Publiziert am: 07.02.2020

Gemütliches Skigebiet für Geniesser

NIEDERHORN – Für Sonnenanbeter und jene, die dem Dichtestress ausweichen möchten, ist das Niederhorn oberhalb des Thunersees mit seinen nach Süden geneigten Hängen der ideale Berg. Und zwar zu allen Jahreszeiten, ganz besonders auch im Winter.

Der breite Rücken des Niederhorns mit seinem markanten, 89 Meter hohen Sendeturm erhebt sich sanft oberhalb des Thunersees und des lang gezogenen Ferienortes Beatenberg. Vom westlichen Ende des Dorfes fährt seit 1946 eine Bahn in zwei Sektionen zum Gipfel. 1997 wurde der Zweiersessellift durch eine moderne 3-Seil-Gruppenumlaufbahn ersetzt, die erste und bisher einzige Bergbahn dieser Art in der Schweiz. Man kann aber auch direkt vom Thunersee auf das Niederhorn fahren, indem man sozusagen als Einstimmung die gläserne Panorama-Standseilbahn vom Seeufer bis Beatenberg benutzt. Dieses unterste Teilstück ist bereits seit 1889 in Betrieb.

Vielfältige Aktivitäten am Berg

Die Bequemen und Geniesser werden sich mit der Bahnfahrt begnügen und dem Bergrestaurant bzw. der grossen Sonnenterrasse einen Besuch abstatten. In nur fünf Minuten geht es dann gemütlich auf den höchsten Punkt, um die grossartige Aussicht zu geniessen. Das Panorama reicht an klaren Tagen vom Blick ins Justiztal hinunter, bekannt für seine Käseteilet im September, bis zum Jura und über das Aaretal zur Niesenkette, zur Blümlisalp und zu den schneebedeckten Berner-Oberland-Riesen mit dem Dreigestirn Eiger, Mönch und Jungfrau. Die etwas Sportlicheren wandern in einer gemütlichen Stunde vom Gipfel bis zur Mittelstation Hohsass hinunter. Die ganz Sportlichen – und dazu zählt sich der Autor – werden die Bergbahn jedoch nur selektiv benutzen.

Überschaubares Familienskigebiet

Im Winter gilt das Niederhorn als ein überschaubares kleines Familienskigebiet mit Gondelbahn und Skilift, wo sich der Ansturm selbst an Wochenenden in Grenzen hält. Hier geht alles noch etwas langsamer und gemütlicher zu und her als in den grossen und bekannten Skiorten, die sonnigen Hänge sind wenig steil und auch für Anfänger ­geeignet. Daneben locken aus­gedehnte Winterwanderwege, ein Schlittelweg und Schneeschuhtrails. Besonders reizvoll und empfehlenswert ist auch ein stressloser Aufstieg mit den Tourenski, die ganze Lawinenausrüstung kann man getrost zu Hause lassen. Als Training steige ich manchmal zweimal von der Mittelstation zum Gipfel, bei guten Verhältnissen locken die breiten Hänge, sonst die Piste.

Einziger Wermutstropfen: Angesichts der sonnenexponierten Lage hat es vielfach im unteren oder sogar oberen Teil zu wenig oder gar keinen Schnee, sodass die Pisten gesperrt sind. Kein Problem, dann ist eben Winterwandern angesagt, mit Einkehr im schönen Bergrestaurant Hohsass. Oder sportlicher: Trailrunning von Beatenberg bis zum Gipfel in eineinhalb Stunden und Rückfahrt mit der Bahn.

Beliebtes Wandergebiet von Frühling bis Herbst

Im Spätfrühling, Sommer und Herbst ist das Niederhorn ein beliebtes Wandergebiet mit diversen Aufstiegsmöglichkeiten von Beatenberg. Besonders attraktiv sind die teilweise ausgedehnten Gratwanderungen. Am bekanntesten und ein eigentlicher Klassiker ist der Güggisgrat von Habkern auf das 2061 m hohe Gemmenalphorn, den Burgfeldstand (2061 m) und dann das Niederhorn. Es handelt sich um eine relativ einfache Wanderung mit grandioser Aussicht in die Berner Alpen, allerdings sind stolze 1310 Höhenmeter im Aufstieg zu bewältigen. Für die ganze Tour ist mit etwa fünf Stunden zu rechnen. An schönen Tagen an Wochenenden herrscht allerdings Dichtestress, vor allem im letzten Teil zwischen Burgfeldstand und Niederhorn. Oftmals kann man auch Gämsen und Steinböcke beobachten.

Ruedi Horber

www.niederhorn.ch

Zahlen & Fakten

Gipfelhöhe: 1950 m ü. M.

Start Beatenbucht: 560 m ü. M

Beatenberg: 1121 m ü. M.

Mittelstation Vorsass:

1581 m ü. M.

Bergstation Niederhorn:

1934 m ü. M.

Höhendifferenz: 1374 m

Distanz: 4175 m

Fahrdauer: 30 Min.

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