Publiziert am: Freitag, 6. Oktober 2017

Grosser Ärger über SRF:
 Zynischer geht’s kaum

Die Meinung

 

«Das Frankenschöckchen»: Unter diesem Titel erschien am 9. September 2017 im Deutschschweizer Farbfernsehen SRF ein Beitrag über die Auswirkungen der Aufhebung des Mindestkurses des Schweizerfranken zum Euro. Der Bericht ist an und für sich gut aufgebaut. Er zeigt, dass die Schweizer Wirtschaft die veränderte Situation im Exportmarkt in den Euro-Raum besser gemeistert hat, als anfänglich befürchtet wurde.

«Schweizer Unternehmen haben gewaltige Efforts 
geleistet, um zu Überleben.»

In der Tat haben viele kleine, mittlere und grosse Unternehmungen gewaltige Efforts geleistet, um in dieser schwierigen Phase zu überleben. Der Gründe dafür gibt es viele: Erfolgreiches Management, betriebswirtschaftliche Agilität, Schweizer Qualitätsprodukte, monetäre Reserven, ein nach wie vor flexibler Arbeitsmarkt und vor allem sehr gut qualifizierte und motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Verlierer vergessen?

Das alles darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es trotz alledem auch viele Verlierer gegeben hat. Zahlreiche Betriebe haben nicht überlebt, mehrere tausend Mitarbeiter (Schätzung KOF) haben direkt oder indirekt ihren Arbeitsplatz verloren, viele erlebten zum Teil einschneidende Lohneinbussen, nicht wenige Unternehmungen schrieben Verluste und mussten vorübergehend tief in ihre Reserven langen. Insgesamt ging das an die Substanz. Unter diesen Gesichtspunkten von einem «Frankenschöckchen» zu sprechen, wirkt zynisch. Ist dies ein Zeugnis des Zeitgeists im SRG-Journalismus?

Ob die No-Billag-Initiative dereinst angenommen wird, steht im Moment noch in den Sternen. Gäbe es tatsächlich ein Ja, würden in den eidgenössisch geschützten Werkstätten der SRG auf einmal ein wesentlicher Teil der insgesamt fast 6000 Arbeitsplätze per Volksentscheid wegfallen. Das Ergebnis dannzumal als «Billagschöckchen» zu titulieren, würde ich mir – allein schon aus Respekt vor der persönlichen Betroffenheit der Angestellten bei der SRG – nie und nimmer erlauben. Die Titelgeber des Beitrages vom 9. September 2017 mögen sich dies hinter die Ohren schreiben.

Ja zu No Billag - SRG, wir müssen reden.
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Die Schweizerische Gewerbekammer, das Parlament des sgv, hat die Ja-Parole zur No Billag Initiative beschlossen. Die Billag-Mediensteuer ist eine willkürliche und ungerecht­fertigte Doppelbesteuerung der Unternehmen. Medien­ministerin Leuthard und die SRG-Repräsentanten lassen nichts unversucht, um den Souverän davon zu überzeugen, dass nicht nur die Existenz der SRG, sondern jene der ganzen Schweiz durch diese Initiative bedroht wird. Dies ist völliger Unsinn. Vielmehr macht ein Ja zu No Billag den Weg frei, dass endlich die seit der RTVG-Abstimmung 2015 verwehrte Diskussion über den Service Public stattfinden und die Verstaatlichung der schweizerischen Medienlandschaft verhindert werden kann.

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