Publiziert am: 23.10.2020

Gegen Maskenpflicht für «Kleine»

CORONA-KRISE – Die Maskenpflicht im KMU-Detailhandel ist unverhältnismässig und schadet der Wirtschaft mehr, als sie der Gesellschaft nutzt – die Folgen sind Umsatzeinbussen und der Verlust von Arbeitsplätzen. Deshalb fordern der sgv wie auch kantonale Gewerbeverbände, dass der Bund hier angemessen agiert.

Die Corona-Massnahmen wurden am vergangenen Montag wieder stärker angezogen (vgl. Seite 1). So hat der Bundesrat unter anderem eine schweizweit einheitliche Maskenpflicht eingeführt: In öffentlich zugänglichen Innenräumen muss neu eine Maske getragen werden – zuvor hatten dies ab August schon zahlreiche Kantone verfügt. Die Maskenpflicht gilt unter anderem auch in Geschäften, Einkaufszentren, Gastrobetrieben, Hotels und Bars.

Doch für die meisten Gewerbebetriebe sind diese Massnahmen geschäftsschädigend, findet Hans-Ulrich Bigler, Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbandes sgv: «Ihre Umsätze drohen wegzubrechen.» Der sgv fordert daher, dass im Umgang mit der Pandemie verhältnismässig gehandelt wird – gerade was die schweizweite Maskenpflicht betrifft.

Der sgv setzt sich gegen eine Maskenpflicht in kleinen Läden und Restaurants ein. «Dort können der geforderte Abstand sowie ein entsprechendes Schutz- und Hygienekonzept problemlos eingehalten werden», betont Bigler und doppelt nach: «Die Ansteckungen passieren nicht in den Läden.»

80 Prozent erleidenUmsatzeinbussen

Dass die Maskenpflicht gerade in kleineren Geschäften unnötig ist und wirtschaftlich mehr schadet, als sie der Gesellschaft nützt, veranschaulicht die Situation im Kanton Solothurn. Der Kanton verhängte bereits am 3. September eine Maskenpflicht in Einkaufszentren und Läden. Rund einen Monat später führte der Kantonal-Solothurnische Gewerbeverband eine Umfrage zur Maskenpflicht bei seinen Mitgliedern durch. Dabei nahmen 262 Geschäfte mit einem öffentlich zugänglichen Verkaufsraum teil. Das Resultat ist glasklar: Rund 80 Prozent der befragten Detaillisten verzeichnen seit Einführung der Maskenpflicht einen Umsatzverlust.

Betroffen davon sind sämtliche KMU-Detaillisten, von der Stadt-Chäsi, dem Metzger, der Bäckerei und dem Bio-Laden über Kleider- und Schuhläden bis hin zum Goldschmied, der Accessoire-Boutique, dem Lederwarengeschäft und der Drogerie. «Bei jedem dritten Geschäft beträgt der Rückgang 20 oder mehr Prozent. Besonders betroffen ist der Non-Food-Bereich», stellt Andreas Gasche, Geschäftsführer des KGV Solothurn, fest. Zwei Drittel der befragten Geschäfte müssten deshalb den Einsatz ihrer Mitarbeitenden reduzieren oder teilweise sogar Arbeitsplätze streichen. Dazu Gasche: «Es kann nicht sein, dass eine unverhältnismässige staatliche Massnahme die Existenz unserer KMU bedroht und so Arbeitsplätze wegrationalisiert.»

Für den KGV Solothurn und seine Mitglieder ist deshalb offensichtlich: Die kleinen Detaillisten müssen von der Maskenpflicht wieder ausgenommen werden – denn sie ist geschäftsschädigend. Zahlreiche Detailhandelsgeschäfte der Stadt Solothurn forderten dies Anfang Oktober in einem offenen Brief an die Stadtoberen.

Weniger Kunden in Zürcher Läden

Bereits im August hat der Zürcher Regierungsrat eine generelle Maskenpflicht in sämtlichen Einkaufsläden, Shoppingcenter und Märkten im Kanton beschlossen. Dies mit der Folge, dass auch die Zürcher KMU Einbussen und tiefere Kundenfrequenzen zu beklagen haben.

Der KMU- und Gewerbeverband Zürich KGV erhielt von vielen KMU-Detaillisten solche Rückmeldungen. Auch er appellierte – noch vor den bundesrätlichen Massnahmen vom Wochenende – an den Regierungsrat, KMU-Detaillisten von einer generellen Maskenpflicht auszunehmen. Dies notabene mit einer hieb- und stichfesten Begründung: Gemäss den Statistiken des Kantons Zürich über die Ansteckungsherde von Covid-19 steht der Detailhandel ganz am Schluss.

Corinne Remund

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