Publiziert am: 07.07.2017

Handwechsel am Wäscheständer

NACHFOLGE – Die traditionsreiche Stewi AG hat ihre Zukunft erfolgreich geregelt und ist drauf und dran, sich einen innovativen 
Anstrich zu verpassen. Wie ein Fels in der Brandung steht die starke Marke, die von den neuen Besitzern sanft entstaubt wird.

Vor 70 Jahren gegründet, ist er heute ein Synonym für etwas, das jeder Haushalt braucht. Wer sagt «Wäscheständer»? Die Wäsche hängt man selbstverständlich über den «Stewi» auf dem Balkon oder im Garten. Die Stewi AG aus Winterthur hat geschafft, was für jede Firma ein Wunschziel ist: Die Konsumenten assoziieren nicht nur den Markennamen mit der Funktion des Produkts, sondern auch umgekehrt. Das ist der Ritterschlag. Erreicht hat Stewi auch ein anderes Wunschziel vieler KMU: Eine erfolgreiche Nachfolge – und ist nun bereit für eine glänzende Zukunft.

«Wir müssen wieder beweisen, dass 
Stewi ein innovatives Unternehmen ist.»

Dabei hatten die Prognosen noch vor Kurzem eher düster ausgesehen. Der Zahn der Zeit hatte bei Stewi Spuren hinterlassen. Trotz starker Marke gingen die Verkaufszahlen seit Jahren zurück. Ursprung der Baisse war auch der eigene Erfolg in den 1960er und -70er Jahren. Der damals von der Gründerfamilie Steiner (Steiner Winterthur) entworfene Wäscheständer aus Aluminium mit Plastikseilen wurde über Nacht zum Kassenschlager. Der Haken daran: Das Produkt war Schweizer Qualität vom Besten – praktisch unzerstörbar. Wie kommt man also an neue Kunden, wenn das Produkt für die Ewigkeit hält? Und so ging es mit der innovativen Stewi über die Jahrzehnte langsam bergab.

«Die Produktion schrumpfte zusammen, von den einst 120 Mitarbeitenden waren zuletzt noch 21 beschäftigt», erzählt Rolf Steiner, eines von fünf Kindern des Firmengründers und Vertreter der Erbengemeinschaft: Die Besitzer wussten nicht, wie sie den Negativtrend stoppen sollten, es fehlte ein Konzept für Investitionen und Innovationen. Schliesslich wurde ihnen klar: «Wenn wir der Stewi AG eine Zukunft ermöglichen wollen, müssen wir verkaufen.»

«Herrlich verstaubt mit einem 
gewaltigen Potenzial!»

Mit diesem Entscheid begaben sich Rolf Steiner und seine Geschwister auf einen nicht weniger fordernden Weg, nämlich die Nachfolge ihrer Firma erfolgreich zu lösen. Der Übergabeprozess war langwierig und intensiv, denn die Erben hatten verschiedene Interessen. Martin Jeker, erfahrener Firmenkundenberater von Raiffeisen, hat die Transaktion begleitet: «Es war eine der anspruchsvollsten Transaktionen, die ich bis jetzt begleitet habe – aber schliesslich auch eine der erfolgreichsten.» Die beiden Übernehmer Stefan R. Ebnöther und Lorenz M. Fäh geben zu: «Es gab Momente, in denen wir ans Aufhören dachten. Man braucht schon Durchhaltevermögen bei so einer Übernahme.» Heute sind sich alle am Tisch einig: Zum Glück hat es geklappt! Rolf Steiner ist begeistert von seinen Nachfolgern, während die Augen von Ebnöther und Fäh leuchten, wenn sie von ihren Plänen sprechen.

«Es war eine der 
anspruchsvollsten Transaktionen, die ich bis jetzt begleitet habe – aber schliesslich auch eine der erfolgreichsten.»

Dass die zwei erfahrenen Zürcher Investoren just dann in Kauflaune waren, als Steiner verkaufen wollte, war ein Glücksfall. «Wir hatten als Zielobjekt einen etablierten Schweizer Brand definiert, inhabergeführt und schon etwas in die Jahre gekommen, so dass wir etwas daraus machen können», erinnert sich Lorenz M. Fäh. Die Verkaufsabsichten der Stewi AG seien zum perfekten Zeitpunkt gekommen. «Eine herrlich verstaubte Firma mit einem gewaltigen Potenzial.»

