hat sie so quasi von ihrer Mutter geerbt. Dass sie mit dem 7. Thurgauer KMU-Frauenpreis ausgezeichnet worden ist, bedeutet ihr viel: «Es ist eine Anerkennung für mein tägliches Tun im Betrieb.»

Besonders am Herzen liegt der Powerfrau die Nachwuchsförderung. Als Mitglied einer Kerngruppe des Verbandes Holzindustrie Schweiz setzt sie sich für die Überarbeitung des Lehrplanes ein. «Wir brauchen gute Fachkräfte in der Branche. Momentan haben wir zu wenig Lernende», so Brühwiler. Sie selbst setzt auch in der Ausbildung auf Frauenförderung. So absolviert in ihrem Betrieb eine Sägerin Holzindustrie EFZ ihre dreijährige Lehre. «Der Beruf hat sich gewandelt. Der Job kann gut von einer Frau gemacht werden.» Ein Drittel aller Angestellten sind Frauen. «Meine Mutter hat schon Pionierarbeit geleistet und ­besonders für Frauen Teilzeitjobs ­geschaffen», so Brühwiler. Mit den neuen Familienmodellen ist es für uns Arbeitgeber Pflicht, flexible Arbeitszeiten anzubieten.» Von Frauenquoten hält Brühwiler nicht viel: «In der KMU-Welt wird die Gleichberechtigung schon lange gelebt. Optimal ist ein guter Mix, damit ein Team gut funktioniert», hat Brühwiler die Erfahrung gemacht.

Corinne Remund

www.fensterholzag.ch

Thurgauer KMU-Frauenpreis

KMU Frauen sichtbarer machen

Der Verein KMU Frauen Thurgau hat den Thurgauer KMU-Frauenpreis 2007 ins Leben gerufen. Mit Unterstützung der beiden Wirtschaftsverbände Thurgauer Gewerbeverband und Industrie- und Handelskammer, dem Amt für Wirtschaft und Arbeit sowie der Thurgauer Kantonalbank wird alle zwei Jahre eine Gewerbefrau oder Unternehmerin ausgezeichnet. «Wir möchten die Wertschätzung gegenüber den Frauen in der Thurgauer Wirtschaft öffentlich kundtun», sagt Karin Peter, Präsidentin der KMU Frauen Thurgau begeistert. Seit Beginn wird das Preisgeld von 5000 Franken von der Thurgauer Kantonalbank gestiftet. CR