Publiziert am: Freitag, 20. Juni 2014

«Grosses Schaufenster für Berufsbildung»

UELI MÜLLER – Für den Generalsekretär der Stiftung SwissSkills geht mit den ersten Schweizer Berufsmeisterschaften vom 17. bis 21. September in Bern ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung.

Schweizerische Gewerbezeitung: Ueli Müller, was sind Berufs­meisterschaften?

n Ueli Müller: An Berufsmeisterschaften messen sich die besten jungen Talente eines Berufs. Dabei stehen die Fertigkeiten und Kenntnisse – also die Skills – im Vordergrund. Berufsmeisterschaften sind eine ideale Plattform für das Berufsmarketing und die Nachwuchsförderung. Sie tragen Berufsbilder in die Öffentlichkeit und stärken das Image der Berufsbildung.

Wer organisiert diese Meister­schaften?

n Verantwortlich sind die Organisationen der Arbeitswelt. Sie konzipieren und organisieren für ihre Berufe die Wettbewerbe, führen diese durch und bewerten die Teilnehmenden. Bisher hat jeder Beruf seine Meisterschaft für sich durchgeführt. Mit den SwissSkills Bern 2014 finden erstmals alle Berufsmeisterschaften gleichzeitig am gleichen Ort statt.

Bei handwerklichen Berufen kann man sich leicht einen Wettbewerb vorstellen. Doch wie sieht ein solcher bei den Kaufleuten aus?

n Man kann in allen Berufen anspruchsvolle und berufsgerechte Wettbewerbsaufgaben entwickeln. Kaufleute können beispielsweise ein Verkaufsgespräch führen oder eine administrative Arbeit strukturieren.

«Die berufliche 
bildung eröffnet 
ebenso gute 
Perspektiven wie das Gymnasium.»

Was motiviert junge Menschen, 
an Berufsmeisterschaften teilzunehmen?

n Die Motive sind unterschiedlich. Es gibt Wettkampftypen, die sich gerne mit anderen messen, Abenteurer, die etwas Aussergewöhnliches erleben möchten, und solche, die in ihrem Beruf vorankommen wollen. So oder so: Alle machen eine persönliche Entwicklung durch: Sie werden reifer, selbstbewusster und gewandter im Umgang mit Menschen.

Die meisten Teilnehmenden ­werden von ihrem Arbeitgeber unterstützt – materiell und mit Zeitgutschriften. Wieso?

n Wer an Berufsmeisterschaften teilnimmt, will mehr leisten als der Durchschnitt. Solche Mitarbeitende sind für jedes Unternehmen ein Gewinn. Angesichts des Fachkräftemangels lohnt es sich doppelt, in diese Leute zu investieren. Kommen sie mit einer Medaille von einer Meisterschaft zurück, hat der Betrieb zusätzlich einen Imagegewinn.

Werden die Schweizer Berufs­meisterschaften künftig nur noch zentral durchgeführt?

n Die SwissSkills Bern 2014 sind ein lang gehegtes Wunschprojekt der Stiftung SwissSkills. Sie sind aber ein Grossprojekt mit einem Budget von 15 Millionen Franken – die enormen finanziellen Aufwendungen der Berufsverbände nicht eingerechnet. Vor diesem Hintergrund und auch angesichts des organisatorischen Aufwands rechne ich in den nächsten Jahren nicht mit zentralen Meisterschaften. Schön wäre es alleweil!

Was erwarten Sie von den SwissSkills Bern 2014?

n Die SwissSkills Bern 2014 sind ein einmaliges Schaufenster für unser Berufsbildungssystem: 130 Berufe stellen sich vor, 70 davon tragen Meisterschaften aus, 200 000 Besucherinnen und Besucher werden erwartet. Ich wünsche mir, dass Jugendliche, Eltern und Lehrer erkennen, dass eine berufliche Grundbildung genauso gute berufliche Perspektiven wie das Gymnasium eröffnet. Wenn wir mehr junge Leute für eine berufliche Grundbildung gewinnen, sind meine Erwartungen erfüllt.

SWISSSKILLS BERN 2014

1000 Berufsleute

Die SwissSkills Bern 2014 finden vom 17. bis 21. September statt. Rund 1000 junge Berufsleute kämpfen 
in 70 Berufen um den Schweizer-Meister-Titel.

www.swissskillsbern2014.ch

Informationen

Die Stiftung SwissSkills

Die Stiftung SwissSkills koordiniert seit 1953 die Schweizer Meisterschaften und ermöglicht jungen Berufsleuten die Teilnahme an den internationalen Wettbewerben. Bund, Kantone, Schulen und Organisationen der Arbeitswelt tragen die Stiftung.

Der Verein SwissSkills Bern 2014 organisiert die ersten Schweizer Berufsmeisterschaften, welche vom 
17. bis 21. September stattfinden. Der Verein besteht aus Vertreterinnen und Vertretern der Stadt, des Kantons Bern und der kantonalen Sozialpartner.