Publiziert am: Freitag, 14. August 2015

Gewicht bedeutet Risiko

Axa – Rund 50 Prozent mehr Unfälle als bei Personenwagen entfallen auf Transporter 
bis 3,5 Tonnen Gesamtgewicht. Dies zeigen Crashtests der Versicherung AXA Winterthur.

Viel häufiger als für Personenwagen müssen durch die Versicherungen Schäden bei Lieferwagen berappt werden. Die Versicherung führt dies einerseits darauf zurück, dass viele Autofahrer genau so ein Fahrzeug mieten, wenn sie umziehen oder mit der ganzen Wandergruppe einen Ausflug planen. Andererseits sind viele Mitarbeiter von Gewerbebetrieben, die solche Fahrzeuge tagtäglich für ihre Arbeit benutzen, oft nicht besser geschult, haben nie eine Weiterbildung genossen und sind abends öfter übermüdet.

Die Schäden sind häufig darauf zurückzuführen, dass sich die Fahrer weder Gedanken zum wesentlich längeren Radstand noch zur Dachhöhe machen. Weil der Fahrer sozusagen über der Vorderachse sitzt, ist das Einlenkverhalten eines Transporters völlig anders. Lenkt er wie gewohnt ein, drohen Gefahren durch Verkehrsschilder oder Pfosten, denn diese streifen oft in Fahrzeugmitte, weil zu früh am Lenkrad gedreht wurde.

Gefahren lauern überall

Wenn mit dem PW problemlos in die Tiefgarage oder das Parkhaus gefahren werden kann, heisst noch lange nicht, dass dies auch mit dem Lieferwagen mit einer Dachhöhe deutlich über 
2 Meter noch möglich ist. Als weitere Gefahren gelten das wesentlich höhere Gewicht auf der einen Seite sowie die guten Fahrleistungen durch die modernen Dieselmotoren auf der anderen Seite. Der Bremsweg verlängert sich bei voller Zuladung massiv, auf nasser Strasse noch krasser.

Transporter haben eine Transportkapazität von bis zu 16 Kubikmeter und 1,2 Tonnen Zuladung. Beladen sind sie demzufolge unterwegs viel schwerer. Durch die grossen Seitenflächen sind sie überdies viel anfälliger auf Seitenwind. Kastenwagen ohne Seiten- und Heckfenster bergen weitere ­Gefahren beim Manövrieren. Dazu kommt der grosse tote Winkel. So ist bei einer von rechts im spitzen Winkel einmündenden Strasse nur mit Hilfe des Beifahrers sicherzustellen, ob der Weg frei ist. All dies gilt es zu berücksichtigen, bevor mit einem Lieferwagen oder Kleinbus gestartet wird.

Versicherer fordern Massnahmen

Mit drei Crashversuchen demonstrierte AXA Winterthur einem interessierten Publikum die Gefahren, welche lauern. Zuerst eine alltägliche Situation im Quartier: Ein Kind spielt mit einem Ball, dieser spritzt weg – zwischen parkierten Autos hindurch auf die Fahrbahn. Der Fahrer des Lieferwagens ist mit rund 50 km/h unterwegs, als das Kind unvermittelt auf die Strasse rennt. Der Unfall ist unvermeidlich und brutal. Das Kind wird trotz sofort eingeleiteter Vollbremsung von der Fahrzeugfront erfasst, zieht sich schwere Kopfverletzungen zu und fliegt mehrere Meter weit durch die Luft. Der zweite Fall ist ebenso typisch wie alltäglich. Hans-Peter hat einen Transporter mit hohem Blachengestell ausgeliehen und übersieht eine niedrige Durchfahrt. Resultat: Dach wegrasiert, Ladung auf der Strasse. Im dritten Fall übersieht ein Lieferwagenfahrer auf der Autobahn eine stehende Kolonne und prallt mit rund 70 km/h auf das hinterste Fahrzeug auf. Mehrere Totalschäden und leider auch immer wieder Personenschäden sind die Folge. Viele Unfälle wären nach Ansicht von Unfallforschern vermeidbar, wenn Vermieter verpflichtet wären, ihre Kunden gründlich über die Eigenheiten eines Transporters zu instruieren. Zudem sollte eine Weiterbildungspflicht für gewerbliche Nutzer von Kleintransportern und Lieferwagen bestehen.

Roland Hofer