Publiziert am: Freitag, 24. November 2017

«Gute Fachkräfte finden, ist schwierig»

TEXPRESS TEXTILPFLEGE AG – Das Unternehmen ist in den letzten Jahren heftig gewachsen. Dank Innovation, modernster Maschinen, eines breitgefächerten Angebots aber auch sozialer Verantwortung hat sich das KMU in der Branche einen Namen gemacht.

Das Luzerner Textilpflege-Unternehmen Texpress expandiert seit Jahren erfolgreich. In den vergangenen vier Jahren hat das Familienunternehmen starken Zuwachs bekommen und sein Filialnetz auf 14 Filialen im Dreieck Bern–Zürich–Luzern ausgebaut. «Wir haben eigentlich nichts geplant. Wir haben diejenigen Filialen übernommen, die uns angeboten wurden. Dies hat einen Prozess ausgelöst. Immer ist wieder ein Projekt dazu gekommen», erklärt Geschäftsführer Patrick Meier, der den Betrieb mit seiner Frau Eliane führt. Damit man jedoch in kurzer Zeit so kontinuierlich wachsen könne, bedürfe es gewisser Grundbedingungen wie gute Führungskräfte, loyale Mitarbeiter und das Vertrauen der Kunden. «Gerade vor 14 Tagen haben wir zwei Filialen von einem Mitbewerber im Länderpark Stans sowie im Zugerland in Steinhausen mit insgesamt zehn Mitarbeitenden übernommen», sagt Meier. Die Nachfolgeregelung sei eine grosse Herausforderung für die Branche. «Wir sind schon oft für Mitbewerber, die keine Nachfolger gefunden haben, in die Bresche gesprungen», erklärt Meier.

«Die Digitalisierung spielt in unserer 
Branche immer mehr eine zentrale Rolle.»

Die Textilindustrie produziert immer mehr Textilien, die man problemlos zu Hause waschen kann. Dazu Meier: «Das Volumen an Spezialtextilien nimmt ab, dementsprechend werden auch unsere Dienstleistungen weniger benötigt. Der Markt ist zum Teil hart umkämpft.» Das KMU überbrückt diese wirtschaftlich schwierige Situation mit Innovationen (siehe Kasten). «Wir müssen unseren Kunden einen Service bieten, der ihre Lebensqualität verbessert und ihre Opportunitätskostenrechnung zu unseren Gunsten ausfallen lässt», betont Meier. Daher ist das Angebot der Texpress Textilpflege AG sehr breit gefächert und beschränkt sich nicht nur auf Textilreinigung, Hemdenservice, das Waschen und Aufbereiten von Braut- und Festmode sowie von Leder und Teppichen. «Wir bieten auch einen Büroservice für Mitarbeiter von Banken, Versicherungen, Anwaltskanzleien sowie Treuhand­gesellschaften an. Dabei werden die Hemden und Anzüge abgeholt, gewaschen und sauber zurückgebracht», so Meier. Gereinigt, gepflegt und gebügelt werden zudem Uniformen für Musikgesellschaften, Fussballdressen für Mannschaften, wie beispielsweise den FC Luzern, Gas­trowäsche für Events etc. Eine Express-Schneiderei und ein Hauslieferdienst runden das Angebot ab. «Zu unseren Kunden gehören KMU, Grossfirmen, Private, Politiker, Vereine, Spitäler und Altersheime und Versicherungen», so Meier. Wir betreuen rund 10 000 Kunden in der Zentralschweiz sowie den Kantonen Aargau, Solothurn und Teilen vom Kanton Bern.»

Pilotprojekt am Testen

Für den engagierten Unternehmer ist die Digitalisierung eng mit Innovation verbunden. Mit dem «Track and Trace-System» hat die Digitalisierung auch in der Textilpflegebranche Einzug gehalten. «Dies ist ein Kundenkonzept, das seit rund vier Monaten erfolgreich im Einsatz ist. Der Kunde wird per SMS benachrichtigt, in welchem Status seine Hemden sind res­pektive wann sie abgeholt werden können», erklärt Meier. Ebenso auf der Website von Texpress wird jeweils eine Statusmeldung angegeben, welcher Artikel gerade im Betrieb verarbeitet wird. «Die Digitalisierung wird in unserer Branche immer mehr eine zentrale Rolle spielen», ist Meier überzeugt. Als aktuelles Beispiel verweist er auf ein Pilotprojekt, mit dem der Postversand neu aufgegleist werden soll: «Wir waschen fünf Hemden von einem Kunden in Genf und schicken sie ihm dann gereinigt zurück. Die Idee ist, dass künftig ein Last­wagen der Post bei uns ein Wäschepakete abgibt und diese am anderen Tag wieder mitnimmt. So wird auch unser Einzugsgebiet grösser.»

«Die Logistik innerhalb des Betriebs ist für uns Herausfor­derung und Kernkompetenz zugleich.»

Für Meier heisst Innovation auch, dass sein Betrieb mit den modernsten Maschinen ausgerüstet ist. Damit gehört das KMU zu einem der modernsten Textilpflege-&-Hemden-Service-Unternehmen in der ganzen Schweiz. Rund 7500 Textilien werden pro Tag im Zentralbetrieb in Büron sowie in den 14 Filialen verarbeitet. «Das sind ca. 525 000 Kilogramm Wäsche pro Jahr», stellt Meier fest. «Die Logistik innerhalb des Betriebs ist für uns Herausforderung und Kernkompetenz zugleich. Dank einer sogenannten Sortierungsmaschine haben wir den Überblick, welche Kleidungsstücke zu welchem Kunden gehören», konkretisiert Meier.

