Publiziert am: 09.05.2014

Für Selbständige wichtig

VERSICHERUNGSRATGEBER – Die Krankentaggeldversicherung übernimmt üblicherweise 
80 Prozent des AHV-Lohnes bis maximal 730 Tage.

H. B. aus A: «Ich führe eine Sanitärfirma und will eine Krankentaggeldversicherung abschliessen. Dazu musste ich viele Fragen zu meinem Gesundheitszustand beantworten. Die Versicherung hat mir danach mitgeteilt, dass sie mich als Risikofall nicht versichere. Kann mich die Versicherung wegen früheren Gesundheitsbeschwerden ablehnen, weil ich ein zu hohes Kostenrisiko darstelle, und muss ich das akzeptieren?»

Sehr geehrter Herr B.: Die Krankentaggeldversicherung (KTG) kann aufgrund der Vertragsfreiheit frei entscheiden, ob und mit wem sie ein Versicherungsverhältnis eingehen will. Deshalb kann die Versicherung den Antragsteller grundsätzlich ablehnen oder mit einem Gesundheitsvorbehalt aufnehmen – je nach Rechtsgrundlage mit verschiedenen Auflagen. Gemäss Versicherungsvertragsgesetz sind Ausschlüsse oder Vorbehalte unbeschränkt gültig, das Krankenversicherungsgesetz hingegen lässt einen Vorbehalt nur bis maximal fünf Jahre nach der Gesundheitsstörung zu.

Lohnfortzahlungspflicht

Für Ihre Angestellten ist eine KTG im Gegensatz zur Unfallversicherung nicht zwingend vorgesehen. Das Obligationenrecht (OR) statuiert aber eine Lohnfortzahlungspflicht bei Arbeitsverhinderungen wegen Unfall oder Krankheit. Dieser Anspruch entsteht bei einem unbefristeten Arbeitsverhältnis, das bei Beginn der krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit mehr als drei Monate gedauert hat. Der Lohnanspruch beträgt im ersten Arbeitsjahr drei Wochen, danach nimmt er jeweils zu.

Als Alternative zur ­Lohnfortzahlung...

Der Arbeitgeber kann alternativ zur gesetzlichen Lohnfortzahlung eine Versicherung für Krankentaggelder abschliessen. Damit lässt sich die gesetzliche Lohnfortzahlung vermeiden. Bei Arbeitsausfällen übernimmt die Versicherung üblicherweise 80 Prozent des AHV-Lohnes bis maximal 730 Tagen – so können Sie das Risiko der Lohnfortzahlung auf die Versicherung transferieren. Zudem dauert der Taggeldanspruch in der Regel länger als die vom Gesetz vorgesehene Lohnfortzahlung. Die Versicherungsprämien können Sie bis zu 50 Prozent auf Ihre Arbeitnehmer abwälzen.

… oder für Selbständ­ig­erwerbstätige

Für Selbständige ist eine Taggeldversicherung für Krankheitsfälle ausserordentlich wichtig, denn deren Verdienstausfall kann nicht anders kompensiert werden. Eine solche Versicherung können auch Selbständige mit unregelmässigen Einkommen abschliessen, sogar wenn kein Verdienst erzielt wird. Auf diese Art lassen sich im Haushalt bei Krankheit auch die Kinderbetreuung oder eine professionelle Putzarbeitskraft finanzieren. Die Prämien für eine KTG sind wegen des Verdienstausfalles nicht ganz billig – sie lassen sich jedoch reduzieren mit längeren Wartefristen ab Beginn der ärztlich attestierten Arbeitsunfähigkeit bis zum Beginn der Taggeldleistungen.

Der Abschluss einer KTG durch den Arbeitgeber ist zu empfehlen. Um das richtige Produkt mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis auszuwählen, bedarf es aber einiger Abklärungen. Informieren Sie sich deshalb bei Ihrem Versicherungsberater – er kann Ihnen weitergehende Informationen geben und Ihnen den Entscheid erleichtern.