Publiziert am: 05.03.2021

Gemeinsam die Früchte ernten

PARTNERSCHAFt – Produktion und Handel ziehen am selben Strick: Ein Grund, weshalb die Branche so innovativ unterwegs ist – entgegen den Fehleinschätzungen des Schweizer Bauernverbandes SBV.

In der Schweizer Früchte- und Gemüsebranche weht seit Jahrzehnten ein grosser Innovationsgeist. So ist swisscofel Pionierin für diverse nachhaltige Standards und Labels und auch aktive Wegbeleiterin der Bio-Branche. Die Schweizer Früchte- und Gemüseproduzenten waren vor mehr als 25 Jahren die Erfinder der integrierten Produktion und haben schon sehr früh auf umweltschonende Anbaumethoden gesetzt. «Es ist darum unfair, sie heute als ‹Umweltsünder der Nation› anzuprangern», wehrt sich Martin Farner, ­Präsident swisscofel. Ein grosser Fortschritt war auch die Einführung des SwissGAP-Standards, mit dem die gesamte Wertschöpfungskette zusammen eine «gute Agrar- und Handelspraxis» definiert hat. Weltweit einmalig ist bei SwissGAP, dass der Handel die Durchführung und die Laborkosten für die Rückstandskontrollen auf sich nimmt.

Zu Recht haben die Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten grosses Vertrauen in die Produkte der Branche. Doch die Herausforderungen und die gesellschaftlichen Erwartungen in den Bereichen Pflanzen- und Klimaschutz sind enorm. «Wir dürfen nicht stehenbleiben. Denn jeder und jede hat ein Interesse, dass der Anbau, die Verarbeitung, der Handel und auch der Konsum in Zukunft noch nachhaltiger werden», betont Farner. Damit ist die Branche am Puls der Zeit. «Es besteht eine grosse Dynamik in der Branche.» Kritische Pflanzenschutzmittel wurden – auch im konventionellen Anbau – bereits zur Hälfte durch biologische ersetzt. Flugtransporte konnten dank neuer Container-Technologien zu grossen Teilen auf Schiffe verlagert werden.

«wir legen Qualitätsstandards gemeinsam fest.»

Wegwerfgebinde wurden durch zusammenklappbare Mehrwegkisten mit geschlossenen Kreisläufen ersetzt. «Die Beheizung von Gewächshäusern wird in zehn Jahren ohne fossile Brennstoffe erfolgen, LKW auf Kurz- und Mittelstrecken werden mit Elektro- oder Wasserstoffmotoren unterwegs sein, für längere ­Strecken kommt für Paletten Cargo-Sous-Terrain, Einwegverpackungen werden durch Mehrweg-Lösungen ersetzt und synthetische Verpackungen durch recyclebare oder biologisch abbaubare», prognostiziert Farner. Unkräuter werden durch Roboter mit Elektroimpulsen gejätet, UV-Lichtquellen werden die Pflanzen vor Pilzbefall schützen, Verticalfarming-Anlagen bringen die Gemüseproduktion mitten in die Konsumzentren und Hofdünger werden so weiterverarbeitet, dass sie keine ­unerwünschten Immissionen mehr verursachen.

Fehleinschätzung des SBV

Aufgrund dieser Tatsachen ist die Sichtweise des Schweizer Bauernverbandes (SBV) völlig unbegreiflich. Er prügelt medial regelmässig auf den Handel ein. In seiner letzten Neujahrs-Pressekonferenz schoss er einmal mehr explizit gegen den Früchte- und Gemüsehandel und geisselte seine Anforderungen gegenüber den Produzenten als «gnadenlos». «Das ist nicht zutreffend», stellt der swisscofel-Präsident klar. Er hat deshalb diese massiven Fehleinschätzungen des SBV in einem offenen Brief widerlegt: «Entgegen den Aussagen des SBV legen wir in unserer Branche zum Beispiel die Qualitätsstandards gemeinsam fest. Zur Vermeidung von Foodwaste haben wir zusammen mit der FIAL einen Leitfaden für Lebensmittel-Spenden erarbeitet und die meisten unverkauften Produkte werden gemeinnützigen Organisationen angeboten.» Und weiter hält er fest, dass die Schweizer Früchte-, Beeren-, Gemüse- und Kartoffelproduzenten ihre Marktanteile seit Jahren nicht nur halten, sondern ausdehnen konnten. Unfair sei deshalb der Versuch des SBV, zwischen Produzenten und Handel einen Keil zu treiben. «All diese innovativen Schritte und Investitionen gelingen nur, wenn Produktion und Handel an einem Strick ziehen», betont ­Farner. CR

DAS MACHT SWISSCOFEL

Schnittstelle zwischen Handel und Produzenten

Swisscofel, der Verband des Schweizer Früchte-, Gemüse- und Kartoffelhandels, wurde Ende 1999 durch 46 Handelsunternehmen gegründet. Heute zählt der Verband 170 Mitgliedfirmen, die ­zusammen rund 85 Prozent des gesamten Früchte- und Gemüsehandels in der Schweiz abdecken. Mitglieder sind gewerbliche Handels- und Verarbeitungsfirmen, Grosshändler, Importeure, Detailhandelsunternehmen, landwirtschaftliche Genossenschaften. Zunehmend stossen auch landwirtschaftliche Produzenten dazu, die den Verkauf ihrer Produkte in die eigenen Hände genommen haben. Als eine der Hauptaufgaben setzt sich der Verband für gute Rahmenbedingungen für seine Mitglieder ein. Dazu gehören auch wichtige Informationen zur aktuellen Ernte-, Markt-, Vorrats- und Preissituation sowie die Vermittlung von Know-how.

Im Zentrum steht weiter die Importregelung. Dabei nimmt der Verband eine wichtige Rolle als Schnittstelle zwischen dem Detail- und Grosshandel, den Importeuren und Produzenten und den Behörden ein. Dies beinhaltet die Regulierung bei einer Unterversorgung des Marktes – oftmals eine Herausforderung. Der Verband behandelt jährlich rund 900 Importanträge. Wobei die Branche in 99,9 Prozent der Fälle einstimmige Importanträge an die Behörden einreichen kann. Swisscofel bietet auch ein breites Aus- und Weiterbildungsprogramm an – vermehrt auch digital. Die swisscofel-Mitglieder generieren mit Früchten, Gemüse, Kartoffeln und Convenience einen jährlichen Umsatz von 5 Milliarden Franken. Etwa die Hälfte der Produkte werden importiert.

CR

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