Publiziert am: Freitag, 22. Januar 2016

«Ich will die Welt kräftigen»

Vom Schrottplatz zum Konzern – Unternehmer Werner Kieser zeigte auf, wie er sein Impe­rium mit 150 Fitnessstudios aufgebaut hat. Das Unternehmertum ist für ihn eine Leidenschaft.

Die 67. Gewerbliche Winterkonferenz in Klosters fand mit einem Referat des Begründers des bekannten Kieser-Trainings einen würdigen Abschluss. Werner Kieser hat eine beispiellose Karriere hinter sich – ohne Businesspläne, aber mit viel Leidenschaft für seine Ideen, ein Fitnessstudio zu eröffnen. Vor 49 Jahren startete der heute 76-Jährige mit seinem Krafttrainingssystem – Fitnessstudios waren damals eine Ausnahme und Trends wie Zumba oder Spinnig Fremdwörter. Wie sein Vater liess er sich zum Schreiner ausbilden. In seiner Jugend übte er sich als Boxer. Eine Rippenfellquetschung brachte ihn dann zum Krafttraining und zur Idee, ein eigenes Kraftstudio aufzubauen. Mit vier Tonnen Eisen vom Schrottplatz und einem Elektroschweissgerät errichtete der ehemalige Lenzburger 1967 sein erstes Studio in Zürich.

«Ich verfügte über die modernsten Fitnessgeräte in Ganz europa.»

Er baute dabei Maschinen aus den USA nach. «Die USA waren Europa im Krafttraining Jahre voraus. Ich verfügte so über die modernsten Fitnessgeräte in ganz Europa», so Kieser. Ebenso importierte er als erster eine spezielle Kraftrainingsmaschine des Amerikaners Arthur Jones in die Schweiz. «Mit dieser Maschine konnte Rückenprobleme ohne Spritzen und teure Behandlungen behoben werden. So wurde mein Kieser-Training in der Schulthess Klink zum Unwort, weil durch das Training Rückenoperationen vermieden werden konnten», sagt der Fitness-Guru.

1981 folgten weitere Studios auf Franchise-Basis und der Aufbau seines Imperiums kam ins Rollen.1990 wurde sein erster Betrieb in Deutschland gegründet, mittlerweile finden sich Kieser-Trainings in zahlreichen anderen Ländern. «Das Spektrum des Trainierens ist enorm, auch bei älteren Leuten. Heute schonen wir die Alten zu Tode.» Rund 270 000 Kunden – davon die Hälfte Frauen – trainieren an den zum grossen Teil selbst entwickelten Fitnessgeräten von Werner Kieser. Noch immer hat er zum Ziel, «die Welt zu kräftigen».

Unternehmerbild ändern

Das heutige Bild des Unternehmers hängt gemäss Kieser schief. «Die meisten Leute meinen, wir Unternehmer seien hinter dem Geld her, doch das stimmt nicht. Einen Betrieb aufzubauen und zu führen, bedeutet, angefressen zu sein und mit viel Herzblut einen Nutzen für andere zu bieten», so Kieser. Das Geld sei lediglich das Betriebsmittel dazu. «Hier braucht es auch politisch ein Umdenken», ist Kieser überzeugt.

Corinne Remund