Publiziert am: 12.08.2016

Flüchtlinge mit Lernenden unterrichten

Peer-Education – Das Bildungsunternehmen «rheinspringen» unterrichtet seit 2013 jugendliche Flüchtlinge. Das Angebot stösst auf grosse Nachfrage und konnte laufend ausgebaut werden.

Die Zahl der Lernenden und Lehrlinge, die «rheinspringen talent» besuchen, ist auf über 100 Schülerinnen und Schüler angestiegen – gut 40 davon sind Schweizer, mehr als 70 sind Flüchtlinge. Im April 2013 waren es noch 13. «Wir haben das Angebot aufgrund der steigenden Nachfrage laufend ausgebaut. Gerade der Anteil von Flüchtlingen hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen», sagt David Gött, Leiter von «rheinspringen talent». Die Flüchtlingskrise ist auch hier spürbar.

Grosse Heterogenität

Wer zu «rheinspringen talent» in den Unterricht kommt, bringt unterschiedliche Vorkenntnisse mit. Unter ihnen sind Lehrlinge, die Unterstützung für die Berufsschule wünschen. Aber auch Jugendliche, welche die obligatorische Schulzeit nicht beendet haben und Verpasstes nachholen müssen. Oder eben Flüchtlinge, die in der Schweiz einen schulischen Leistungsausweis erarbeiten möchten. «Aktuell haben wir viele Eritreer, Somalier und Syrer», erklärt Gött. Manche kommen aus eigener Initiative, andere werden vom Sozialamt in Zusammenarbeit mit den sechs REPAS – der Regionalen Potenzialabklärungs- und Arbeitsintegrationsstelle – des Kantons St.Gallen zugewiesen.

Aufgrund dieser Heterogenität und der unterschiedlichen Vorkenntnisse wird sowohl der Schulstoff aus der Primarstufe als auch aus der Sekundarstufe II behandelt. «Um die individuelle Förderung zu gewährleisten, stellen wir für alle ein persönliches Lernprogramm zusammen – je nach Vorkenntnissen und Zielen», so Gött. Dabei gelte es auch, auf die unterschiedlichen Kulturen Rücksicht zu nehmen.

Wichtige Integrationsarbeit

Die Lerninhalte erarbeiten die Jugendlichen hauptsächlich selbst. Bei Bedarf werden sie von Lehrpersonen unterstützt. Besonders interessant ist der Ansatz der «Peer-Education»: Die Schweizer Jugendlichen unterstützen die Flüchtlinge. «Die Jugendlichen lernen dadurch schneller, sind motivierter und kommen sich über kulturelle Grenzen hinweg persönlich näher.» Eine wichtige Integrationsarbeit leisten auch das Schlusszeugnis mit persönlichem Kompetenzprofil und ein Fachbericht, der das Entwicklungspotenzial, das Arbeitstempo sowie die Aufnahme- und Problemlösefähigkeit aufzeigt. Diese Ausweise erhöhen bei den Flüchtlingen die Chancen auf einen Ausbildungsplatz.

rheinspringen

Das Unternehmen

«rheinspringen» agiert am Übergang von Schul- und Arbeitswelt. Das Unternehmen unterstützt Jugendliche und junge Erwachsene auf ihrem Weg in die Arbeitswelt. Ziel ist es, die Jugendlichen auf die Anforderungen der Arbeitswelt vorzubereiten und sie erfolgreich in den Arbeitsmarkt zu integrieren. «rheinspringen» führt im Auftrag des Kantons St. Gallen das Motivationssemester «rheinspringen bridges» und das Programm «rheinspringen corporate» durch. Weitere Programme sind «rheinspringen coaching» und «rheinspringen talent». Im «coaching» bietet «rheinspringen» Jugendlichen und jungen Erwachsenen Einzel- und Gruppencoachings an, «rheinspringen talent» ist ein schulisches Programm. Zudem unterstützt «rheinspringen» Lehrbetriebe sowie Ausbildnerinnen und Ausbildner. Ziel ist es, dass die Lernenden mit der Unterstützung von «rheinspringen» die Lehre erfolgreich starten und abschliessen.