Nach mehreren Verhandlungsrunden wurde Ende Januar 2017 die Firmenübernahme besiegelt. Rolf Steiner ist glücklich darüber, hatte er in seine Stewi AG doch über die Jahre viel Herzblut gesteckt. Von den beiden neuen Inhabern ist er überzeugt. Als Zeichen seines Vertrauens liess er ihnen seinen Anteil des Verkaufserlöses als Darlehen in der Firmenkasse

Ambitionierte Innovationspläne und erste Produktneuheit

Unterdessen haben die neuen Besitzer einen wahrhaftigen Blitzstart hingelegt. Knapp einen Monat nach der Firmenübernahme präsentierten sie bereits die erste Produktneuheit. Der Stewi «Combi Mini» ist eine schmalere Version des Originals und in der Länge verstellbar. «Dieser neue Stewi passt sogar in die Badewanne und damit in jeden Single-Haushalt», sagt Lorenz M. Fäh. Damit ist Stewi ein Beispiel dafür, dass trotz der Amortisation der Übernahmefinanzierung Spielraum für Innovation und Wachstum bestehen kann.

Dieser erste Wurf ist Sinnbild für die Botschaft, welche die neuen Besitzer verkünden wollen: «Wir müssen wieder beweisen, dass Stewi ein innovatives Unternehmen ist.» So möchten sie zum Beispiel eine vollautomatische Wäschehänge entwickeln, welche die Wäsche nicht nur trocknet, sondern auch gleich reinigt. Gespräche dazu seien bereits im Gang, lassen die neuen Inhaber verlauten. Man darf also gespannt sein, wohin der Weg das Traditionsunternehmen führt.

Nachfolge-Service

Zehn Tipps für KMU

Martin Jeker von Raiffeisen (Bild) hat die Stewi AG bei der Nachfolge begleitet. Für KMU hat er zehn Tipps zusammengestellt, wie Übernehmer den Unternehmenskauf finanzieren können und welche Abklärungen es bei einer Nachfolge bedarf:

n Ziehen Sie frühzeitig Berater bei, die mit Nachfolgeregelungen vertraut sind.

n Suchen Sie sich einen Nachfolgeprofi, dem Sie vertrauen. Während der Nachfolgetransaktion ist die Zusammenarbeit mit dem Firmenkundenberater sehr intensiv.

n Klären Sie ab, ob Sie über genügend Eigenmittel verfügen.

n Reichen Sie der Bank die richtigen Dokumente für die Kreditprüfung ein.

n Belegen Sie die Tragbarkeit der Finanzierung.

n Denken Sie an die Sicherheiten, die bei Nachfolgefinanzierungen verlangt werden.

n Sagen Sie nur ja zum Deal, wenn die Zukunftsbeurteilung der zu übernehmenden Firma positiv ausfällt.

n Sorgen Sie für eine geordnete Geschäftsübergabe.

n Vergessen Sie nicht das Reporting.

n Kalkulieren Sie das Wachstum der übernommenen Firma realistisch.

Weitere Informationen:

Martin Jeker, Firmenkunden Zentrum Region 
Zürich, E-Mail: 
martin.jeker@raiffeisen.ch

LINK

www.raiffeisen.ch/nachfolgetipps

Raiffeisen unterstützt KMU

Experten für die Nachfolge

Raiffeisen begleitet KMU bei allen Fragen rund um das Unternehmertum und bietet Unternehmerinnen und Unternehmern bei den wichtigsten finanziellen und unternehmerischen Herausforderungen Lösungen an, die dank einem breiten Netzwerk aus einer Hand stammen. Beim Thema Nachfolge verfügt 
Raiffeisen zudem mit dem 
RUZ Unternehmerzentrum, mit Business Broker AG und der Vorsorge Partner AG über Mediatoren und Experten mit einem breiten Fachwissen, wenn es darum geht, Nachfolgeregelungen zu begleiten, deren Finanzierung zu ermöglichen, einen Firmenverkauf zu realisieren oder Vorsorgefragen zu beantworten.

Weitere Informationen:

Kurt Müller (Bild),Begleiter und Leiter RUZ Gossau, E-Mail:

kurt.mueller@ruz.ch

LINK

www.raiffeisen.ch/nachfolge