Publiziert am: 15.12.2017

«Flexibilität wird erwartet»

RSAG REPARATUR- UND SANIERUNGSTECHNIK AG – Das KMU in Langnau im Emmental behauptet sich mit langlebigen Kunststoffsystemen im Brückenbau und Hochbau an der Spitze.

Die RSAG Reparatur- und Sanierungstechnik AG unterhält jährlich mehrere hundert Kilometer Strassen sowie Fahrbahnübergänge. Das Unternehmen mit Sitz in Langnau im Emmental ist eine Tochtergesellschaft der Stämpfli-Bau Holding AG. Rund 70 Prozent des Umsatzes macht die Firma mit der Instandhaltung von Verkehrsflächen durch die Riss-Sanierung von Strassenbelägen sowie Fahrbahnübergängen bei Brücken und Dilatationsfugen der Extraklasse. Die restlichen 30 Prozent der Aufträge laufen unter dem Oberbegriff Bautenschutz. Dazu gehören Betonsanierungen, Beschichtungen, Schachtdeckelsanierungen sowie Randstein­sanierungen. Das 1987 gegründete Unternehmen hat sich in der Baubranche bereits 1988 mit neuen Techniken in der Verkehrsflächen­instand­haltung der Riss-Sanierung sowie mit fugenlosen Fahrbahnübergängen aus Kunststoff einen Namen gemacht. Das sogenannte SILENT-JOINT-System wurde immer weiterentwickelt und gilt heute sogar in diversen Ländern Europas und Japan als revolutionäre Erfindung. «Dieses Kunststoffsystem ermöglicht Fahrbahn­über­gänge oder horizontale Gebäudedilatationen, die beim Überrollen des Verkehrs wenig Lärm errzeugen, hundertprozentig dicht sind und Punktlasten ertragen», erklärt Ueli Haldemann, Geschäftsführer der RSAG und Leiter Entwicklung und Technik. Die fugenlosen Fahrbahnübergänge werden auf Gemeinde- und Kantons- und Staatsstrassen eingebaut. Gegenüber Stahlfahrtbahnübergängen sind sie einfacher im Unterhalt, geräuschärmer und haben eine kürzere Einbauzeit. Das KMU hat dank solcher kundenspezifischer und technisch überzeugender Lösungen zur funktionalen Verbesserung von Verkehrsflächen die Nase vorne. «Unsere Produkte sind alle BAM Berlin und EMPA Dübendorf geprüft. Zudem verfügen wir über technische Bewertungen, die in EU-Ländern Plicht sind», so Haldemann.

«Wir müssen flexibel sein. Es wird erwartet, dass wir innert kürzester Zeit unsere Arbeit erledigen.»

Qualität, Flexibilität und Innovation gehören zu den drei Hauptpfeilern der Firmenphilosophie des Unternehmens. «Eine hohe Produkte- und Ausführungs­qualität ist für uns zentral. Dazu schicken wir unsere Mitarbeitenden immer wieder in die Schulung. Wir arbeiten mit einer einwandfreien Infrastruktur und modernsten Maschinen», erklärt Haldemann. Auch die unterdurchschnittlichen Unfallraten im Branchenvergleich sprechen für einen hohen Qualitätsstandard. Ebenso hat der Umweltschutz einen hohen Stellenwert: «Wir verwenden, wenn immer möglich, umweltfreundliche Produkte mit hoher Lebensdauer. Unsere Fahrzeuge haben einen niedrigen Treibstoffverbrauch. Wir versuchen, Staub- und Lärmemissionen zu vermeiden und achten auf eine umweltschonende Entsorgung», sagt Haldemann. Zu den Kernkompetenzen des Unternehmens gehören auch hohe Flexibilität und Verfügbarkeit. «Durch die Verkehrszunahme hat die Belastung der Strassen und der In­frastruktur stark gelitten. Die Unterhalts- und Sanierungszyklen sind zum Teil kürzer geworden, und Arbeiten können oft nur nachts durchgeführt werden», erklärt Haldemann und ergänzt: «Wir müssen sehr flexibel sein, der Druck von Seiten der Auftraggeber ist gross, und es wird erwartet, dass wir innert kürzester Zeit unsere Arbeit erledigen. Vor allem bei stark befahrenen Strassen, auf Autobahnen und Hochleistungsstrassen wird nachts gearbeitet. Das bedingt eine gute Organisation von Arbeitern und Infrastruktur.»

