Publiziert am: 04.09.2015

Im Export schlägt Qualität den Preis

Synergy 2015 – Das Schweizer Wohlstandsniveau wäre ohne die vielen kleinen und mittleren Unternehmen nicht denkbar. 
Dass eine grosse Zahl die Geschäfte im Ausland macht, verblüfft und weckt Fragen.

Es ist seltsam: Obwohl Unternehmen in der Schweiz durchwegs höhere Löhne bezahlen als jene im Ausland, stechen sie diese mit ihren Produkten und Dienstleistungen oft aus. Die Schweizer Exportwirtschaft ist deshalb seit den frühen 90er Jahren der Wachstumsmotor für dieses Land. Ein Ende dieser Entwicklung ist trotz einem ernsthaften Schwächeln in diesem Jahr nicht in Sicht. Frankenstärke, Asienkrise, nichts scheint unsere Wohlstandsmaschine zu stoppen. Man fragt sich: Warum ist das so? Vorerst lohnt sich ein Blick auf die Geschäftseinheiten selber. Die meisten in der Schweiz gehören zur Klasse der kleinen und mittleren Unternehmen, den so genannten KMU. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) operiert mit einer Zahl von 320 000 KMU, die Statistiker des Bundes kalkulieren seit jüngstem gar 500 000 Geschäfte. Der Unterschied rührt von einem Definitionswechsel, weil neuerdings eine temporäre Selbstständigkeit genügt, um ein kleines Unternehmen zu sein. Es ist gewissermassen die Öffnung der Skala nach unten. Nach oben aber ist die Limite eindeutig: Wer bis zu 249 Vollzeitstellen-Äquivalent beschäftigt, ist ein KMU, wer eine mehr verzeichnet, ist schon gross.

Zwei Drittel der Schweizer ­Erwerbstätigen arbeiten in KMU

Egal, welche Definition man wählt, man darf davon ausgehen, dass rund drei Millionen Erwerbstätige hierzulande in einem KMU arbeiten. Sie entsprechen zwei Dritteln aller Mitarbeitenden im Land, und sie sorgen für rund sechzig Prozent der Wertschöpfung.

Der Schweizerische Gewerbeverband sgv vertritt um die 300 000 KMU. Sie sind besonders aktiv, wenn es sich um das Geschäft mit dem Ausland dreht. Jedes dritte Schweizer KMU generiert mehr als die Hälfte seines Umsatzes im Exportbereich. Mit dieser beeindruckenden Zahl nähern wir uns der Eingangsfrage. Warum schlagen Schweizer KMU mit ihren Produkten und Dienstleistungen trotz erwiesenen, höheren Lohnkosten die ausländischen Konkurrenten? Die Economic-Research-Abteilung der Credit Suisse gibt in ihren zusammen mit Switzerland Global Enterprise ­(S-GE) regelmässig erstellten Studien über Erfolgsfaktoren von Schweizer KMU einen Hinweis. Es gelingt ihr, in einem Mehrjahresvergleich aufzuzeigen, dass die Schweizer KMU trotz steigender Preise vor allem dank hochqualitativen Spitzenprodukten mehr exportieren. Kurz gefasst: Die Schweiz weicht dem erbarmungslosen globalen Preiskampf aus, indem sie bessere Qualität liefert als andere, oder aber, indem sie den ihr vorauseilenden, entsprechenden Ruf stets von Neuem zu bestätigen vermag. Qualität subsumiert die technischen Anforderungen an das Produkt, die Erwartungen der Kunden an Service, Nutzen und Produkt, die Pünktlichkeit und nicht zuletzt die persönliche Beziehung des Kunden zum Produkt oder zum Produzenten (oder zur Schweiz als Marke des Herstellers selber). Erfreulich dabei ist zweierlei. Einerseits, dass die KMU offenbar ihre Innovationsbestrebungen zur Erreichung einer überlegenen Qualität hoch halten. Andererseits, dass die Produzenten oder Dienstleister keineswegs alles auf die Karte China setzen, sondern gemäss aktueller Befragungen Europa als beinahe ebenso wichtigen Expansionsmarkt sehen. Das ist eine gesunde Risikoverteilung. Bleibt die Schlussfrage, die es zu klären gilt: Welche Qualität wird morgen den Unterschied und damit den künftigen Wohlstand des Exportlandes Schweiz ausmachen?

Bruno Affentranger,

«Schweizer Monat»

Der Anlass

«Swiss KMU: Global Leader for Quality»

Am 4. November 2015 findet im Kursaal Bern die synergy, der Anlass der Schweizer KMU-Wirtschaft, statt. Die synergy 2015 stellt unter dem Thema «Swiss KMU: Global Leader for Quality» KMU in den Mittelpunkt, die so lange an ihrer Schweizer Qualität gefeilt haben, dass sie trotz höherer Preise international gefragt sind. Der vorliegende Artikel ist ein Vorabduck aus der Sondernummer des «Schweizer Monats», die anlässlich der synergy erscheinen wird.