Publiziert am: Freitag, 18. September 2015

«Flexibilität ist überlebenswichtig»

COPYPRINTSUISSE – Der grafischen Branche stehen schwierige Zeiten bevor. Doch die Reprografiebetriebe als Nischenplayer sind mit ihren meist kleinen Strukturen sehr flexibel und können sich rasch auf neue Marktentwicklungen einstellen.

Der Schweizerische Verband von Kopier-, Plott- und Printdienstleistern feiert nächstes Jahr sein 75-Jahr-­Jubiläum. Dabei darf COPYPRINTSUISSE stolz auf seine bisherigen Leistungen zurückschauen. «Der Verband und seine Mitglieder haben es bisher verstanden, auf die verschiedensten Herausforderungen insbesondere der Digitalisierung sowie der Globalisierung und des damit verbundenen Preiszerfalls Antworten zu finden. Auch unser Berufsbild hat die verschiedensten Berufsbildungsreformen überstanden und ist gestärkt daraus hervorgegangen», freut sich Verbandsekretär Daniel Eggimann. Die Landschaft der Reprografie-Branche hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert.

«Die Mitglieder müssen sich täglich 
behaupten und Nischenplätze suchen.»

Zu den ganz grossen Umwälzungen gehören die technische Entwicklung der Geräte und Maschinen sowie die Digitalisierung, die heute die Grenzen der einzelnen Berufsgruppen in der Branche verwischen. Die Geräte wurden massiv günstiger, so dass sich viele bisherige Kunden wie beispielsweise Planer, Architekten, Ingenieure etc. selbst Plotter angeschafft haben und die Pläne selber drucken. «Analoges verschwindet und das Internet ermöglicht einen globalen Transfer der digitalen Druckdaten. Man kann heutzutage ohne Probleme Druckaufträge im billigen Ausland produzieren und über Nacht in die Schweiz liefern lassen. Dementsprechend hoch ist der Kostendruck auf die Betriebe im Inland», gibt Eggimann zu bedenken und der frisch gebackene Präsident Mario Delvecchio doppelt nach: «Online-Plattformen verändern den Kontakt zum Kunden. Durch solche modernen Kommunikationswege ist die geografische Nähe zum Kunden nicht mehr so wichtig. Filialen werden geschlossen und in hochausgelasteten Zentralen zusammengeführt.»

Eine weitere unmittelbare Hürde sind im Herbst die Neuverhandlungen der Urheberrechtsabgaben-Tarife ab 2017 mit Pro Litteris, von welchen die Branche stark belastet wird. «Wir hoffen, da möglichst gute Konditionen für unsere Mitglieder herauszuholen», so Eggimann.

Der stetige Preiszerfall und der damit verbundene enorme Kostendruck setzt in der Tat vielen Betrieben zu. «Als Verband kann man hier wenig ausrichten. Die Mitglieder müssen sich täglich behaupten. Man muss sich auf lukrative Nischen konzentrieren und versuchen, diese zu verteidigen», erklärt Delvecchio. Der starke Franken ist unter diesen Rahmenbedingungen eine zusätzliche Belastung. «Der starke Franken verleitet immer mehr Branchenkunden, den grafischen Beschaffungsmarkt auf das billigere Ausland auszudehnen, was mit dem Austausch digitaler Druckdaten sehr einfach realisierbar ist», hält Eggimann fest. Und er relativiert, so dramatische Auswirkungen wie im Detailhandel oder dem Tourismus spüre die Branche jedoch noch nicht. Ebenso wenig ­vertrage es neue Belastungen durch Steuern, Abgaben und Gebühren. «Dies würde den ohnehin schon ­grossen Kostendruck massiv steigern und zusätzlich Arbeitsplätze gefährden. Heute sind schon der Geschäftsleiter und Betriebsinhaber gefordert, in der Produktion mitzuhelfen», betont Delvecchio. Selber Patron der Meier Druck AG in Baden-Dättwil, kennt er dies aus eigener Erfahrung. Und so fordert er: «Wir brauchen dringend administrative Entlastungen.»

«Wir brauchen dringend administrative Entlastungen.»

