Publiziert am: Freitag, 9. Dezember 2016

Handeln, bevor es zu spät ist

GRENZÜBERSCHREITENDE STEUERHINTERZIEHUNG – Mit einer erfolgreichen straflosen Selbstanzeige können Schweizer 
Steuersünder ein Strafverfahren wegen Steuerhinterziehung verhindern.

Steuerpflichtige in der Schweiz sind verpflichtet, ihr weltweites Einkommen und Vermögen in der Schweizer Steuererklärung vollständig zu deklarieren und je nach Situation ganz oder teilweise zu versteuern. Ansonsten drohen neben einer Nachsteuer und Zinsfolgen auch strafrechtliche Konsequenzen. Mit einer erfolgreichen straflosen Selbstanzeige kann ein Strafverfahren wegen Steuerhinterziehung verhindert werden.

Automatischer Informations­austausch

Der Schweizer Herbert erhielt mit einer Erbschaft ein Bankkonto in Deutschland. Dieses hat er in der Schweizer Steuererklärung nie angegeben. Das könnte ihm nachträglich zum Verhängnis werden. Der neue internationale Standard für den 
automatischen Informationsaustausch (AIA) soll grenzüberschreitende Steuerhinterziehungen verhindern. Die Schweiz wird zusammen mit den Vertragsstaaten ab 2017 Daten sammeln und diese ab 2018 zum ersten Mal austauschen. Im vorliegenden Fall wird somit Deutschland zukünftig die Kontoinformationen von Herbert an die Schweiz übermitteln. Deshalb droht ihm ein Nach- und Strafsteuerverfahren wegen 
Steuerhinterziehung in der Schweiz.

Straflose Selbstanzeige

Im vorliegenden Fall kann eine rechtzeitige straflose Selbstanzeige eine sinnvolle Strategie sein, um der drohenden Enthüllung zu begegnen. Im Rahmen dieser straflosen Selbstanzeige werden die entgangenen Steuern inklusive Zinsen der letzten zehn Jahre ermittelt und sind geschuldet. Auf eine Busse wird allerdings bei der ersten Selbstanzeige verzichtet. Voraussetzung für eine straflose Selbstanzeige ist, dass die Steuerbehörden keine Kenntnis von den noch nicht deklarierten Einkommens- und Vermögenswerten haben. Die Selbstanzeige muss also aus eigenem Antrieb, freiwillig und spontan erfolgen. Liegt bereits eine «Ausweiseinforderung» der Steuerbehörden vor, ist der Antrag zu spät, und ein Steuerhinterziehungsverfahren wird eröffnet.

Fazit: So bald als möglich handeln!

Im Hinblick auf die Einführung des AIA sollten insbesondere in der Schweiz steuerpflichtige Personen mit nicht deklarierten Einkommens- und Vermögenswerten im Ausland so schnell wie möglich eine straflose Selbstanzeige vornehmen. Für Herbert ist es somit höchste Zeit, seine Vermögenswerte in Deutschland offenzulegen. Wartet er, bis die Schweizer Steuerbehörden die Bankdaten über den automatischen Informa-
tionsaustausch erhalten, wird die straflose Selbstanzeige kaum mehr möglich sein.

Jérôme Rüfenacht, 
dipl. Steuerexperte, 
Gewerbe-Treuhand AG

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