Publiziert am: Freitag, 18. März 2016

Gutes Fundament für die Karriere

EUROSKILLS COMPETITIONS – Lukas Berger aus dem aargauischen Mumpf wird im Dezember an den europäischen Berufsmeisterschaften in Göteborg die Gipserbranche vertreten. Sein Ziel ist es, es aufs Treppchen zu schaffen – je weiter oben, desto besser.

Konzentriert und mit viel Fingerspitzengefühl zieht Lukas Berger einen Stuckstab. Immer wieder giesst er flüssigen Gips nach und formt diesen, indem er mit der Stuckschablone darüberfährt. Der junge Mann arbeitet mit viel Geduld und ruhiger Hand. Seine sorgfältige Arbeitsweise, gepaart mit viel Liebe zum Detail und einer grossen Leidenschaft für seinen Beruf, hat sich bereits an den nationalen Berufsmeisterschaften SwissSkills Bern 2014 ausbezahlt. Damals erarbeitete er sich die Bronzemedaille und qualifizierte sich damit für die EuroSkills in Göteborg. «Das war ein super Erlebnis», erinnert sich Berger. «Ich habe viele neue Leute kennengelernt und auch beruflich dazugelernt. Ebenso haben wir untereinander die Kameradschaft gepflegt.» Er könne eine Teilnahme an einer Berufsmeisterschaft nur weiterempfehlen, so Berger. «Es ist ein gutes Fundament für die weitere Karriere.»

«Es ist für mich eine grosse Ehre, die Gipserbranche in Göteborg zu vertreten.»

Lukas Berger stammt aus einer Handwerkerfamilie. Sein Vater ist Schreiner. «Ich wollte schon immer einen handwerklichen Beruf erlernen», sagt er. Die Liebe zum Handwerk habe er seinem Vater zu verdanken: «Er hat mit uns Kindern oft gebastelt, uns Tipps gegeben und Tricks verraten. Das hat mich geprägt», so der junge Berufsmann. Seine dreijährige Malerlehre hat er in Mumpf absolviert. «Ab und zu musste ich dabei auch leichte Gipserarbeiten erledigen. Das hat mir gefallen. Mein Lehrmeister hat mich dann motiviert, eine zweijährige Zusatzlehre als Gipser zu absolvieren», erklärt er seinen Werdegang. Dies hätte er getan und bis jetzt nicht bereut – im Gegenteil. «Das ist eine optimale Ausgangslage, um das Maler-Gisper-Handwerk zu vertiefen und die beiden artverwandten Berufe zu verbinden. Zudem habe ich so eine sehr gute Basis für weitere Karrieremöglichkeiten und kann damit aus dem Vollen schöpfen», sagt Berger. Das Gipsen scheint ihm im Blut zu liegen, hat er doch seine Lehrabschlussprüfung mit 5,1 abgeschlossen. Besonders faszinieren ihn an seinem Beruf die Früchte seiner Arbeit am Abend. «Es ist immer wieder ein tolles Gefühl, wenn man das Ergebnis seines Tagwerkes sieht», so Berger. Doppelt freue es ihn, wenn auch die Kunden dankbar und begeistert seien.

Grosse Unterstützung
vom Arbeitgeber

Seit dem 1. Januar gehört er zum Team des Maler- und Gipsergeschäftes A.P. Kaufmann GmbH in Wallbach. «Ich habe mich bereits gut eingelebt. Ich kann hier täglich viel Neues lernen.» Am ersten Tag hätte er auf eine Gipsplatte ein Schwedenwappen malen müssen. «Die Idee ist, dass er sein Ziel – also die EuroSkills in Göteborg – täglich vor Augen hat», erklärt Alfons Paul Kaufmann. Der ehemalige Präsident des Schweizerischen Maler- und Gipserunternehmer-Verbands SMGV freut sich über das neue Mitglied seines Teams. «Als Arbeitgeber unterstütze ich ihn mit Rat und Tat bei seinen Vorbereitungen für die europäischen Berufsmeisterschaften. Er bekommt auch die Möglichkeit, hier zu trainieren. Dafür stelle ich ihm einen Platz in der Werkstatt zur Verfügung», so Kaufmann und er doppelt nach: «Unser Ziel ist ein Platz möglichst weit oben auf dem Podest.» Das ehemalige 
sgv-Vorstandsmitglied wird seinen «Schützling» auch vor Ort anfeuern. Wertvolle Tipps bekommt er sicher auch von seiner Malerkollegin Sa­brina Peterhans, die als Kandidatin an den WorldSkills 2013 in Leipzig eigene Erfahrungen gesammelt hat.