Umso wichtiger ist die Qualitätssicherung in der Branche. «Wir haben mit grossem Aufwand ein eigenes Qualitätslabel entwickelt. Für uns ist dies ein wichtiges Thema und besonders für Kleinbetriebe kann dies überlebenswichtig sein», sagt Delvecchio. Er hat das ganze Prozedere in seiner Firma selber erlebt. «Für eine Zertifizierung werden 44 Kriterien beurteilt, welche nach einem Punktesystem minimal erfüllt sein müssen.» Umwelt und Energie seien auch Bestandteile des Qualitätslabels. «Als grosse Papierverbraucher ist der Einsatz von FSC-zertifiziertem Papier beinahe Standard», so Eggimann.

Noch mehr Lehrbetriebe

Ebenso im Hinblick auf den starken Wettbewerb haben die Aus- und Weiterbildungen einen besonderen Stellenwert im Verband. Die Ausbildung zum Drucktechnologen mit Fachrichtung Reprografie dauert vier Jahre und wird an der Berufschule für Gestaltung in Zürich sowie an der ERACOM in Lausanne angeboten. Nach der Grundausbildung stehen dem Drucktechnologen verschiedene Weiterbildungsmöglichkeiten offen, welche bis zum Vollzeitstudium Medieningenieur an einer Fachhochschule führen können. «Die Ausbildung erfreut sich einer konstanten Nachfrage. In der gesamten Schweiz werden momentan rund 130 Lernende ausgebildet. Jährlich beenden rund 30 zukünftige Drucktechnologen Fachrichtung Reprografie ihre Ausbildung», erklärt Delvecchio. Als langjähriger Chefexperte, kantonaler Berufsinspektor und Lehrlings-Obmann kann er in diesem Gebiet aus dem Vollen schöpfen. Die Nachfrage zur Ausbildung sei da, allerdings bedürfe es noch etwas mehr Ausbildungsplätze, stellt Delvecchio fest. Vom Verband werden in Zusammenarbeit mit den Lieferanten auch spezifische Tagesseminare für die Branchenmitarbeiter angeboten. Im Rahmen der technischen Entwicklung seien die Berufsbilder einer ständigen Wandlung unterzogen. «Die Grenzen zu artverwandten Berufsbildern vermischen sich und es können durchwegs neue entstehen», ergänzt Eggimann.

«Die Nachfrage ist da, es braucht aber noch mehr Lehrplätze.»

COPYPRINTSUISSE definiere sich heute als Zusammenschluss von Copy-, Print- und Mediendienstleistern. «Dies sollte auch aus unserem Namenwechsel ersichtlich sein», sagt Eggimann und Delvecchio betont: «Künftig wollen wir DER Zusammenschluss solcher KMU in der Schweiz sein sowie weitere Mitglieder gewinnen.»

Corinne Remund

COPYPRINTSUISSE

Bis zu 800 Millionen Umsatz jährlich

COPYPRINTSUISSE wurde 1941 als Verband Schweizerischer Lichtpausanstalten VSLA in Olten gegründet. Im Verlaufe der Zeit und der technischen Entwicklung änderte der Name zu Verband Schweizerischer Reprografie-Betriebe VSR und schliesslich zu COPYPRINTSUISSE. Der Sitz befindet sich seit über zehn Jahren in Aarau. COPYPRINTSUISSE ist ein relativ kleiner Verband und funktioniert im Milizsystem. Zu den Hauptaufgaben des Verbandes gehören die Aus-und Weiterbildung von Branchenmitarbeitenden sowie Berufsnachwuchs, Erfahrungsaustausch, Dienstleistungen wie Versicherungen und Rechtsberatung sowie der Kontakt zu den Branchenlieferanten und den ausländischen Partnerverbänden. Dabei wird eng mit Deutschland und Österreich zusammengearbeitet. Der Verband zählt inklusive Fördermitglieder gesamthaft 105 Mitglieder. Davon sind die meisten Betriebe KMU oder Kleinstbetriebe mit durchschnittlich sechs Angestellten. In der Schweiz gibt es rund 400 bis 500 Betriebe in der Reprografie-Branche, welche schätzungsweise einen jährlichen Umsatz von 600 bis 800 Millionen Franken generieren. CR