Publiziert am: 06.09.2019

«Gute Fachkräfte als Potenzial»

GEWERBEVERBAND APPENZELL AUSSERRHODEN – Dank eines guten Zusammenhalts unter den Mitgliedern ist es dem Verband gelungen, auch harte Zeiten zu überstehen. Neu wurde der Vorstand erweitert, um seinen Mitgliedern zum Thema «Finanzen» Support zu bieten.

In den über 125 Jahren seit seiner Entstehung ist es dem Gewerbeverband Appenzell Ausserrhoden GVAR gelungen, sich als einer der mitgliederstärksten Verbände im Spannungsfeld zwischen Wirtschaft und Politik zu positionieren. «Es gehört zum Charakter der Appenzeller, dass man in schwierigen Situationen zusammensteht. So haben wir die vergangenen wirtschaftlich schwierigeren Zeiten gemeistert», erklärt Bruno Eisenhut, Geschäftsführer des Gewerbeverbandes Appenzell Ausserrhoden. Eine besondere Stärke des Verbandes ist der persönliche Kontakt zu den einzelnen Mitgliedern, zu den örtlichen Gewerbevereinen und Berufsverbänden, die Zusammenarbeit mit dem Industrieverein und dem Hauseigentümerverband sowie die Nähe zu den Behörden und Verwaltungen. Nicht vergessen darf man, Appenzell Ausserrhoden ist ein traditioneller Industriekanton. Zu Beginn des letzten Jahrhunderts galt er als Industriehochburg und wies deshalb schweizweit eine der höchsten Bevölkerungsdichten auf.

Das Gewerbe sei wie andere Branchen immer wieder gefordert, die traditionellen Geschäftsmodelle den Herausforderungen anzupassen. «Die Digitalisierung ist sehr präsent. Heute gilt es, sich in der globalisierten und digitalisierten Welt neu zu positionieren», stellt Eisenhut fest. Neu will der engagierte Verband seine Mitglieder gerade im komplexen Bereich «Finanzen» noch kompetenter unterstützen. Dazu hat er an der letzten Generalversammlung im Frühling den Vorstand von sieben auf acht Mitglieder aufgestockt.

Berufsbild attraktiv positionieren

Einen hohen Stellenwert im Verband hat die Berufsbildung. Er engagiert sich mit personeller und finanzieller Unterstützung an den jährlich stattfindenden Freizeitarbeiten-Ausstellung. Lernende präsentieren dabei ihre Werke und sorgen dafür, dass jährlich mehrere tausend Besucher an die dreitägige Ausstellung kommen. Weiter hat der Gewerbeverband Appenzell Ausserrhoden zusammen mit dem Industrieverein vor einigen Jahren das Projekt «Perspektive Berufe» lanciert. Dabei geht es darum, die Entwicklungschancen für junge Leute mit einer Berufslehre aufzuzeigen und somit dem Trend zum Besuch einer Mittelschule entgegenzutreten. «Es ist wichtig, dass auch unsere Mitglieder den Nachwuchs fördern und qualifizierte Ausbildungsplätze für die jungen Berufsleute anbieten», betont Eisenhut.

Die Berufsbildung im Allgemeinen und die handwerklichen Berufe im Speziellen ständen jedoch nach wie vor im Wettbewerb zur schulischen Ausbildung. Zudem werde die in der Verfassung festgeschriebene Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung nicht gelebt. «Berufliche und akademische Bildung sollte einander nicht ausspielen, es braucht beide», so Eisenhut. Gerade auch im Hinblick auf den demografischen Wandel sei es wichtig, die Berufsbildung attraktiv zu positionieren.

Zudem organisiert der Gewerbeverband Appenzell Ausserrhoden zusammen mit dem Industrieverein, der Organisation der Arbeitswelt Soziales und Gesundheit und dem Amt für Hochschulen, Mittelschulen und Berufsbildung die jährlich stattfindende Plattform für Berufsbildung. «Dabei können Ausbildner, Lehrpersonen sowie Unternehmer teilnehmen und sich mittels thematischer Referate zur Berufsbildung weiterbilden», erklärt Eisenhut. Allerdings sei die Rekrutierung von kompetenten Lernenden in einigen Branchen äusserst harzig. Auch in Appenzell Ausserrhoden mache sich der Geburtenrückgang bemerkbar. «Es gibt Ausbildungsbetriebe, die deshalb keine Ausbildungsplätze mehr anbieten. Der grösste Teil reagiert auf diesen Missstand mit attraktiven Schnupperlehren, um so Lernende zu motivieren und zu gewinnen», weiss Eisenhut. Die meisten Ausbildungsbetriebe seien sich dieser Problematik bewusst.

