Publiziert am: 21.02.2020

Gut versichert in die Quarantäne

VERSICHERUNGSRATGEBER – Hätten Sie gewusst, dass es eine Epidemieversicherung gibt? Vor dem Hintergrund, dass das Coronavirus auch wirtschaftlich Spuren hinterlässt, möchte ein Versicherungsnehmer aus der Tourismusbranche wissen, wie es im Fall der Fälle um seinen Versicherungsschutz steht.

F. P. aus B.: «Ich habe im vergangenen Herbst für meine Frühlingsferien einen Aufenthalt in Peking, eine Flugreise und ein Hotelarrangement gebucht. Die Hiobsbotschaften über die Folgen des Coronavirus stimmen nachdenklich, die Zahlen der nachgewiesenen Infektionen steigen, und es werden bereits über 2000 Todesfälle vermeldet. Das Virus aus China könnte mich auch beruflich treffen, da ich in der Tourismusbranche tätig bin. Wie präsentiert sich diesbezüglich mein Versicherungsschutz?»

Sehr geehrter Herr P.: Sie greifen ein aktuelles Thema auf. Gerne weise ich Sie auf zwei wichtige Versicherungslösungen hin.

Reiseversicherung

Sie haben nicht erwähnt, ob Sie über eine Reiseversicherung verfügen. Grundsätzlich gewährt diese Versicherung einen Schutz bei Reiseausfällen und Annullationen, wenn die Versicherten wegen einer Epidemie oder Quarantäne an der Reise gehindert werden, wenn das Leben der Versicherten konkret gefährdet ist oder wenn eine offizielle Stelle wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) von einer Reise abrät.

Das Departement des Äussern rät zurzeit noch nicht von Reisen nach China ab, das BAG lediglich von Reisen in die Provinz Hubei. Bei genauer Auslegung der Bedin­gungen sind deshalb die konkreten Deckungsvoraussetzungen wohl lediglich für die betroffene Provinz Hubei erfüllt. Angesichts der Ausmasse der Infektionen kann aber spekuliert werden, dass einige Versicherer auf freiwilliger Basis einen Versicherungsschutz für Annullationen von Reisen in ganz China gewähren – allerdings nur für Reisen, die vor Bekanntwerden des Coronavirus gebucht wurden.

Bei Buchungen eines Arrangements über ein Reisebüro müsste die Deckung beim Reiseveranstalter erfragt werden, da dieser bei Pauschalreisen gemäss Pauschalreisegesetz ebenfalls in der Haftung steht.

Epidemieversicherung

Da Sie im Tourismus tätig sind, verfügen Sie möglicherweise über eine Epidemieversicherung. Im Zusammenhang mit dem Coronavirus ist eine Deckung wahrscheinlich, wenn die zuständigen Behörden aufgrund gesetzlicher Bestimmungen entsprechende Massnahmen anordnen. In der Regel verlangen die Versicherungsbedingungen eine öffentlich-rechtliche Verfügung, etwa eines Kantonsarztes. Allgemein sind in der Epidemieversicherung folgende Schäden oder Kosten versicherbar:

• Unterbrechungsschäden (z. B. Betriebsschliessungen, Quarantäne, Verbot der Belieferung von Kun­-den)

• Lohnkosten (der im Betrieb beschäftigten Personen aufgrund individuellem Tätigkeitsverbot)

• Warenschäden (Beseitigung infizierter Sachen oder infektionsverdächtiger Waren)

• Kosten und Folgeschäden (z. B. ärztliche Untersuchungen oder Desinfektion des Betriebes)

Die Epidemielösung deckt also Massnahmen, die von den zuständigen Behörden angeordnet werden, um die Verbreitung von übertragbaren, meldepflichtigen Krankheiten zu vermeiden. Bei Umsatzausfällen in Ihrem Restaurant oder Hotel gilt es zu unterscheiden. Bei einem Umsatzausfall wegen Stornierungen von chinesischen Reisegruppen besteht kein Versicherungsschutz. Schutz besteht demgegenüber jedoch bei einer vorübergehenden Schliessung Ihres Betriebes infolge Viruserkrankung von Gästen oder Mitarbeitenden, sofern die Massnahmen von den zuständigen Behörden gesetzlich angeordnet werden, um die Verbreitung von übertragbaren Krankheiten zu verhindern.

laszlo.scheda@mobi.ch

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