Publiziert am: 13.12.2019

Fakten statt Emotionen

KUNSTSTOFF.SWISS – Mit einem Rebranding und der Überarbeitung des Bildungsplans und der Bildungs­ver­ordnung zum Kunststoff­techno­logen/in EFZ, steckt der engagierte Verband mitten im Wandel. Der Verband setzt sich stark für die Kreislaufwirtschaft ein, wobei er gerade auch auf poli­tischer Ebene ins Leere führende Verbote verhindern will.

Tagtäglich berühren wir Kunststoffe. Egal ob wir am Morgen den Wecker ausschalten, uns die Zähne putzen oder mit dem Bus zur Arbeit fahren. Am meisten wird Kunststoff in der Verpackungsindustrie verwendet, dicht gefolgt vom Bausektor. Ebenso die Fahrzeugbranche wie auch die Medizinaltechnik sind auf Kunststoff angewiesen. Auch in der Elektro- und Elektronikindustrie sowie im Haushalt stossen wir immer wieder auf Kunststoffe. Jährlich werden in der Schweiz 817 346 Tonnen Kunststoff verarbeitet. Dazu Silvio Ponti, seit drei Jahren Präsident von KUNSTSTOFF.swiss: «Auch wenn in den letzten Jahren einige Firmen durch Fusion oder Abwanderung ins Ausland verschwunden sind, ist die Kunststoffindustrie in der Schweiz im Trend und wird für ihre hochwertigen Produkte geschätzt.» Allerdings gerät Plastik immer wieder in die Kritik und hat ein schlechtes Image, dies auch im Zusammenhang mit dem Mikroplastik in den Gewässern. Angeheizt wird diese emotionale Debatte von den (sozialen) Medien. Der Verband will gerade deshalb umso intensiver faktenbasiert aufklären. «Zu 99,3 Prozent wird Plastik in der Schweiz korrekt entsorgt», weiss Ponti.

Das Image von Kunststoff ist viel besser, als man denkt

Allerdings ist es nicht immer einfach, mit Fakten durchzudringen, wie beispielsweise dass 97 Prozent der Vermüllung des Meeres ausserhalb Europas passiert, dass die Litteringrate bei Kunststoffabfall in der Schweiz bei 0,7 Prozent liegt und dass Mikroplastik zur Hauptsache aus Abrieb von Reifen, Strassenmarkierungen und Farben sowie aus synthetischen Textilien stammen. Der Anteil der Verpackung am CO2- Fussabdruck beträgt bei einem Lebensmittel nur zwei bis fünf Prozent. Schwierig gestaltet sich die Kommunikation der Vorteile von Kunststoffen, die gerade jetzt, angesichts des Klimawandels und der CO2-Diskussion, enorme Vorteile bieten und zur Lösung beitragen. «Kunststoff ermöglicht weniger Gewicht in der Mobilität, sorgt für bessere Gebäudeisolationen und verhindert dank Verpackungen Food Waste», stellt Verena Jucker, Leiterin Kommunikation von KUNSTSTOFF.swiss fest. Und sie ergänzt: «Damit tun sich auch neue Märkte in der Automobilindustrie, in der Elektronik und in der Medizinaltechnik für Produkte aus Kunststoff auf.» Oft werden in den sozialen Netzwerken Alternativen zu Kunststoff gefordert. «Dabei wird selten eine ökologische Gesamtbetrachtung angestellt», sagt Kurt Röschli, Geschäftsführer von KUNSTSTOFF.swiss. «Mittels Life Cycle Assessments lässt sich die Umweltbelastung nach anerkannten Standards messen. Da schneiden Kunststoffe aufgrund ihres leichten Gewichtes und der vergleichsweise tiefen Schmelztemperaturen oft besser ab, auch beim Recycling.»

Für Kreislaufwirtschaft einstehen

Der Verband tut viel für die Imagepflege wie auch für eine fundierte Aufklärung. Dazu steht er mit Behörden und Politik in einem laufenden Dialog und bedient verschiedene Informationskanäle. «Wir stellen mit dem Bundesamt für Umwelt (BAFU) ein Argumentarium mit Fakten und Zahlen zusammen und mit dem Bundesamt für Energie (BFE) eine Broschüre zur Energieeffizienz in der Kunststoffindustrie. Zudem unterstützen wir auch Forschungsprojekte in diesem Bereich», sagt Jucker. Und Röschli ergänzt: «Es gilt, in der Schweiz die symbolhaften Rechtsakte wie die Single Use Plastics Directive der EU mit dem Verbot der Trinkhalme und weiteren Einwegartikeln zu vermeiden.» Viel besser sei es, mittels freiwilligen Commitments der Industrie und des Handels sowie in Zusammenarbeit mit den Behörden den Eintrag von Kunststoffen in die Umwelt zu verhindern. «Denn dort haben sie definitiv nichts verloren», so Röschli.