Zusammenarbeit mit anderen Wirtschaftsverbänden

Zum Kerngeschäft des engagierten Verbandes gehören die politischen Geschäfte. «Bei den Vernehmlassungen wollen wir unsere Position deutlicher zum Ausdruck bringen», sagt Eisenhut. Einen grossen Stellenwert hat die vertiefte Zusammenarbeit mit anderen Wirtschaftsverbänden und den bürgerlichen Parteien im Kanton. «Wir begrüssen eine wirtschaftsfreundliche Politik. Mitglieder werden motiviert, sich für politische Ämter zur Verfügung zu stellen», so Eisenhut. «Dabei spielt vielmehr das Engagement für das örtliche Gewerbe eine Rolle als die Parteizugehörigkeit.»

Förderung von Energieverbrauchsgemeinschaften

Der Verband sieht ein grosses Potenzial im Bereich der Energieverbrauchgemeinschaften. Gesetzliche Anpassungen ermöglichen, gewonnene Energie von Dachflächen (Photovoltaik) ins Netz der Energiewerke einzuspeisen. «Wir haben uns zum Ziel gesetzt, solche Möglichkeiten der effizienten Stromnutzung weiter zu optimieren. Denn solche Energieverbrauchsgemeinschaften stellen für unser Gewerbe und Handwerk ein grosses Auftragspotenzial dar», sagt Eisenhut. Er ist überzeugt, dass das Ausserrhoder Gewerbe trotz grossen Herausforderungen und Fachkräftemangel über gut ausgebildete Berufsleute verfügt. «Motivierte Fachkräfte sind unser Potenzial.» Corinne Remund

www.gewerbeAR.ch

KMU FRAUEN Appenzell

Voll integriert

Die KMU Frauen beider Appenzell sind im Vorstand des Gewerbe­verbandes Appenzell Ausserrhoden vertreten und somit vollumfänglich integriert. Die KMU Frauen beider Appenzell sind seit 1997 aktiv und Teil der KMU Frauen Schweiz, die heuer ihr 25-Jahr-Jubiläum feiern. Die Mitglieder sind im Betrieb mitarbeitende Partnerinnen, selbstständige Unternehmerinnen und leitende Angestellte in KMU. Der Gewerbeverband Appenzell Ausserrhoden unterstützt und fördert die KMU Frauen unter anderem mit eigenen Veranstaltungen oder Weiter­bildungen. CR

DEr GVAR kurz erklärt Das Netzwerk gegen innen und aussen fördernVerband unterstützt Zuberbühl und Caroni

Politische Arbeit als Hauptaufgabe

Der Gewerbeverband Appenzell Ausserrhoden wurde am 11. September 1892 im Hotel Hecht in Teufen gegründet. Die beiden Geschäftsstellen des Gewerbeverbandes sowie des Industrievereins wurden 2006 unter dem Dach des Hauses der Wirtschaft in Herisau zusammengeführt.

Das Netzwerk gegen innen

und aussen fördern

Heute bietet der Gewerbeverband Appenzell Ausserrhoden eine wichtige Informationsplattform für seine Mitglieder. Er unterstützt sie bei rechtlichen sowie anderen Fragen und vertritt ihre Interessen gegenüber Organisationen, Behörden und der Öffentlichkeit. Ein wichtiges Anliegen ist ihm auch die Berufsbildung.

Der Verband fördert das Netzwerk der Gewerbetreibenden untereinander sowie die Zusammenarbeit zwischen anderen Organisationen, Institutionen und (Wirtschafts)verbänden. Der Unternehmer-Dachverband engagiert sich politisch, indem er die Interessen seiner Mitglieder vertritt und sich aktiv bei Wahlen, Abstimmungen und Vernehmlassungen einbringt.

Der Gewerbeverband zählt aktuell 1300 Mitglieder, aufgeteilt in 16 örtliche Gewerbevereine und 30 Berufsverbänden. Die Mitglieder kommen aus den klassischen gewerblichen Branchen, dem Detailhandel, dem Dienstleistungsbereich, der Gastronomie und der Informatik.

Verband unterstützt Zuberbühl und Caroni

Der Ausserrhoder Gewerbeverband unterstützt David Zuberbühl (SVP) zur Wahl in den Nationalrat und Andrea Caroni (FDP) zur Wahl in den Ständerat. Den beiden bisherigen Kandidaten – Zuberbühl und Caroni – wird aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung und ihres grossen Netzwerks zugetraut, das Appenzell Ausserrhoder Gewerbe in Bern bestens zu vertreten.

CR

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