Publiziert am: Freitag, 19. Mai 2017

Geschäftsmodelle müssen innovativ sein

SWITZERLAND GLOBAL ENTERPRISE – Hoher Wettbewerbsdruck und der starke Franken bereiten den Schweizer KMU-­Exporteuren Sorgen. Die erfolgreiche Internationalisierung sei deshalb vor allem eine Frage der Innovationskraft, sagt eine Studie der S-GE.

Unternehmen wie Uber sorgen für Schlagzeilen. Dies vor allem dank innovativer Geschäftsmodelle. Auf Basis der Digitalisierung und damit verbunden modernster Technologie werden Ideen vorangetrieben, die ganze Branchenstrukturen aufbrechen. Und das international. Globalisierung und demografischer Wandel lassen grüssen, die Megatrends beeinflussen die Wirtschaft. Wie stark, ist von Branche zu Branche unterschiedlich. Schweizer KMU sind aber sehr aktiv, um die Veränderungen auf dem Exportmarkt mitzugestalten und nicht nur darauf zu reagieren.

Wie eine Umfrage von Switzerland Global Enterprise (S-GE) bei 155 Schweizer KMU-Exporteuren zeigt, sind 85 Prozent der Befragten der Meinung, ein durchdachtes Geschäftsmodell sei die Grundlage für internationales Wachstum. Und ganze 70 Prozent arbeiten bereits heute daran, das eigene Geschäftsmodell zu verändern. Was können sie tun, um international wettbewerbsfähig zu bleiben? Weil vielerorts Effizienzsteigerungen praktisch ausgereizt sind, fehlt für Produktinnovationen oft die Marge. Schweizer KMU 
müssen deshalb in Zukunft über einzelne Produkte und Prozesse hinausdenken und das gesamte Geschäftsmodell ins Visier nehmen, hinter­fragen oder auch ganz auf den Kopf stellen.

«Schweizer KMU 
zeigen einen Einfallsreichtum, der weltweit seinesgleichen sucht.»

Im Zentrum steht der Kunde mit seinen Bedürfnissen. Mit einem intelligenten Konzept gelingt es, sich von der Konkurrenz abzuheben und zusätzliche Einnahmequellen zu erschliessen. Es braucht dazu vor allem Kreativität und Querdenken. Die Studie von S-GE hat untersucht, wie eine solche Geschäftsmodell-Innovation konkret aussehen kann und wie ein KMU ein solches Projekt angehen kann.

Hoher Druck in Nachbarländern

Aus der Umfrage geht hervor, dass der Druck auf KMU in allen relevanten Märkten zunimmt. Den mit Abstand stärksten Wettbewerbsdruck spüren die Exporteure in Deutschland. Fast 80 Prozent der Befragten gaben an, hier einen höheren Wettbewerbsdruck wahrzunehmen. Auch Frankreich, Italien und Österreich sind weit oben anzutreffen. Dem Druck steht die Innovationskraft der KMU gegenüber. «Schweizer KMU halten die Innovation hoch und zeigen einen Einfallsreichtum, der weltweit seinesgleichen sucht», sagt Tamara Carleton, CEO des Innovation Leadership Board LLC. So sind zwar 80 Prozent der Befragten der Ansicht, dass ihr Geschäftsmodell bereits in fünf bis zehn Jahren nicht mehr funktionieren werde. Aber auch 70 Prozent sind bereits daran, ihr Geschäftsmodell weiterzuentwickeln oder gar neu zu kreieren.

«Bei Innovation geht es letztlich darum, für Kunden Mehrwerte zu schaffen.»

Am häufigsten geschieht dies mit Produkte- und Serviceinnovationen, also Dienstleistungen nahe am Kunden. Laut Tamara Carleton ein sehr wichtiger Aspekt: «Bei Innovation geht es letztlich darum, für Kunden Mehrwerte zu schaffen.» Eher selten wird die Zusammenarbeit mit Konkurrenten oder Firmen aus anderen Branchen gesucht, obwohl dies eine wesentliche Inspirationsquelle darstellen könne, wie etwa die Firmengeschichten von Elite Beds SA oder der Berlinger AG zeigen (vgl. Nebenartikel).

S-GE/uhl

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RATSCHLÄGE FÜR KMU

Geschäftsmodell-Innovation und Internationalisierung

Fokussieren Sie Ihr Geschäftsmodell auf den erweiterten Kundennutzen, auf bestehende Bedürfnisse. Neue Technologien können dabei helfen, solche zu erkennen und den Nutzen zu mehren. Sie können neue Lösungswege eröffnen, sind aber kein Selbstzweck.

Erfinden Sie das Rad nicht neu: Was Sie brauchen, gibt es vielleicht schon in einer anderen Branche oder in einem anderen Zusammenhang. Lassen Sie sich inspirieren, arbeiten Sie mit Partnern, die Ihnen neue Zugänge öffnen, auch ausserhalb Ihrer Branche.

Investieren Sie in Talent und in Ihre Kultur, überdenken Sie Ihre Strukturen. Sie brauchen gute Leute, die das neue Geschäftsmodell begeistert leben – und Raum, damit neue Ideen nicht vom althergebrachten Denken erdrückt werden. Sie müssen experimentieren können. So bauen Sie Schritt für Schritt Neues auf.

Geschäftsmodell-Innovation und Internationalisierung befeuern und bedingen einander. Digitale Geschäftsmodelle lohnen sich oft ab einer gewissen Grösse, die sich erst über die Erschliessung weiterer Märkte erreichen lässt. Wer wiederum breit international tätig ist, setzt sich einem wachsenden globalen Wettbewerb aus, der seinerseits wieder Geschäftsmodell-Innovationen befeuert.

Unterschätzen Sie nicht die Verschiedenheit der Märkte und passen Sie Ihr Geschäftsmodell an.

Geschäftsmodell-Innovation ist die ultimative Optimierungsmassnahme – weil Sie damit nachhaltig neue Margen schaffen und sich international breit aufstellen können, um Konjunktur- oder Währungsschwankungen auszugleichen.

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