Publiziert am: 23.05.2014

Gastrokultur 
in Bedrängnis «Weniger ausser Haus getrunken», 
sgz vom 9. Mai.

ECHO DER WOCHE

Das wirtschaftliche Umfeld sowie die gesellschaftliche Entwicklung machen es der klassischen Gastronomie und der Hotellerie nicht eben leicht. Kommt hinzu, dass die Durchschlagskraft wirtschaftspolitischer Lobbyarbeit der Branchenverbände teilweise nicht greift. Die ungerechtfertigten Patentabgaben, der einschränkende Landesgesamtarbeitsvertrag und der stete Ausbau neuer Forderungen, die schwerwiegende MWSt-Ungleichheit wie auch die ungleichlangen Spiesse bei Bauauflagen und Bewilligungsverfahren führen zur unhaltbaren Übervorteilung von Vereins- und Besenbeizerei sowie Fastfood und Takeaway-Betrieben. Im Kanton Luzern wurden 2013 insgesamt 1694 Betriebsbewilligungen erteilt. Davon für 818 Restaurants, 318 Hotels, 216 Take Aways und sage und schreibe 342 Vereinslokale. Womit in jeder Gemeinde dieses Kantons durchschnittlich vier Bewilligungen für Vereinslokale bestehen.

Der Staat hat die beruflichen Ansprüche an die Legitimation zur Führung eines Gastrobetriebes fortwährend minimalisiert. Derweil wurden die Lebensmittelkontrollen und das Bussen- und Abgaberegime ausgebaut. Diese Umstände sowie die ausgeprägten Veränderungen durch die importierte Gesellschafts- und Esskultur, generieren eine augenfällige Anzahl von Betrieben, die durch ihre Existenz in mancher Hinsicht zur Verslumung der Gastroszene und somit zur Verrohung der Esskultur führen. Da diese Evolution vor allem die Einnahmen an Patentgebühren und Abgaben fördert, scheint dies den Staat und die Politiker unter der Prämisse der Liberalisierung nicht zu stören.

Mitunter haben die Aufhebung der Bedürfnisklausel, strengere Tabakregime, Begleiterscheinungen von Via sicura, aber auch die Beschränkung auf Glücksspielautomaten in Res­taurants zur existenzgefährdenden Ertragsverminderung geführt. Unter der Last all dieser beschneidenden Umstände erfordert es heutzutage tatsächlich einen schier unbegrenzten Einsatz, um ein Restaurant oder ein Hotel betriebswirtschaftlich am Leben zu erhalten und derweil noch Köche sowie qualifizierte Hotel- und Restaurationsfachkräfte auszubilden. Wenn die Fastfood-Betriebe, die Take-away-Buden, die uneingeschränkte Abgabe von subventionierter Betriebsverpflegung durch Staatskantinen und Unternehmen sowie die Billigheimerei für Gastroangebote der Grossverteiler weiterhin expandieren, wird es wohl nicht nur den Restaurants auf dem Lande, sondern auch jenen in Städten und Agglomerationen ans Eingemachte gehen. Gastro- und Hotelunternehmer, deren Wirtschaftsverbände, aber auch Behörden und die Politiker sind gleichermassen gefordert, die Rahmenbedingungen wieder ins Lot zu bringen.

Max Buholzer, Meggen LU