Weniger unnötige Regulierungen

Innovation ist eine treibende Kraft für die RSAG. Das KMU generiert seine Innovationskraft durch ständigen Kontakt und Austausch mit den Kunden. «Wir bekommen aber auch Ideen und Anregungen von unseren internationalen Netzwerken und 
Lizenznehmern», so Haldemann. Die Bedürfnisse der Kunden werden immer anspruchsvoller, «deshalb dürfen wir nicht stehen bleiben und müssen uns immer weiterentwickeln.»

Nebst der zunehmenden Nachtarbeit und der Sicherheit der Mitarbeitenden gehört auch die Digitalisierung zu den grossen Herausforderungen des KMU, das je nach Saison bis zu 100 Personen beschäftigt. «Wir stehen mit der Digitalisierung noch am Anfang. Zurzeit werden Planungstools, Internet und mobile Kommunikation standardmässig eingesetzt», weiss Haldemann. Potenzial gäbe es im Bereich der digitalen Überwachung des Strassen- und Infrastrukturzustandes. Für die Zukunft wünscht sich Haldemann weniger Regulierungen wie auch mehr Anerkennung für die Qualitätsarbeit seiner Frima. «Es ist notwendig, dass Gesetze, unnötige Vorschriften und die Bürokratie allgemein verringert werden. Leider werden uns immer wieder Knüppel zwischen die Beine geworfen und unsere Arbeit massiv erschwert», ärgert sich Haldemann (vgl. Kasten «Flexibleres Arbeitsgesetz»).

Corinne Remund

Flexibleres Arbeitsgesetz

«Ohne Jahresarbeitszeit geht es nicht»

Die Anforderungen in der Baubranche haben sich in den letzten Jahren massiv geändert. Die Belastung der Strassen ist aufgrund einer massiven Verkehrs­zunahme gestiegen. Strassen und Infrastruktur müssen in immer kürzeren Abständen saniert und nach einer Reparatur möglichst schnell dem Verkehr freigegeben werden: «Wir müssen uns nach den Bedingungen der Auftraggeber richten und arbeiten deshalb zunehmend nachts. Ebenso wird hauptsächlich im Frühling, Sommer und Herbst gebaut», betont Ueli Haldemann, Geschäfts­führer der RSAG. Diese Bedürfnisse kollidieren aber immer mehr mit den arbeitsrechtlichen Vorschriften bezüglich Arbeitszeiterfassung sowie Pausen- und Ruheregelung. «Im Januar und Februar haben wir weniger Arbeit, dann sollen unsere Mitarbeitenden die Überzeiten der Frühlings- und Sommer­monate kompensieren können. Dafür muss aber ein praxistaugliches Jahresarbeits­zeit­modell eingeführt werden», sagt Haldemann. Das heutige Arbeitsgesetz sei über 50 Jahre alt und entspreche nicht mehr den heutigen Bedürfnissen und Arbeitsgegebenheiten. «Das Arbeitsgesetz muss angepasst werden wie dies auch der Schweizerische Gewerbeverband sgv fordert. Gerade für unsere Branche braucht es eine flexible Regelung der Arbeitszeit», so Haldemann. Und er konkretisiert: «Wir wollen keine 50- Stunden-Wochen.» Auch Ruhepausen wie die Znüni- und Mittagspausen sollen eingehalten werden. «Aber wir brauchen mehr Flexibilität, die uns erlaubt, dann zu arbeiten, wenn wir viel Arbeit haben.» Dies sei auch ganz im Sinne der Mitarbeitenden.

 

Regionale Arbeitsplätze 
gehen verloren

Haldemann hat auch Mühe mit den zusätzlichen Einschränkungen, die der Landesmantelvertrag LMV betreffend Arbeitszeit mit sich bringt. Der LMV wird nächstes Jahr erneuert und muss unbedingt den heutigen Bedürfnissen angepasst werden: «Auch hier muss die Reglung der Arbeitszeiten gelockert werden.» Haldemann kann ohne flexibles Jahresarbeitszeitmodell sein bewährtes und eingespieltes Team kaum mehr beschäftigen. «Dann muss ich mit Saisonniers arbeiten. Damit wird die Arbeitsqualität in Frage gestellt. Dies ist aber volkswirtschaftlich sicher nicht klug», so Haldemann. Zudem sei die RSAG für die Leute im Emmental ein wichtiger Arbeitgeber. «Hier zählt jeder Arbeitsplatz. Eine Streichung hat grosse Auswirkungen auf die gesamte Region.» CR