In diesem Sinne unterstützt der Verband auch die europäische Strategie für Kunststoff in einer Kreislaufwirtschaft. «Diese Kunststoffstrategie will das Recycling fördern, Kunststoffabfälle vermindern, Innovationen und Investitionen mobilisieren und einen Sinneswandel mindestens in Europa bewirken», erklärt Ponti. «Auch wir unterstützen die nachhaltige Entwicklung durch Innovationen, welche die Wettbewerbsfähigkeit stärken und zu mehr Effizienz und Ressourcenschonung in der Produktion führen. Dabei fördert der Wissensaustausch innerhalb des Verbandes und der daraus resultierende Technologietransfer die Innovationskraft», so Jucker.

Modernisierung des Berufsbildes

Seit Jahrzehnten unterstützt KUNSTSTOFF.swiss die Ausbildungs-, Mitglieder- und Partnerfirmen dabei, Nachwuchskräfte zu gewinnen und so die Fachkräftebasis zu sichern. Pro Jahr schliessen rund 90 Lernende ihre Ausbildung als Kunststofftechnologe/-in EFZ und Kunststoffverarbeiter/-in EBA ab. «Dies ist massiv zu wenig, die Branche benötigt rund 160 Absolventinnen und Absolventen», gibt Röschli zu bedenken. Er führt diesen Nachwuchsmangel unter anderem darauf zurück, dass die technischen Anforderungen hoch und die Löhne manchmal tiefer als beispielsweise in den kaufmännischen Berufen sind. «Zudem ist ein handwerklicher Beruf, obwohl sehr zukunftsträchtig, heute nicht mehr so gefragt.» Mit Berufsmessen, Lehrerevents und Informationen in den Berufsbildungszentren will man in der Öffentlichkeit auf diese beiden Berufe in der Kunststoffbranche aufmerksam machen und die Jugendlichen dafür motivieren. Eine weitere Massnahme ist die Überarbeitung und Modernisierung des Berufsbildes. «Neu wird es anstelle von fünf nur noch einen Kunststofftechnologen geben», erklärt Röschli. 2021 kommt diese neue Berufsverordnung in die Vernehmlassung.

Auf politischer Ebene strebt der Verband die Stossrichtung der freiwilligen Selbstverpflichtung anstelle eines Verbotes an. «Unsinnige Verbote gegen ein Material sind nicht zielführend und behindern höchstens die Wirtschaft», so Ponti. Und der Präsident doppelt nach: «Wir können alle mit unserem Verhalten einen Beitrag gegen Littering leisten. Ebenso wichtig ist die Aufklärungsarbeit. Nur wenn die Ursachen für den Eintrag von Kunststoffen in die Umwelt benannt werden, können Massnahmen dagegen getroffen werden.» Solche Verbote gefährden die Konkurrenzfähigkeit der Schweizer Kunststoffindustrie. «Wir müssen unsere Exportfähigkeit und unseren Innovationslevel halten können und dürfen nicht mit unsinnigen Regulierungen ausgebremst werden», fordert Ponti für die Zukunft. Die Brache hat grosses Potenzial dank Innovationen wie zum Beispiel Kunststoffe aus Abfällen aus Schweizer Biomasse. Dazu müssten auch auf politscher Ebene Anreize geschaffen werden. Corinne Remund

www.kunststoff.swiss

DAS MACHT KUNSTSTOFF.SWISS

Ein starkes Zeichen für den Kunststoff

KUNSTSTOFF.swiss ist ursprünglich aus den beiden Verbänden Arbeitsgemeinschaft der Schweizer Kunststoffindustrie Aski sowie dem Verband Kunststoff verarbeitender Industriebetriebe der Schweiz VKI entstanden. Diese schlossen sich 1992 zum Kunststoff Verband Schweiz KVS zusammen. 2013 erfolgte eine Namensänderung in Swiss Plastics. Per 1. Januar 2020 heisst der Verband KUNSTSTOFF.swiss. Mit dieser Namensänderung will der Verband den Fokus auf Kunststoff als hochwertigen Werkstoff verstärken und mit der Domainendung .swiss die Swissness und den Standort Schweiz hervorheben.

Verantwortungsvoller Umgang mit Kunststoff

Der Dachverband ist der Vertreter der schweizerischen Kunststoffindustrie mit rund 800 Unternehmungen, die rund 35 000 Mitarbeitende beschäftigen und einen Jahresumsatz von 16 Milliarden Franken erzielen. Zurzeit gehören dem Verband 360 Mitglieder an – knapp die Hälfte aller in der Schweizer Kunststoffindustrie tätigen Unternehmungen. Dabei handelt es sich grossmehrheitlich um KMU und einige Grossbetriebe. Dem Verband ist der verantwortungsbewusste Umgang mit Kunststoffen über den kompletten Lebenszyklus hinweg ein grosses Anliegen. Dafür entwickelt er ökonomische und ökologische Lösungen. Dem Schweizer Fachkräftemangel begegnet er mit attraktiven und professionellen Aus- und Weiterbildungsangeboten. Dienstleistungen für die Mitglieder sind Netzwerkpflege, Veranstaltungen, Tagungen und Messen. Ebenso ein wichtiger Aspekt ist die Öffentlichkeitsarbeit, sowohl extern wie auch intern. Der Verband engagiert sich für gute Rahmenbedingungen und Kooperationen auch in Bundesbern und international. KUNSTSTOFF.swiss verfügt über eine eigene EKAS-Branchen­lösung in Gesundheitsschutz und Arbeitssicherheit.

CR

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