Publiziert am: 02.06.2017

Gleiche Bedingungen für alle

VERBAND FREIER AUTOHANDEL SCHWEIZ – Er setzt mit einer Geschäftsleiterin ein klares Zeichen: Rahmenbedingungen sind zu verbessern. Im Vordergrund stehen Bürokratieabbau, Beseitigung von Wettbewerbsverzerrungen sowie von Importmonopolen.

Der Autohandel ist zahlreichen wechselnden Rahmenbedingungen unterstellt. «Die Konkurrenzsituation innerhalb des freien Handels und gegenüber Generalimporteuren wird immer härter», betont Roger Kunz, Präsident des Verbandes freier Autohandel Schweiz. Darunter leiden gemäss Kunz vor allem Markenhändler, die vermehrt unter den Druck der Generalimporteure geraten oder ohne Vorwarnung ihre Markenverträge verlieren. «Für den betroffenen Unternehmer stellt das selbstständige Unternehmertum und der freie Handel oft die einzige Chance zum Überleben dar. Deswegen wird auch die Bedeutung des Verbandes weiter zunehmen», so Kunz. Dem VFAS steht eine Pionierrolle beim fairen Handel zu. «Wir sind zwar ein kleiner Player, aber wir konnten diverse Marktabschottungsversuche erfolgreich abwehren», sagt Kunz. Dieses unermüdliche Engagement für den freien Handel wird auch von aussen wahrgenommen. Dementsprechend wird die Arbeit des VSFA je länger je mehr auf politischer Ebene etabliert und dort auch geschätzt. «Damit halten wir den Kunden ab, sein Auto im Ausland zu kaufen, und leisten so einen wertvollen Beitrag gegen die Hochpreisinsel Schweiz», sagt Kunz.

Gegen Regulierungen

Zu den grössten Behinderungen des freien Autohandels zählen behörd-liche und wettbewerbspolitische Hemmnisse. «Wir kämpfen gegen Benachteiligungen im Bereich der Zulassung, der CO2-Besteuerung sowie administrative Nachteile gegenüber Generalimporteuren», sagt Katrin Portmann, die neue Geschäftsleiterin des VFAS. Massiv gewerbebehindernd sei auch, dass Generalimporteure beispielsweise Garantierarbeiten ablehnten oder juristischen Druck auf KMU ausübten, um diese vom Import abzuhalten, obwohl dies gemäss den rechtlichen Wettbewerbsbedingungen klar unzulässig sei. «Die Wettbewerbskommission WEKO verbietet solche Behinderungen. Allerdings ist die rechtliche Beweisführung und Durchsetzung dieser Behinderungen durch die Generalimporteure nicht immer einfach und dies wird ausgenützt», so Kunz.

Eine Herausforderung für die Branche war der starke Franken. «Dabei wurde aufgrund der grossen Lagerbestände viel Kapital vernichtet», sagt Kunz und ergänzt: «Langfristig war es ein Vorteil für den freien Handel. Wir gaben den Preisvorteil der Frankenstärke auf dem Markt weiter und sorgten so dafür, dass die Autopreise um über 20 Prozent in der Schweiz sanken», freut sich Kunz.

Gute Qualität ist ein Muss

Eine grosse Bedeutung für die Branche hat die Qualitätssicherung. «Die freien Händler haben immer schon besonders schnell und effizient auf Bewegungen im Markt reagiert. Gute Qualität für ihre Kunden liegt dem Händler sehr am Herzen», sagt Kunz. So sind ein flächendeckendes Aftersale-Netz mit über 300 Servicepunkten sowie ein 24-Stunden-Pannendienst geschätzte Dienstleistungen. Ein wichtiges Element der Verbandsarbeit ist die Aus- und Weiterbildung. Die Mitglieder des VFSA haben sich seit jeher in der Aus- und Weiterbildung engagiert. Dazu Portmann: «Sie bilden in ihren Unternehmen Lernende aus und leisten damit einen Beitrag an die Nachwuchsförderung.» Und Kunz ergänzt: «Zudem leisten unsere Mitglieder einen gesetzlich geregelten Beitrag in den Berufsbildungsfonds AGVS.»

