Publiziert am: Freitag, 16. September 2016

Flexibel und direkt Lösungen finden

FAMILIE UND BERUF – Der Schweizerische Gewerbeverband anerkennt die Wichtigkeit, Familie und Beruf vereinbaren zu können. Die besten Garanten hierfür sind eine starke Berufsbildung und ein liberaler Arbeitsmarkt mit möglichst wenigen Regulierungen.

Am nationalen Spitzentreffen Fachkräfte Schweiz zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf war der Schweizerische Gewerbeverband sgv mit seinem Direktor, Nationalrat Hans-
Ulrich Bigler, vertreten. Dieser plädierte vor den Sozialpartnern und Vertretern des Bundes und der Kantone für mehr Flexibilität und Handlungsfreiheit statt Regulierungen und Bürokratie. Individuelle und auf die jeweilige Situation abgestimmte Lösungen in den KMU-Betrieben hätten die weitaus beste Wirkung. Das beweise mitunter der überdurchschnittliche Frauenanteil gerade in Führungsfunktionen bei KMU. Kontraproduktiv wirkten starre Konzepte und regulatorische Eingriffe in den liberalen Arbeitsmarkt.

«Weder Vaterschaftsurlaube noch Krippen auf Kosten der KMU»

«Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist von zentraler Bedeutung für die Schweizer KMU-Wirtschaft», hält der sgv fest. Dass junge Eltern neben der Familie arbeiten könnten, sei ein wichtiger Hebel gegen den Fachkräftemangel. Dank flexiblen und einfachen Organisationsstrukturen in KMU liessen sich Lösungen zur Vereinbarung von Familie und Beruf finden.

«Anders als Grossfirmen und verwaltungen legen kmu-chefs noch wert aufs persönliche gespräch.»

«Lösungen, die in der Praxis funktionieren und nicht nur auf dem Papier», hielt Bigler fest und sagte weiter: «Der grösste Teil dieser Firmen sind Klein- und Kleinstfirmen, mit zum Teil weniger als zehn Mitarbeitenden. Unsere KMU haben – anders als die Grossbetriebe oder Verwaltungen – zum allergrössten Teil keine professionellen Personalabteilungen, die Konzepte aller Art entwickeln und dann innerhalb der Firma für ihre Umsetzung sorgen. Betroffene sprechen ihre Anliegen – Präsenz in der Firma, evtl. Homeoffice etc. – mit dem Firmeninhaber oder dem Teamchef ab und einigen sich individuell auf eine für beide Seiten vertretbare Lösung. Entsprechend sieht der sgv keinen gesetzlichen Handlungsbedarf, weder, was Vaterschaftsurlaube noch andere regulatorische Modelle anbelangt. Auch Krippeninitiativen auf Kosten der Arbeitgeber – darüber wird im Kanton Zürich am 25. September abgestimmt – lehnen wir entschieden ab.»

KMU-Wirtschaft als Vorreiter

Die KMU-Wirtschaft spielt bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine Vorreiterrolle und trägt überproportional zur Integration von Frauen ins Berufsleben bei. Das zeigt die 2014 veröffentlichte Studie der Universität St. Gallen zur Bedeutung und Positionierung der Frauen in Schweizer KMU.

Gerade auch in Führungspositionen sind Frauen in der KMU-Wirtschaft überdurchschnittlich vertreten. 46 Prozent der Einzelfirmen werden von einer Frau geführt. Familienbetriebe werden mit 58 Prozent Frauenanteil mehrheitlich von Frauen getragen. «Gerade für Frauen bieten KMU vielfältige und flexible Möglichkeiten, am Erwerbsleben teilzunehmen und eine berufliche Karriere auch als Unternehmerin und Vorgesetzte mit dem Wunsch nach Familie zu verbinden», hält Gewerbedirektor Bigler fest. «Frauen sind damit in der KMU-Wirtschaft im Vergleich mit der gesamten Wirtschaft und der Verwaltung überdurchschnittlich häufig in Führungspositionen tätig oder als selbstständige Unternehmerinnen für eine Firma verantwortlich.»

«quoten schaden den frauen mehr, als sie ihnen nützen.»

Frauenquoten lehnt der sgv deshalb als kontraproduktiv ab, denn sie schaden letztlich den Frauen, anstatt sie ins Erwerbsleben zu integrieren.

Hohe Zahl an Teilzeitstellen hilft

Echte Förderung von unternehmerischen Frauen in KMU heisst für den sgv, dass man in erster Linie gute Rahmenbedingungen schafft, um effizient arbeiten zu können. Als selbstständige Unternehmerinnen, treibende Kraft in einem Familienunternehmen oder als in Teilzeit angestellte Kaderfrau sind gerade Frauen, die daneben häufig noch Aufgaben in der Familie übernehmen, auf geringe administrative Belastung und das Vermeiden von bürokratischen Hürden angewiesen.

Günstige Rahmenbedingungen sind ein wichtiger Grund für die starke Position der Frauen in der KMU-Wirtschaft. Sie bieten Möglichkeiten, Karriere und Familie unter einen Hut zu bringen. So können sich kleinere Unternehmen häufig einfacher auf die privaten Verhältnisse oder die jeweilige Situation in einem Familienbetrieb anpassen.

Begünstigt wird die Vereinbarkeit von Karriere und Familie auch durch die hohe Zahl an Teilzeitstellen in der KMU-Wirtschaft. 70 Prozent der Frauen in KMU arbeiten Teilzeit. Auch in Positionen mit viel Verantwortung und Führungsaufgaben, beispielsweise als treibende Kraft in einem Familienbetrieb (80 Prozent) oder als selbstständige Unternehmerinnen (70 Prozent), ist eine klare Mehrheit der Frauen Teilzeit tätig.

Mehr Grund- und Weiterbildung

Um diese günstigen Rahmenbedingungen zu schaffen bzw. zu konsolidieren, engagiert sich der sgv in der Berufsbildung und in verschiedenen weiteren Projekten wie z. B. dem «Fachausweis Unternehmensführung KMU», der vor allem auch Frauen anspricht. «Schon immer war es ein Anliegen des sgv, dass die mitarbeitenden Partnerinnen in KMU anerkannt, integriert und vernetzt werden», sagt sgv-Vizedirektorin und Bildungsexpertin Christine Davatz. Zusammen mit dem Verein «Bildung Führungskräfte Gewerbe Schweiz BFG» und dem Schweizerischen Ins­titut für Unternehmerschulung SIU hat der sgv die Möglichkeit geschaffen, ohne Schulbesuch, basierend auf der Berufserfahrung und mit einem strukturierten Begleitprozess, zur Berufsprüfung Unternehmensführung KMU zugelassen zu werden. Auch die Prüfung selbst baut auf der Berufserfahrung auf – Kandidatinnen müssen die Gesamtzusammenhänge in der Führung eines KMU beherrschen und darlegen. Frauen können das bestens – sie tun es tagtäglich.

En/pd