Publiziert am: Freitag, 16. Oktober 2015

Gesundheit für die neue Mittelklasse

INDONESIEN – Das Pro-Kopf-Einkommen der 250 Millionen Indonesier hat sich in den letzten zehn Jahren vervierfacht. Eines der wichtigsten Bedürfnisse der globalen Mittelschicht ist eine bessere Gesundheitsversorgung.

Die globale Mittelschicht wird sich bis 2030 auf fünf Milliarden Menschen verdoppeln. 60 Prozent davon werden in Asien leben und 60 Prozent der weltweiten Konsumausgaben werden dort getätigt werden. Diese Entwicklung ist volkswirtschaftlich und sozial bedeutender als die Industrialisierung Europas im 
19. Jahrhundert. Die Aufsteiger wünschen sich über neue Konsumgüter hinaus vor allem mehr und qualitativ höher stehende Dienstleistungen, von ihren Regierungen wie von der Privatwirtschaft. Eines der wesentlichsten Bedürfnisse ist eine bessere Gesundheitsversorgung.

Das Beispiel Indonesien

Wenn man von Asien redet, denken viele primär an Korea, Japan und China. Vielleicht auch noch an Hong-Kong und Singapur. Es gibt jedoch noch viele weitere aufstrebende Wirtschaften dort. Zum Beispiel das G-20-
Mitglied Indonesien.

Indonesien zählt 250 Millionen Einwohner, ein Pro-Kopf-Einkommen, das sich binnen der letzten zehn Jahre vervierfacht hat, keine eigene Medtech-Industrie und eine Bevölkerung, die ihre Ansprüche an die Gesundheitsdienste mit jedem Jahr höherschraubt. Experten erwarten, dass das Volumen des indonesischen Medtech-Marktes bald auf rund eine Milliarde US-Dollar anwachsen wird. 2012 betrug dieses noch 600 Millionen, 2013 bereits 750 Millionen. Im Schnitt wuchs es in den vergangenen zehn Jahren um 15 Prozent jährlich. Trotz dieser Wachstumsraten lässt sich die jetzige Marktgrösse mit dem Niveau Ungarns vergleichen, dessen Bevölkerung nur vier Prozent der indonesischen gleichkommt.

«DIE NACHFRAGE NACH TOP-GESUNDHEITSDIENSTLEISTUNGEN NIMMT STETIG ZU.»

Derzeit stammen 90 Prozent der in Indonesien registrierten Geräte von ausländischen Produzenten. Die Marktpenetration durch Schweizer Hersteller betrug 2013 jedoch nur 1,8 Prozent – hier besteht also deutliches Potenzial. Gleichzeitig geniesst «Swiss made» einen guten Ruf und Qualität, vor allem wenn es um die Gesundheit geht, wird immer mehr geschätzt.

Die Medizintechniker von Straumann aus Basel haben in Indonesien gezeigt, wie sich diese Geschäftschancen realisieren lassen. Sie arbeiten mit einem im Land breit bekannten Distributionspartner, um ihre Zahnimplantate zu vertreiben, und investieren ganz besonders in das Training ihrer Partner. So konnten sie 2013 ein Wachstum von fast 40 Prozent im Markt hinlegen. Jetzt in den Markt einzusteigen, ist der goldrichtige Zeitpunkt.

Medtech-Chancen

Zu den potenziellen Kunden in Indonesien zählen öffentliche und private Spitäler sowie PUSKESMAS (öffentliche Basisgesundheitszentren), Allgemeinmediziner, Laboratorien sowie Apotheken. Je nach Leistungsangebot differiert die Nachfrage nach Equipment bei diesen Akteuren. Interessant sind hier etwa die privaten Spitäler, die den Wettbewerb aufgenommen haben mit den Gesundheitsversorgern der umliegenden Länder, in die sich die wohlhabenden Indonesier bisher begeben haben, um komplexere Eingriffe vornehmen zu lassen – dazu müssen die indonesischen Häuser ihre Versorgungsqualität verbessern.

Die einzelnen Beschaffungsentscheidungen werden auch in Spitälern sehr häufig von den verantwortlichen Ärzten getroffen, auch für klassische Ausrüstungsprodukte wie Operationsmaterial oder Implantate. Wissensstand, Ausbildung und Markenbewusstsein beim Arzt spielen also eine überaus wichtige Rolle.

Künftige Trends

Derzeit wird nur knapp die Hälfte der stetig wachsenden Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen vom bestehenden System gedeckt. Es fehlt an qualifiziertem Personal. Eine neue allgemeine Krankenversicherung soll ab Ende 2014 aufgesetzt werden, damit 2019 alle indonesischen Bürger von ihr profitieren können. Insgesamt braucht es für den Exportmarkt Indonesien Geduld, einen guten vertrauenswürdigen lokalen Partner und einiges an Stehvermögen.

FÜNF SPEZIALITÄTEN

In der Medtech sind in Indonesien vor allem die folgenden fünf Spezialitäten gefragt:

diagnostische Bildtechnologie;

Geräte für Analyse und Behandlung von Diabetes;

Geräte für mobile und Notfall­behandlung;

Implantate und orthopädische Anwendungen;

Beatmungstechnologie.