Publiziert am: 22.03.2019

Geprägte Freiheit

BARGELD – Die «bargeldlose Gesellschaft» soll mehr Konsum und bessere Überwachung der Bürger gewährleisten. Doch in der Schweiz ist Bargeld Trumpf.

Die Schweizerische Nationalbank SNB lancierte kürzlich den neuen 1000er-Schein. In verschiedenen Zeitungen und Online-Medien stellten Redaktionen diese Note in erster Linie als Mittel für die Geldwäscherei dar. Doch in den Kommentarfeldern und Interviews wurde eine ganz andere Sprache gesprochen: «Bargeld ist gut – auch der neue 1000er», so der Tenor.

Das darf nicht verwundern. Zahlungen mit Bargeld sind in der Schweiz etwa so beliebt wie Zahlungen über Debitkarten. Sie machen 36 respektive 37 Prozent aller Zahlungen aus. Demgegenüber stehen Kreditkarten mit 23 und neue Bezahlmöglichkeiten – etwa kontaktloses Zahlen– mit 4 Prozent. Logischerweise unterliegt das Bezahlverhalten einem Wandel. Doch man bedenke: Seit den 1980ern sind Debit- und Kreditkarten im Umlauf; Bargeld ist und bleibt beliebt.

Wofür wird Bargeld verwendet?

Nutzerzahlen zeigen: Bargeld wird vor allem für kleine Zahlungsbeträge, also bis etwa 20 Franken, gebraucht. Bei Zahlungen bis 5 Franken erfolgen schätzungsweise 90 Prozent der Transaktionen bar; bei solchen zwischen 5 und 20 sind es noch gute 60 Prozent. Aber auch bei Zahlungen über 15 000 Franken ist Bargeld beliebt. Der Anteil an Bargeldzahlungen liegt hier bei geschätzten 40 Prozent.

Die Gründe: Bei kleinen Zahlungen ist Bargeld einfacher zu handhaben als Karten – mit ihren Terminaldialogen und Pin-Eingaben. Bargeld ist hier auch für Händler günstiger. Grosse Zahlungen sprengen wiederum die meisten Limiten bei Kredit- und Debitkarten. Auch die Banküberweisung ist mit Bürokratie und hohen Gebühren verbunden.

Welche Noten sind im Umlauf ...

Der Umlauf von Noten ist in der Schweiz in den letzten Jahren sogar gestiegen. Ende Juni 2018 beispielsweise lag er bei etwa 79 Milliarden Franken. Im Jahr 2013 waren es noch 60 Milliarden gewesen. Gemäss SNB war die 100er-Note am häufigsten im Umlauf. Ihr Anteil an der gesamten Stückzahl liegt bei etwa 27 Prozent; die 200er bei etwa 12 Prozent.

Und die 1000er-Note? Ihr Anteil ist bei etwa 5 Prozent eher tief. Doch von allen 1000ern, welche die SNB in Umlauf setzt, kommen 40 Prozent zurück. Das bedeutet, die 1000-Franken-Note wird etwa im gleichen Umfang wie 50er, 100er und 200er als Zahlungsmittel benützt. Anders gesagt: Die Leute horten den 1000er nicht, sie setzen ihn ein.

... für welchen Einsatz?

Gemäss einer Umfrage der SNB werden hauptsächlich Autos, Elektrogeräte oder Einrichtungsgegenstände und Möbel mit grossen Noten gekauft. Doch was ist mit Geldwäscherei, Drogenhandel, Schmiergeldzahlungen oder Steuerbetrug? Immerhin wird kolportiert, der 1000er werde vor allem dafür gebraucht.

Die SNB weist darauf hin, dass Bargeld für den international ausgerichteten Schweizer Finanzplatz nicht das grösste Risiko darstelle. Schliesslich betrafen in den letzten zehn ­Jahren nur 6 Prozent der Verdachtsmeldungen bei der Geldwäscherei-Meldestelle Bargeldgeschäfte.

Bargeld bleibt also in der Schweiz im Einsatz. Es ist beliebt, weil es einfach und klar ist. Bargeld ist «geprägte Freiheit».

Henrique Schneider, Stv. Direktor sgv

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