Ein Thema, um das auch der freie Autohandel nicht herumkommt, ist die Digitalisierung. «Die Mobilität wird sich mit der Digitalisierung weiter rasant verändern. Man denke da an Fahrassistenzsysteme, Energieeffizienz sowie teilautonomes Fahren», erklärt Portmann. Die neuen Technologien beeinflussen den Fahrzeugmarkt wie auch die Unternehmen. «Die Online-Geschäfte im Automobilgeschäft nehmen zu. Unsere Mitglieder müssen diese Chancen der neuen Technologien proaktiv nutzen», ist Kunz überzeugt.

Für die Zukunft hat sich der kämpferische Verband gleich mehrere Forderungen auf die Fahne geschrieben. Auf politischer Ebene verlangt er eine Gleichbehandlung gegenüber den 
Generalimporteuren bezüglich Zulassung, administrativen Abläufen oder Bürokratie. Dazu Kunz: «Behinderungsaktivitäten der Generalimporteure dulden wir nicht. Es braucht Behörden, welche die Gleichbehandlung für den freien Handel und die Generalimporteure durchsetzen.» Die Generalimporteure versuchten ganze Wertschöpfungsketten selber abzuschöpfen, was eine erhebliche Herausforderung an den gesamten Markt sei. «Die grossen Automobilkonzerne reissen neben dem Generalimport von Neuwagen und Ersatzteilen auch das ganze Aftersale- und Retailgeschäft und den Occasionshandel an sich und und verdrängen so die KMU aus dem Wettbewerb. Solche Oligopole sind für die Schweiz schädlich», konstatiert Kunz und ergänzt: «Es muss das Ziel von Politik und Wirtschaft sein, dass sich KMU im Aftersales, im Direktimport sowie beim Occasionshandel engagieren können. Sonst werden die ausländischen Grosskonzerne ihre Marktmacht mit ihren Generalimporteuren weiter ausbauen und die Preise werden steigen.» Die Branche verfügt noch über viel Potenzial. Dies soll mit der neuen Geschäftsführerin Katrin Portmann genutzt werden. «Wir wollen damit auch die politische Bedeutung des freien Autohandels stärken», betont Kunz. Corinne Remund

DER VFAS KURZ ERKLÄRT

Für den freien Wettbewerb

Der Verband freier Autohandel Schweiz VFAS wurde 1956 im Kanton Zürich gegründet. Damals haben sich verschiedene freie Händler wegen behördlicher Auflagen zusammengeschlossen. Ein wichtiger Grund für den Zusammenschluss war in späteren Jahren der Occasionshandel sowie der Neuwagenimport. Der Verband vertritt im Namen seiner Mitglieder die Interessen des unabhängigen und freien Autohandels in der Schweiz und setzt sich damit auch für den freien Wettbewerb überhaupt ein. Der VFAS wehrt sich gegen sämtliche Einschränkungen und Behinderungen im freien Autohandel, insbesondere bekämpft er bürokratische und administrative Hürden. Ebenso setzt der engagierte Verband Standards für eine hohe Qualität im Autohandel. Der VFAS versorgt seine Mitglieder mit wichtigen Informationen rund um den freien Autohandel, ist Anlaufstelle bei Fragen und Anliegen, fördert den Dialog der Händler im B2B-Geschäft und vertritt deren Interessen gegenüber Behörden und Öffentlichkeit. Die Aus- und Weiterbildung seiner Mitglieder ist ihm ebenso ein wichtiges Anliegen.

Wesentlicher Beitrag 
zur Wertschöpfung

Der Verband zählt 130 Mitglieder. Dies sind Unternehmer in der Automobilbranche, Direkt- und Parallelimporteure sowie markenfreie Händler und Occasionshändler. Zunehmend treten auch Markenhändler dem VFAS bei. Allerdings müssen die Mitglieder qualitative Kriterien erfüllen, um aufgenommen zu werden. Die Mitglieder leisten mit einem Anteil von sieben Prozent (21 000 Neuwagen und 40 000 Occasionen) am Gesamtmarkt der Fahrzeugeinlösungen einen wesentlichen Beitrag zur Branchenwertschöpfung. Die VFAS-Mitglieder erbringen pro Jahr für den volkswirtschaftlichen Nutzen 1,5 Millionen Franken Eigenleistung.

CR