Publiziert am: 19.01.2018

Handwerk als Kulturgut erhalten

SCHWEIZER PFLÄSTERERMEISTER – Als zentrale Aufgabe fördert der Verband den Beruf des Pflästerers und sensibilisiert die Öffentlichkeit dafür. Der Beruf ist eng mit dem beliebten und gefragten Naturstein verbunden – und verfügt so über viel Potenzial.

Der Pflästerer ist der Künstler unter den Verkehrswegbauern: Gibt es für Plätze, Gassen, Treppen oder sogar einen Schlosshof spezielle Wünsche für die Gestaltung – sie wird vom Pflästerer massgeschneidert ausgeführt. «Der Beruf des Pflästerers ist sehr kreativ. Bogen-, Reihen-, Kreispflästerung oder ein Mosaik sind nur einige der Gestaltungsformen, die verwendet werden», erklärt Armin Seger, Geschäftsführer des Verbandes Schweizerischer Pflästerermeister VSP. Während in den 60er-Jahren die Nachfrage nach Pflästerungen eher rückläufig war, sind die Betriebe heute wieder gut ausgelastet. «Dies hängt damit zusammen, dass die Pflästerung sich vom Nutzungs- zum Gestaltungsbelag gewandelt hat. Gerade in der Altstadt, auf öffentlichen Plätzen, in Hofeinfahrten, auf Vorplätzen, in Gassen, auf Terrassen oder überall bei Randabschlüssen für Strassen wird die Pflästerung gerne als Gestaltungselement verwendet», betont Seger. Besonders im Trend sind zurzeit Natursteinpflästerungen. «Natursteinpflästerungen sind reine Handarbeiten und geniessen nicht nur eine hohe Wertschätzung, sondern können auch grossen Belastungen ausgesetzt werden. Eine Natursteinpflästerung wirkt lebendig und strahlt besondere Wärme aus, vom Hauszugang über den Ladenvorplatz bis zum öffentlichen Fussweg, zu Wohnsiedlungen und Parks», erklärt Seger.

Traditionelles Handwerk 
trifft auf Innovation

Im Zentrum der Verbandsarbeit steht die Aus- und Weiterbildung. Dabei spielt das Bildungs- und Berufszen­trum BBZ des VSP in Alpnach eine wesentliche Rolle (siehe Kasten 2). Zurzeit werden pro Jahrgang rund ein Dutzend Pflästererlehrlinge ausgebildet. «Wir sind – wie auch andere Steinberufe – ein Kleinstberuf, immerhin aber einer, der in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen hat. Pflästerer wird oft als Zweitberuf gewählt. Vor einiger Zeit hatten wir beispielsweise eine Hochbauzeichnerin, die sich als Pflästerin ausbilden liess», erklärt André Högger, Chefkursleiter und Verwalter des BBZ VSP. Pflästerer sei zudem ein vielfältiger Beruf, der verschiedene Aufstiegsmöglichkeiten biete, beispielsweise zum dipl. Bauführer oder Ingenieur (FH).

«Es ist sehr wichtig, dass wir in der 
Öffentlichkeit 
aktiv sind.»

Für den Verband ist es ein grosses Anliegen, für den Beruf des Pflästerers in der Öffentlichkeit an Berufsmessen oder in Schulklassen zu werben, die Vielfalt dieses Kunsthandwerks attraktiv zu präsentieren und so auch dafür zu sorgen, dass der Beruf nicht ausstirbt. «Es ist sehr wichtig, dass wir in der Öffentlichkeit aktiv sind», so Högger. In Deutschland wurde der Pflästerer als selbstständiger Beruf aufgehoben und im Strassenbau integriert. «Das soll bei uns nicht passieren», sagt Seger und ergänzt: «Bei uns verläuft die Entwicklung des Berufs ziemlich wellenförmig und ist einerseits von den Geburtenzahlen, und andererseits auch von der Konjunktur abhängig.» Das grösste Anliegen des Verbands ist deshalb, dass «der Beruf des Pflästerers als Kulturgut anerkannt und als Handwerk bestehen bleibt», so Seger. Das heutige, starke Verkehrsaufkommen stellt den Pflästerer immer wieder vor neue Situationen und Herausforderungen. Der Pflästerer ist sich jedoch seit jeher gewohnt, seine Arbeit den neuen Voraussetzungen und Gegebenheiten anzupassen. «Unser Metier hat Zukunft. Pflästerer sind begehrte Spezialisten und die Künstler unter den Verkehrswegbauern», hält Seger fest, und Högger doppelt nach: «Als Pflästerer schafft man etwas Sinnvolles und Bleibendes.»

