Publiziert am: 03.04.2020

Die Meinung

Gespräch suchen – statt verweigern

Die Corona-Krise hat die Schweiz, ja die ganze Welt, fest im Griff. Regierungen beschliessen Massnahmen, die noch vor wenigen Wochen völlig undenkbar gewesen wären. So hat auch der Schweizer Bundesrat Entscheide getroffen, welche die Wirtschaft unseres Landes – und dabei namentlich die KMU – ins Mark treffen.

Zur Erinnerung: Kleine und mittlere Unternehmen prägen das Bild der Schweizer Volkswirtschaft. 99,8 Prozent aller Unternehmen sind KMU, d. h. Firmen mit weniger als 250 Arbeitnehmenden. 88 Prozent beschäftigen gar weniger als 10 Mitarbeitende. Nicht wenige Unternehmen sind Einzelfirmen. All diese Firmen bieten zwei von drei Arbeitsplätzen in der Schweiz an. Sie bilden 80 Prozent aller Lernenden aus. Und sie sind für rund 60 Prozent der Wertschöpfung in der Schweiz verantwortlich. Bei der Frage nach dem Umgang mit der Corona-Krise geht es demnach um nichts weniger als um das Überleben dieser Firmen – um nicht zu sagen: ums Überleben der Schweiz, wie wir sie kennen.

Auf all jenen, die sich dafür einsetzen, dass die Schweiz die schwerste Krise seit dem 2. Weltkrieg so heil wie nur möglich übersteht, lastet derzeit viel Druck. Wie gehen sie damit um? Die Gewerkschaft Unia versucht, mit der Forderung nach einem nationalen Shutdown – also auch dem Herunterfahren jeglicher wirtschaftlicher Tätigkeit – zu punkten. Unter dem Deckmäntelchen der Gesundheitsfürsorge und ohne jede Gesprächsbereitschaft will sie die Betriebe an ihrer Arbeit hindern, Baustellen schliessen und sich zum Arbeitskontrolleur für alle und alles aufschwingen. Die Unia will damit ihre Position innerhalb der Gewerkschaften stärken – und würde als grösste Arbeitslosenkasse der Schweiz von einem Shutdown profitieren wie niemand sonst. Diese Haltung ist verantwortungslos, um nicht zu sagen skandalös.

Der Schweizerische Gewerbeverband sgv und seine Mitglieder, die kantonalen Gewerbeverbände und die Branchenverbände, sehen ihre Verantwortung darin, in dieser Krise einen völlig anderen Weg zu gehen: Kooperation statt Konfrontation. So sind Vertreter des sgv in ständigem, oft täglichem Kontakt mit den zuständigen Bundesratsmitgliedern, bringen die Anliegen der KMU in die zuständigen Departemente und Ämter – hauptsächlich das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco – ein und sorgen im Austausch mit den kantonalen Gewerbeverbänden (KGV) dafür, dass diese jederzeit im Bilde sind darüber, was in Bundesbern gerade diskutiert wird.

Gleichzeitig sorgt der sgv dafür, dass die gewerbliche Stimme aus den Kantonen – nicht zuletzt die entschiedene Ablehnung eines verheerenden landesweiten Shutdowns – in Bern gehört wird. Ihrerseits stellen die Vertreter der KGV sicher, dass diese Anliegen bei den jeweiligen Kantonsregierungen wahrgenommen und unterstützt werden.

Am Ende geht es darum, was nationale Organisationen in der aktuellen Lage für ihre Mitglieder, für die KMU und ihre Arbeitsplätze zu erreichen imstande sind. Dass die Unia mit ihrem Alleingang tatsächlich die Interessen ihrer Mitglieder vertritt, ist stark zu bezweifeln. Der sgv und seine Mitstreiter jedoch haben schon wesentliche Erfolge zugunsten der KMU vorzuweisen. Wir bleiben am Ball; trotz – und gerade wegen – Corona.

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