Fortschrittlich unterwegs ist das Unternehmen auch, wenn es um den Umweltschutz geht. «Wir achten als verantwortungsbewusstes Familienunternehmen auf einen möglichst 
effizienten Einsatz von nicht er­neuerbaren Ressourcen. Deshalb 
setzen wir seit Jahren schonende Chemie ein und achten auf eine sorgfältige Auswahl der Behandlungs­methoden», sagt Meier. «Wir verzichten seit Jahren auf den Einsatz von chlorhaltigen Wasch­mitteln und anderen Produkten. Auf diese Weise nutzen wir die ökologischen und ökonomischen Vorteile aller Reinigungsverfahren.» Dieses Verständnis wird auch bei den Mitarbeitenden gefördert, indem sie an Weiterbildungskursen zu diesem Thema teilnehmen. «Schulungen sind wichtig, gerade weil wir so schnell gewachsen sind. Damit können wir auch unsere Qualität gewährleisten», so Meier. Zudem ist der Zentralbetrieb mit einer modernen Wärme- und Wasserrückgewinnungsanlage ein Vorbild für die Branche. Eine moderne LED-Lichttechnik sorgt für gut beleuch­tete Arbeitsplätze und moderaten Energie­verbrauch.

Ausbildung von Lernenden

Die grösste Herausforderung ist gemäss Meier der Fachkräftemangel. «Es ist heute sehr schwierig, gelernte Fachleute zu finden, deshalb bilden wir bei uns auch fünf Lernende aus», so Meier, der Mitglied der Ausbildungskommission im Verband Textilpflege Schweiz (VTS) ist. «Unser Beruf hat ein Imageproblem. Viele Jugendliche, Eltern und Lehrer haben von unserem Beruf ein falsches oder gar kein Bild. Dabei ist es ein komplexer und interessanter Beruf, der ein grosses Wissen in den Bereichen Chemie, Warenkunde und Textilkunde, Verkauf und Prozessmanagement voraussetzt.» Viele Lehrverhältnisse seien auch eine «Notlösung», wenn man in letzter Sekunde noch eine Lehrstelle finden müsse. «Bei uns kommen oftmals die sozial schwächer gestellten Jugendlichen unter. Aber es gibt auch diejenigen, die während der Ausbildung Freude am Beruf bekommen», konkretisiert Meier. Mit dem Ausbilden von Lernenden will er nicht nur eigenes Fachpersonal garantieren, sondern auch den jungen Menschen eine Chance auf eine solide Ausbildung geben. Auch der soziale Gedanke liegt dem jungen Familienvater am Herzen. Er beschäftigt und integriert deshalb im Zentralbetrieb auch Menschen mit Einschränkungen oder Behinderungen. «Dies bedingt aber eine grosse Bereitschaft der Firma und auch der Mitarbeiter, diese Menschen zu betreuen», sagt Meier. Für die Zukunft wünscht sich der umtriebige Unternehmer, dass die Firmenkultur so belebt bleibt und die Fluktuation weiterhin so gering bleibt.

Corinne Remund

INNOVATION IN DER NISCHE

Auszeichnung führt zu Innovationskraft

Das Textilpflege-Unternehmen Texpress hat vor vier Jahren den Zen­tralschweizer Neuunternehmerpreis 2013 gewonnen. Er löste gemäss Inhaber und Geschäftsführer Patrick Meier eine Euphoriewelle im Team aus und führte so zu einer Kulturverbesserung sowie einem Innovationsschub. «Dieser Preis hat dem ganzen damaligen Team Aufwind gegeben und zusätzliche Energie ausgelöst, ohne dass wir deshalb an Bodenhaftigkeit verloren hätten», so Meier. Der mit 10 000 Franken dotierte Preis wurde von der Gewerbe-Treuhand 
Luzern vergeben. «Wir haben damit einen Mitarbeiteranlass mit Apéro 
inklusive luxuriösen Anreisens in der Limousine sowie eines feinen Essens finanziert», so Meier, und er ergänzt: «Der Preis galt den Mitarbeitenden, er ist ihr Verdienst. Zudem sind sie das Fundament eines jeden Unternehmens, ohne sie läuft nichts.»

Noch heute hat der Anerkennungspreis Auswirkungen auf das erfolgreiche Unternehmen, das innerhalb vierer Jahre von 37 auf über 100 Mitarbeitende gewachsen ist. Dank dieses Impulses wurde die Textilpflege AG mit viel Pioniergeist und Innovationskraft ausgebaut. Dazu Meier: «Innovationen sind wichtig, gerade bei einem jungen Unternehmen, das noch wachsen will.» Doch woher nimmt der Unternehmer die immer wieder neuen Ideen? «Man muss die Augen offenhalten und Mut haben, Neues zu wagen. Ich lasse mich beispielsweise bei einem Spaziergang am Sempachersee, mit der Familie im Garten, aber auch bei spannenden Diskussionen mit Geschäftspartnern inspirieren», sagt Meier. Ganz nach dem Motto «Geht nicht, gibt es nicht» suche er manchmal eine Lösung und hätte plötzlich einen Geistesblitz, 
so Meier. Allerdings sei es bei der Umsetzung solcher Ideen wichtig, 
die Bedürfnisse der Kunden in 
den Mittelpunkt zu setzen. «Dabei stellen wir uns die Frage: Was hat 
der Kunde für ein Bedürfnis, und 
was wäre er bereit, dafür zu zahlen?», erklärt Meier.

CR