Corinne Remund

DER VSP KURZ ERKlÄRT

Gut vernetzt

Der Verband Schweizerischer Pflästerermeister VSP wurde 1910 gegründet. Damals wurden sämtliche Strassen und Verkehrswege hauptsächlich gepflästert. Die Pflästerer wollten mit dem Zusammenschluss ihren Berufsstand sowie die Ausbildung fördern. Heute ist der VSP die Arbeitgeberorganisation des Pflästererhandwerks und gleichzeitig Mitglied des Schweizerischen Baumeisterverbandes 
SBV. Der Verband ist für seine Mitglieder eine wichtige Informationsplattform. Zu den Dienstleistungen des Verbandes gehören Beratungen von Bauvorhaben für Ingenieure, Architekten, Bauherren, Unter­nehmen, aber auch Baubegleitungen, Gutachten und Expertisen für Naturpflästerungen und andere Beläge sowie das Einführen von neuen Normen. Der Verband betreibt ein Netzwerk innerhalb der Baubranche und pflegt regen Austausch mit anderen Verbänden und Organisationen. Natürlich ist er auch national und international bestens vernetzt. Der VSP führt regelmässig Projekt­wochen, teilweise in Form von Goodwill-Aktionen, durch.

Ein wichtiger Schwerpunkt der VSP-Tätigkeit ist seit jeher die berufliche Aus- und Weiterbildung (siehe Kasten 2). Aktuell zählt der Verband 80 Mitglieder. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Firmen mit 2 bis 12 Angestellten sowie Kleinstbetriebe. Aber auch Grossfirmen mit einer kleinen Pflästererabteilung sind Mitglieder. Rund 3000 Personen arbeiten in der Branche.

CR

BILDUNGS- UND BERUFSZENTRUM BBZ

Einzige Aus- und Weiterbildungsstätte in Europa

Kerngeschäft des Verbandes Schweizerischer Pflästerermeister ist die Aus- und Weiterbildung. Der VSP setzte vor 15 Jahren mit der Inbetriebnahme des eigenen Bildungs- und Berufszentrums (BBZ VSP) in Alpnach im Kanton Obwalden diesbezüglich einen Meilenstein. Die Gesamtkosten beliefen sich damals auf 1,15 Millionen Franken. Die Infrastruktur umfasst eine rund 400 Quadratmeter grosse Lehrhalle mit Naturboden und einen Schulungsraum mit Sanitäts- und Lehrerzimmer. Dazu steht die gesamte Fläche von 180 000 Quadratmetern des Steinbruchs Gruber für den naturgetreuen Anschauungsunterricht und die praktische Ausbildung zur Verfügung. «Die Ausbildung umfasst sowohl die Grundbildung (Lehrlinge) wie auch die Erwachsenenaus- und -weiterbildung respektive Nachholbildung für Erwachsene. Letzteres ist für das BBZ sehr wichtig», betont André Högger. Der Pflästerer, eidg. dipl. Polier und Bauführer/Tiefbau HF ist seit 2004 Chefkursleiter und Verwalter des BBZ VSP in Alpnach. «Jedes Jahr lassen sich zwischen 500 und 600 Berufsleute, einerseits gelernte Pflästerer, weiterbilden, andererseits Maurer, Gartenlandschaftsbauer, Strassenbauer usw., stufengerecht in das Pflästern einführen», so Högger. Das BBZ VSP ist die einzige Aus- und Weiterbildungsstätte im deutschsprachigen Raum, das den Schwerpunkt auf die praktische Pflästererausbildung legt. Dazu Högger: «An unseren Kursen nehmen auch viele Berufsleute aus dem Ausland teil. So hatten wir schon mal eine Kursklasse aus China.» Wer bei seiner Berufswahl das Berufsbild Pflästerer näher unter die Lupe nehmen will, hat die Möglichkeit, während dreier Tage im BBZ VSP zu schnuppern.

Als einziger Berufsstand in der Schweizer Bau- und Steinbranche setzen die Pflästerer im Lehrplan ihrer Aus- und Weiterbildung eine diplomierte Physiotherapeutin ein, die den Kursteilnehmern das richtige Heben, Tragen, Sitzen und Stehen bei der 
Arbeit beibringt. CR