Publiziert am: 04.06.2021

MEIN STANDPUNKT

Grüne Branche ruinieren ist keine Lösung

Sie können Schweizer Bio-Obst und -Gemüse kaufen oder einen Naturgarten bei Ihrem Landschaftsgärtner bestellen. Diese Fortschritte wären noch vor wenigen Jahren unmöglich gewesen. Es ist der Beharrlichkeit profes­sioneller Gärtner und der Innovation zu verdanken, dass solche Kunststücke heute möglich sind.

Die Produzenten lieben die Natur und respektieren ihre Kunden: Das ist die Hauptantriebskraft für die Fortschritte, dank derer der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in den letzten zehn Jahren um 40 Prozent reduziert werden konnte! Warum also nicht im Namen des Vorsorgeprinzips den synthetischen Produkten ein Ende setzen und sie ein für alle Mal abschaffen? Warum sind die Berufsverbände, die die bodengebundenen Berufe vertreten, und sogar der Dachverband der Biobauern gegen die Agrar-Initiativen, über die am 13. Juni abgestimmt wird?

Auch heute noch können trotz der Entwicklung hoch­innovativer Methoden und resistenter Sorten einige Nutzpflanzen nicht auf den ökologischen Landbau umgestellt werden, weil sie häufiger von Schädlingen oder Parasiten befallen werden. Sie müssen geschützt werden, um ihre Ernte nicht zu verlieren. Dies ist bei vielen Zimmer­pflanzen oder bestimmten Obst- und Gemüsesorten der Fall. In der Praxis werden Pflanzenschutzmittel jedoch zunehmend als «Medizin der letzten Chance» eingesetzt, um kranke Nutzpflanzen zu retten. Eine vorbeugende Behandlung wird heute kaum noch eingesetzt. Manchmal kann eine einzige Behandlung mit einem wirksamen Produkt eine Ernte retten.

Ohne diese Mittel müssten viele Schweizer Produzenten ihre Arbeit aufgeben. Diese Produkte müssten dann importiert werden. Studien zeigen auch, dass wir ein Drittel unserer Produktion verlieren würden, wenn wir auf ökologischen Landbau umstellen würden. Durch den Import ­dieser Früchte, Gemüse und Pflanzen würde die Schweiz andere Umweltprobleme schaffen, wie z. B. mehr CO2-Emissionen in die Atmosphäre. Ausserdem wären wir nicht mehr in der Lage, die Produktionsmethoden zu ­kontrollieren, bevor diese Produkte auf den Teller des ­Verbrauchers gelangen. Dies hätte unerwünschte Aus­wirkungen auf die öffentliche Gesundheit.

Die Unternehmer wollen das Problem nicht verschieben. Lassen Sie uns daran arbeiten, es langfristig zu lösen, hier bei uns. Eine kürzlich vom Bundesparlament verabschiedete parlamentarische Initiative fordert eine Halbierung der Risiken in diesem Bereich innerhalb von fünf Jahren. Das Vernehmlassungsverfahren für die Umsetzung dieser neuen verbindlichen Regeln, die zu einer weiteren Verbesserung der Trinkwasserqualität führen werden, wurde bereits eingeleitet.

Niemand hat das Recht, die Umwelt zu verschmutzen, und unsere Produzenten haben das verstanden. Die ökologischen Erwartungen der Schweizer Bevölkerung sind legitim. Aber die Initiativen gehen zu weit und zu schnell. Das Verschwinden der heimischen Produktion würde auch die Verpackungsindustrie, die Logistikunternehmen und die Gastronomie hart treffen, die alle einen hohen Preis für die Verlagerung von Produktionsaktivitäten ins Ausland zahlen müssten. Jeder wäre davon betroffen. Der Preisanstieg für landwirtschaftliche Produkte wäre massiv, und die Verbraucher mit den niedrigsten Einkommen würden besonders leiden.

Wir brauchen unsere Produzenten, um die ehrgeizigen Umweltziele zu erreichen, die die Öffentlichkeit wünscht. Ihre kurzfristige Zerstörung würde nur Verwüstung in unsere Landschaft bringen und die Umweltprobleme ­insgesamt nicht lösen. Ich empfehle Ihnen daher, am 13. Juni zweimal «NEIN» zu diesen extremen Initiativen zu stimmen!

*Olivier Mark, Präsident von JardinSuisse und Vorstandsmitglied Schweizerischer Gewerbeverband sgv.

www.extreme-agrarinitiativen-nein.ch

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