Momentan habe das Training erst begonnen. «Ich muss meinen Experten Michael Hess erst noch kennenlernen und mit ihm das Programm zusammenstellen», so der engagierte Berufsmann. Allerdings dürfe man die acht Monate Zeit, die ihm noch zur Verfügung stehen, nicht unterschätzen, denn Spachtel- und Verputzarbeiten sowie Konstruktions- und Montagearbeiten nach Plan wollen gelernt sein. Das Augenmerk am anspruchsvollen Wettbewerb werde wohl auf die Trockenbauarbeiten und Stuckaturen gelegt. Doch die Aufgabenstellung in den Grundzügen werde dann noch bekanntgegeben, meint Berger. Er weiss aus Erfahrung: Die grösste Herausforderung wird die Zeit sein. «Ich muss effizient sein, jeder Handgriff muss absolut sitzen. Da muss ich Routine entwickeln. Ziel ist es, bei gleichbleibender Qualität schnell und ergiebig zu arbeiten», betont der junge Gipser. Was das Mentale betrifft, macht er sich noch keine Sorgen. «Ich bin sehr bodenständig und nicht so schnell aus der Ruhe zu kriegen. An den SwissSkills in Bern hat es auch geklappt.» Wichtig für das mentale Training seien auch die Team-Weekends des SwissSkills-Team, welche ab dem 1. April regelmässig stattfinden. «Ich freue mich darauf. Das wird sicher toll», so Berger. Klar ist für ihn, dass er sein Hobby als Pontonier in diesem Sommer etwas einschränken müsse, denn das Training hätte Priorität.

«Ich muss effizient sein, jeder Handgriff muss absolut sitzen.»

Viel Rückhalt in dieser intensiven Zeit findet der junge Mann auch bei seiner Familie. «Meine Eltern, aber auch Geschwister sind sehr stolz auf mich. Es ist ein schönes Gefühl, wenn man so getragen und unterstützt wird und sich andere für einen freuen», sagt Berger. Seine Familie werde auch in Göteborg dabei sein. «Es ist für mich eine grosse Ehre, die Gipserbranche in Schweden zu vertreten und sicher auch ein unvergessliches Erlebnis, wo ich Freundschaften knüpfen und meine beruflichen Horizonte erweitern kann.»

Corinne Remund

EUROSKILLS GÖteborg 2016

In zehn Berufen antreten

Die 5. EuroSkills Competitions findet vom 1. bis 3. Dezember an der Westküste Schwedens in Göteborg statt. Rund 500 junge Berufsleute aus 30 europäischen Ländern kämpfen in 38 verschiedenen Berufen um den Europameisterstitel. Das Schweizer Team wird in zehn Berufen um die Medaillen kämpfen. Neben Teilnehmenden aus der Deutschschweiz sind dieses Mal ein Wettkämpfer aus der Romandie sowie ein Wettkämpfer aus dem Tessin dabei. Zu den vertretenen Berufsfeldern gehören:

Maurer

Schönheitspflegerin

Gipser

Malerin

Plattenleger

Elektroinstallateur

Landmaschinenmechaniker

Spengler

Boden-Parkettleger

Bekleidungsgestalterinnen

Acht Vorbereitungsmonate

Um dort aufs Siegertreppchen zu kommen, bereiten sich die Schweizer Berufsleute bereits seit Anfang Jahr mit intensivem individuellem Training vor. Die Vorbereitungen als gesamte Delegation beginnen mit dem ersten Teamweekend vom 8. bis 10. April in Dagmersellen. Anfang Juni folgt eine eintägige Medienschulung und Ende September noch ein zweites Teamweekend. Der Materialverlad ist Mitte November geplant, die Reise in den hohen Norden beginnt für die Wettkämpfenden am 29. November mit dem Flug Richtung Göteborg. CR